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Präimplantationsdiagnostik muss selbst bezahlt werden

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Das Bundessozialgericht hat noch ein für für manche Kinderwunschpaare wichtiges Urteil gefällt, welches etwas untergegangen ist aufgrund des am gleichen Tage gefällten Urteils „gegen Unverheiratete“: Die Präimplantationsdiagnostik ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

In dem entschiedenen Fall leidet der Kläger an einem Gendefekt, der eine vererbliche, das Gehirn betreffende Gefäßerkrankung (zerebrale autosomal dominante Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukoenzephalopathie -CADASIL-) mit schweren Verläufen bis hin zur Demenz verursacht. Er und seine Ehefrau wollen vermeiden, dass gemeinsame Kinder Träger des Gendefekts werden. Deswegen entschlossen sie sich zur künstlichen Befruchtung (IVF), um vom Gendefekt betroffene Eizellen durch die erst in diesem Stadium mögliche Präimplantationsdiagnostik (PID) feststellen zu lassen und vom intrauterinen Embryonentransfer auszuschließen.

Bild: Dieter Schütz  / pixelio.de
Gentests an Embryonen ist keine Kassenleistung
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Der 1. Senat des Bundessozialgerichts hat die Revision des Klägers zurückgewiesen. Die beklagte Krankenkasse und die Vorinstanzen haben zu Recht einen Anspruch des Klägers verneint. Die PID-IVF-Behandlung ist keine Krankenbehandlung im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Durch die PID-IVF soll beim Kläger keine Funktionsbeeinträchtigung erkannt, geheilt, gelindert oder ihre Verschlimmerung verhütet werden. Die bei ihm vorliegende Erbkrankheit CADASIL wird mit PID-IVF nicht behandelt.

Die künstliche Erzeugung von Embryonen und deren Bewertung mittels PID vor der Herbeiführung der Schwangerschaft ermöglicht die Verwerfung solcher Embryonen, die Träger einer schwerwiegenden Erbkrankheit sind. Die PID-IVF dient damit der Vermeidung zukünftigen Leidens eines eigenständigen Lebewesens, nicht aber der Behandlung eines vorhandenen Leidens bei den diese Leistung begehrenden Eltern. Der Kläger hat mangels Fertilisationsstörung bei ihm oder seiner Ehefrau auch keinen (Teil-)Anspruch auf Leistungen zur künstlichen Befruchtung.

Ein weitergehender Anspruch ergibt sich auch nicht aus verfassungskonformer Auslegung. Der Kläger kann auch Erstattung von 21 099,35 Euro für zwei im Jahr 2012 in Belgien durchgeführte PID-IVF-Behandlungszyklen nicht beanspruchen. Europäisches Gemeinschaftsrecht und deutsches Recht setzen hierfür voraus, dass ein entsprechender Leistungsanspruch im Inland bestünde. Daran fehlte es auch deshalb, weil die zwingend erforderliche zustimmende Bewertung einer Ethikkommission nach dem Embryonenschutzgesetz erst ab Februar 2014 auf gesetzlicher Grundlage möglich ist. Die Kosten der vor der Leistungsablehnung im Inland selbst verschafften Maßnahmen (478,96 Euro) beruhen zudem nicht auf der Leistungsverweigerung.

Urteil des BSG vom 18.11.2014, Az.: B 1 KR 19/13 R
Quelle: Pressemitteilung Nr. 36/2014 des BSG vom 18.11.2014


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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Greta schreibt

    wer redet von bezahlen, wo es bis neulich noch strafbar war?

    ich habe keine ahnung, ob bisher überhaupt welche damit durch die ethikkommission gekommen sind… aber wünschenswert wären WENIGSTENS polnische verhältnisse.

    EZS, PID etc etc.

    wir sind ein entwicklungsland.

    nur weiss ich nicht, ob sich da was zum guten entwickelt…