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Präimplantationsdiagnostik: Ethikkommission ist Pflicht

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Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist in Deutschland zwar verboten, ist aber seit 2011 in strengen Grenzen und nur in Einzelfällen erlaubt. Bei der PID werden einem Embryo einzelne Zellen entnommen und genetisch untersucht. Um dies in Deutschland durchführen zu dürfen, muss einer der Partner eines Paares einen nachgewiesenen Gendefekt i. S. einer Erbkrankheit aufweisen, diese Erkrankung muss potentiell während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt zum Tode führen und dieser Sachverhalt muss in Einzelfallentscheidungen vor einer Ethikkommission verhandelt werden.

Ist der Zeitpunkt der Zellentnahme von Bedeutung?

Üblicherweise ist die Embryo-Biopsie am dritten Tag nach der Befruchtung im 8-Zell-Stadium als Routine etabliert. Meist wurden zwei „totipotente“ Zellen entnommen und auf genetische Auffälligkeiten hin untersucht. Und auch jetzt noch ist dies der am häufigsten verwendete Weg. Man kann jedoch auch eine „Trophektoderm-Biopsie“ durchführen: Hier werden einer Blastozyste – also einem 5-6 Tage alten Embryo – Zellen seiner äußeren Hülle entnommen und genetisch untersucht.

Es gibt Ärzte und Juristen, die der Auffassung sind, diese Methode sei keine PID im eigentlichen Sinne, da sie mit Zellen arbeitet, die nur ein beschränktes Entwicklungspotenzial haben. Demzufolge wird von den Vertretern dieser Sichtweise auch ein Votum einer Ethikkommission für nicht notwendig erachtet. In letzter Konsequenz bedeutet dies dann auch, dass man sich über Einschränkungen, denen die „konventionelle“ PID unterliegt, ebenfalls hinwegsetzen kann. So könnte man dann auch ein sogenanntes Aneuploidie-Screening durchführen, um nachzuschauen, ob ein Embryo die richtige Anzahl von Chromosomen aufweist.
Foto Blastozyste
Selbst eine Biopsie des Embryos ist absehbar nicht mehr zwingend notwendig, gibt es doch erste vielversprechende Ansätze, den genetischen und chromosomalen Zustand eines Embryos aus der Nährlösung seiner Kulturschale zu erfassen.

Gerichtliche Klärung vonnöten

Der Embryo wird durch diese oder ähnliche Techniken nicht geschädigt und daher unterliegt diese Diagnostik nicht dem Embryonenschutzgesetz, so argumentierte auch ein Laborunternehmen aus München. Die Stadt München hatte diesem die Trophektodermbiopsie ohne Vorstellung des Einzelfalls vor einer Ethikkommission untersagt. Dagegen klagte das Unternehmen vor dem Verwaltungsgericht München.

Bestmögliche Behandlung der Patientin ist das Ziel

Die Zielsetzung einer bestmöglichen Behandlung und die ausbleibende Schädigung des Embryos wurde vom Gericht anerkannt, jedoch können diese Ziele ausschließlich im Rahmen des geltenden Rechts verfolgt werden. Und gemäß der Auffassung des Gerichts ist dies nicht gegeben, wenn die Ethikkommsion umgangen wird, berichtet OVB-online:

„Der Gesetzgeber hat entschieden, jede Möglichkeit einer Selektion zu unterbinden.“ Deshalb halte auch die Argumentation, eine Totgeburt würde ohnehin nicht leben, nicht stand. „Wir möchten den Frauen das traumatische Erlebnis einer Totgeburt ersparen“, sagte die Anwältin des medizinischen Versorgungszentrums. „Es ist ein Hilfsangebot, das ist schon klar“, entgegnete der Vorsitzende, „aber die Ethikkommission soll drüber schauen.“

Foto von dionhinchcliffe


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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Kinderwunsch-Forum schreibt

    Werbung ist nie dämlich, sondern ermöglicht es, Inhalte und Funktionen umsonst ins Netz zu stellen. Wenn man die Seite dann erneut aufruft, kommt die Werbung meist nicht mehr. Abgesehen davon: Ist es nicht Tchibo?