Neue Gesetze zur Reproduktionsmedizin?


Über die Online-Ausgabe der ZEIT bin ich auf einen Artikel von Martin Spiewak gestoßen, in dem ein Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung verlinkt wird. Warum Herr Spiewak diesen Artikel als „Glosse“ einordnet, erschließt sich mir übrigens nicht ­čśë

Die Autoren fordern das, was sich Reproduktionsmediziner und ihre Patienten schon lange wünschen: Eine Novellierung der gesetzlichen Vorschriften zur Kinderwunsch-Behandlung.

Während ich hier zwar gebetsmühlenartig darauf hinweise, dass die Schwangerschaftsraten in Deutschland vom europäischen Ausland nicht übertroffen werden, trotz gegenteiliger Beteuerungen der grenznahen Kollegen, so gibt es natürlich trotzdem Handlungsbedarf hinsichtlich der Gesetze zur Reproduktionsmedizin.

Während also die Erfolgsraten trotz der strengen deutschen Gesetze nicht schlechter sind, so sieht es schon anders aus, wenn man als Erfolg lediglich die Einlingsschwangerschaft sieht und Mehrlinge vermeiden möchte. Da in Deutschland die Auswahl im Eizellstadium erfolgen muss, die Qualität im Embryonalstadium jedoch besser beurteilbar ist, werden hierzulande praktisch immer mehrere Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt, woraus sich dann eine höhere Mehrlingsrate ergibt.

Der in anderen Ländern längst übliche „single embryo transfer“ geht in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Regelungen mit einer geringeren Erfolgsrate einher. Das aktuelle Gesetz von 1991 führt in letzter Konsequenz also zu Mehrlingsschwangerschaften mit höheren Risiken. Ein Problem, welches hier bereits vor einem Jahr unter der Überschrift „Gesetz schützt Embryonen und tötet Feten“ aufgegriffen wurde.

Auch zur Behandlung mit Spenderspermien sind die gesetzlichen Regelungen ungenügend. Eigentlich ist es sogar so, dass überhaupt keine Gesetze diesbezüglich existieren und lediglich standesrechtliche – also durch die Ärzteschaft erstellte – Vereinbarungen vorhanden sind.

Das Gutachten greift diese Problemfelder auf und schlägt neue Regelungen vor. Das dies aus Sicht altüberlieferter Traditionen auch ethisch problematisch werden könnte, ist den Gutachtern klar:

Zu Recht fordern die Gutachter, diese Rechtsunsicherheit zu beenden und auch in Deutschland einen »Single Embryo Transfer« zuzulassen. Dabei wird man in Kauf nehmen müssen, dass wie im Ausland auch überzählige Embryonen entstehen. Darauf weisen die Experten ehrlicherweise hin: Eine reine Moral kann es auf dem Feld der Fortpflanzungsmedizin nicht geben.

So Martin Spiewak. Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist jedoch keine politisch agierende Organisation. Ihre Nähe zur SPD lässt jedoch hoffen, dass zumindest in dieser Partei das Gutachten eine Diskussion anstößt, welches mehr gesunde Kinder zur Folge hat.


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2 Kommentare
  1. […] So bezeichnet “domradio.de” das Gutachten, welches im Namen der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellte wurde und zu dem Schluss kommt, dass der elektive Single Embryo Transfer helfen könnte, risikoreiche Mehrlingschwangerschaften zu vermeiden und über das ich hier auch bereits berichtete. […]

  2. […] hatten wir hier einen Bericht über ein Gutachten, welches unter der Federführung von Prof. Diedrich (Uni Lübeck) erstellt wurde und sich […]