Welt am Sonntag über „Krise der Babymacher“


In der aktuellen Welt am Sonntag wird auf die Folgen der Gesundheitsreform vom 1.1.2004 eingegangen. Die Zahl der durchgeführten Behandlungen ist im letzten Jahr deutlich zurückgegangen, da bei der künstlichen Befruchtung 50% der entstehenden Kosten von den Patienten getragen werden müssen. (Hier mehr zu den Regelungen bei den Kosten)

„Die 2004 eingeführte Eigenbeteiligung der Patienten bei der In-vitro-Fertilisation führt dazu, daß in Deutschland letztes Jahr etwa 10 000 Kinder weniger auf diese Weise gezeugt wurden“, erklärt Dr. Michael Thaele, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands. „Das entspricht einem Rückgang von 50 Prozent. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der insgesamt geborenen Kinder in Deutschland jährlich um etwa 10 000 ab, durch die Reform wird der Geburtenrückgang doppelt so stark ausfallen“, rechnet Thaele. „

Dies wurde bereits in einem Artikel dieses Blogs aus dem letzten Jahr berichtet, im Zusammenhang mit Klagen, die betroffene Paare gegen diese Regelung vor Gericht erhoben haben. Informationen zu diesen Sammelklagen gibt es bei wunschkind.de, weitere betroffene Paare, die daran teilnehmen möchten, werden gesucht.

Dieser Aussage steht nur scheinbar ein eher geringer Rückgang der Geburtenrate im Jahr 2004 gegenüber, der gegenüber dem Vorjahr 3300 Neugeborene betrug, wie das Statistische Bundesamt feststellte. Dies sei aber darauf zurückzuführen, dass viele Paare sich noch im Jahre 2003 behandeln ließen, um dem neuen Gesetz noch aus dem Weg zu gehen. Im letzten Quartal 2003 wurden daher sehr viel mehr Patienten als gewöhnlich behandelt, die im Folgejahr dann ihre Kinder zur Welt brachten.

Der Essener Reproduktionsmediziner Katzorke rechnet damit, dass einige Kinderwunsch-Praxen die Gesundheitsreform wirtschaftlich nicht überleben werden. Ein Rückgang der Kassenpatienten um 42% führt in der Folge auch zu einem Personalabbau, der auf ca. 30% geschätzt wird.

Durch die 50prozentige Zuzahlung bei Medikamenten- und Behandlungskosten im Rahmen der künstlichen Befruchtung rutscht Deutschland im europäischen Vergleich ins hintere Mittelfeld ab. Waren die gesetzlichen Kassen vor der Reform mit der 100prozentigen Erstattung so großzügig wie die Franzosen, Schweden oder Niederländer, sind heute nur noch die kinderlosen Paare in Portugal und Griechenland schlechter gestellt als die deutschen.


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1 Kommentar
  1. […] man der Graphik des BIB entnehmen kann, kam es durch die veränderte Kostenübernahme zu einem dramatischen Absturz der Zahlen im Jahre 2004. Der Anstieg war ab da dann jedoch kontinuierlich – in den letzten Jahren in einigen […]