Samenspende: Gesetzliche Regelungen ungenügend


Die Behandlung mit den Samen eines Spenders ist zum Beispiel bei einer Azoospermie des Partners auch in Deutschland eine häufig angewendete Behandlungsmöglichkeit.

Während die Kinderwunschbehandlungen mit den Spermien des Partners bis ins Letzte geregelt ist, bestehen bei der donogenen Insemination keine gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Kindern, Spendern und Eltern Sicherheit verleihen könnten.

Ärztliches Standesrecht und die Richtlinien des „Arbeitskreises donogene Insemination“ [PDF] versuchen diese Lücke schließen, können den Gesetzgeber jedoch nicht aus der Pflicht nehmen, Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen.

Frau Dr. Petra Thorn – die auch einen Vortrag anläßlich unserer Jubiläumsveranstaltung am 20.9. halten wird – hat zu diesem Thema einen Artikel für die kommende Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Human Reproduction“ geschrieben, den Martina Lenzen-Schulte in der aktuellen FAZ-Ausgabe aufgreift und zusammenfasst.

In einer Umfrage an Samenbanken in Deutschland wurden die Samenspender anonym dazu befragt, inwieweit sie für eine Kontaktaufnahme von seiten der mit ihrem Samen gezeugten Kinder bereit wären. Immerhin gaben 43% der befragten 63 Samenspender an, dass sie nichts dagegen hätten, wenn eine solche Kontaktaufnahme später stattfinden würde. 22% waren unentschlossen und 35% wünschten sich dauerhafte Anonymität.

Dies spiegelt auch die Meinung der Samenspender darüber wider, wie die Eltern der so gezeugten Kinder deren Entstehung offenlegen sollten: 37% waren der Meinung, dass die Eltern es den Kindern mitteilen sollten, 34% waren sich nicht sicher und 29% waren der Meinung, dass die Kinder nicht aufgeklärt werden sollten.

Während eine pschosoziale Beratung für die Empfänger der Spermienspende oft angeboten wird, sind sich die Spender über die Folgen einer solchen Behandlung oft nicht im Klaren.

Psychosoziale Beratung, wie sie bereits für Eltern angeboten wird, die ein Kind mittels Samenspende zeugen möchten, sollte künftig auch den Samenspendern selbst angeboten werden. So könnten die individuellen Wünsche besser berücksichtigt werden.

Eine professionellere Betreuung der Spender – und deren rechtliche Absicherung – sollte aber vor allem verhindern, dass der Schwarzmarkt für Samenspenden weiter blüht. Dort tummeln sich obskure Vermittler, die auf Spender ohne jegliche medizinische Überprüfung – etwa auf eine Infektion mit HIV – zurückgreifen. Für Paare mit Kinderwunsch, die in ihrer Not solche Risiken eingehen, wäre es ein wichtiges Signal, wenn man die Samenspende endlich auch einer rechtlichen Regelung für wert erachtete.

Den vollständigen Artikel, der auch weitere rechtliche und andere Fallstricke aufzeigt, können Sie hier nachlesen.

Thorn P, Katzorke T, Daniels K
Semen donors in Germany: A study exploring motivations and attitudes.
Hum Reprod. 2008 Jul 24


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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Sehr schön, dass diese Studie zu den Ansichten der Spender nun endlich mal durchgeführt wurde. Und das sind doch erfreuliche Ergebnisse. …

    Insbesondere ist es wichtig, die Spender rechtlich abzusichern. Dann steigt auch noch deren Bereitschaft zur Offenheit. Also ein Gewinn auf beiden Seiten.

    Solange es bestimmten Gruppen verwehrt wird, in Deutschland behandelt zu werden, so lange die donogene Insemination durch einen Arzt wesentlich teurer ist als die Befruchtung auf privatem Wege und so lange es keine Möglichkeit gibt, auch bei Behandlungen durch einen Arzt für die, die es so wünschen, ein von vornherein offenes Verhältnis zwischen den Eltern und dem Spender zu haben, wird es immer einen Schwarzmarkt geben.

    Und so lange Ärzte, die ihre Spenderkandidaten, die sie aufgrund eines etwas zu schlechten Spermiogrammes (zu schlecht für das Einfrieren, aber nicht zu schlecht für frische Befruchtungen)abweisen mussten, die aber ein einwandfreies Gesundheitszeugnis haben, so lange Ärzte diese Spenderkandidaten nicht an den freien Markt weiter empfehlen dürfen, wird es eben im freien Markt einen höheren Anteil an Spendern mit schlechterem Gesundheitszeugnis geben.

    Ich habe seit einiger Zeit Kontakt zu einer Frau, die sich mit diesem freien Markt recht gut auskennt. …

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Man sollte auch bedenken, dass die Paare oder allein stehenden Frauen, wenn sie ins Ausland gedrängt werden (sei es nun durch Vernot oder durch die finanzielle Seite) meist nur anonyme Spender bekommen, deren Daten auch später nicht feststellbar sind. Ein Gesetz in Deutschland sollte, wenn es perfekt sein soll, allen Betroffenen eine Behandlungsmöglichkeit bieten und den Wechsel ins Ausland durch bessere und kostengünstigere Möglichkeiten in Deutschland unattraktiv machen.