Künstliche Befruchtung ohne Heirat und ohne Ethikkommission


Wer sich einer „künstlichen Befruchtung“ unterziehen muss und nicht verheiratet war, wurde oft mit den moralischen Vorstellungen aus alten Zeiten konfrontiert. In den „Richtlinien Bundesärztekammer zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ wird darauf hingewiesen, dass die Anwendung dieser Methoden bei nicht verheirateten Paaren in stabiler Partnerschaft darf nur nach vorheriger Beratung durch die bei der Ärztekammer eingerichtete Kommission durchgeführt werden darf. Dies führte in manchen Bundesländern zu inquisitorischen Zuständen, bei denen die Paare ihre Lebensgeschichte darlegen mussten und ihre Gründe, nicht heiraten zu wollen. Auch dieser Teil der Richtlinie von manchen Kommissionen fehlinterpretiert. Dass sie lediglich eine beratende Funktion haben, wurde ignoriert und z. T. mit einer gewissen Selbstherrlichkeit „Verbote“ ausgesprochen oder die Behandlung „erlaubt“.

Die Novelle der Richtlinien, welche im Ärzteblatt vom 19.5.2006 veröffentlicht wurden ändern diese Vorgehensweise und überlassen die Entscheidung dem behandelnden Arzt. Unter dem Punkt 3.1.1. (Statusrechtliche Voraussetzungen) heißt es:

Methoden der assistierten Reproduktion können auch bei einer nicht verheirateten Frau angewandt werden. Dies gilt nur, wenn die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt zu der Einschätzung gelangt ist, dass
– die Frau mit einem nicht verheirateten Mann in einer festgefügten Partnerschaft zusammenlebt und
– dieser Mann die Vaterschaft an dem so gezeugten Kind anerkennen wird.
Dabei darf grundsätzlich nur der Samen des Partners verwandt werden; sollen Samenzellen eines Dritten verwandt werden, sind die unter 5.3. genannten Voraussetzungen zu beachten.

Dieser Punkt 5.3 ist ebenfalls interessant: Die Heterologe Insemination, also die Behandlung mit Spermien eines Spenders wurde bisher nur im Anhang der Richtlinie erwähnt. Jetzt findet sie eingang in den Kerntext und ist sehr präzise ausformuliert.

Es ist diesem Vorschlag gemäß also der behandelnde Arzt, der die Entscheidung fällen kann, ob er ein unverheiratetes Paar behandelt oder nicht. An der finanziellen Seite ändert sich jedoch nichts, da die Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen eine Kostenübernahme nur für verheiratete Paare vorsehen.

Diese Novelle muss nun aber noch von den Landesärztekammern übernommen werden und es ist nicht auszuschließen, dass es hier noch zu landesspezifischen Veränderungen kommt.


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