Schmidt-Jortzig verteidigt unklares Statement zur PID


Ethikrat-Vorsitzender Schmidt-Jortzig verteidigt unklares Statement zur PID und sieht Eltern als letzte Entscheidungsinstanz. In einem Interview in der Wochenzeitung „Das Parlament“ teilt er seine persönliche Einstellung zu Präimplantationsdiagnostik mit:

Rechtlich sei schon heute nicht Leben in jedem Stadium gleich geschützt. Schmidt-Jortzig sagte, er könne sich vorstellen, dass ein striktes PID-Verbot „zunehmend ins Leere läuft, da die Möglichkeit der PID im benachbarten Ausland wahrgenommen werden kann“. Mit Blick auf die zwei in den Bundestag eingebrachten Gesetzentwürfe, die eine PID in Grenzen ermöglichen wollen, sagte Schmidt-Jortzig, er fände es „merkwürdig“, wenn die letzte Entscheidung über einen Gentest an Embryos von einem Ethikkomitee getroffen, „also dessen moralische Überzeugung über die der Eltern gestellt“ würde.

Das vollständige Interview findet sich auf der Homepage des Deutschen Bundestags


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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Da hat er wohl recht – oder wie der Spiegel so schön geschrieben hat: Wie sinnvoll sind Verbote, die man umfliegen kann?
    Und auch der Aussage, dass eigentlich die künftigen Eltern entscheiden müssten, kann ich nur unterschreiben.

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Diese Aussage kann ich nur unterstreichen.

  3. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    Ganz so stichhaltig ist das Argument nun auch wieder nicht, denn letztendlich hieße das ja, dass wir alles zulassen müssten, was auch nur in einem Nachbarstaat erlaubt ist. Wenn irgendwo um uns herum freier Schusswaffenverkauf eingeführt würde, müssten wir nach derselben Logik nachziehen.

    Gesetze müssen auch nicht generell durchsetzbar sein, um Bestand zu haben. 99% aller Geschwindigkeitsübertretungen im Straßenverkehr werden weder verhindert noch geahndet. Dennoch käme niemand auf die Idee, die Abschaffung sämtlicher Geschwindigkeitsbegrenzungen zu fordern.

    Ethikkomitees, Ethikräte oder Ethikkommissionen, die über umstrittene medizinische Behandlungen entscheiden, gibt es doch mittlerweile an fast jedem größeren Krankenhaus. Ganz so "merkmüdig" wie das Zitat suggeriert wäre eine derartige Vorgehensweise also nicht.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Buntspecht:

    Wir müssen nicht alles zulassen, "was auch nur in einem Nachbarstaat erlaubt ist." Die Zulassung eines Gebrauchs von Schusswaffen, aber auch die Straßenverkehrsregelungen sind örtlich begrenzt. Die Schusswaffe könnte man sicher noch im Ausland beschaffen, aber das Verbot des Besitzes von Schusswaffen in Deutschland behält damit immer noch einen Sinn.

    Medizinische Behandlungen hingegen kann man sich im Ausland "abholen" und es macht keinen Sinn, in Deutschland ein Verbot aufzustellen, dass man so behandelt wieder einreisen darf. Medizinische Behandlungen haben auch die besondere Eigenschaft, dass jeder Mensch das Recht hat, über seinen Körper zu bestimmen, also zu entscheiden, ob er eine Behandlung an sich durchführen lassen will oder nicht.

    Nun könntest du wieder einwenden, dass ja auch bestimmte andere Behandlungen und Medikamente in Deutschland verboten sind, weil sie z.B. zu hohe Gesundheitsgefahren beinhalten. Auch das halte ich für in Ordnung, weil nämlich dadurch die Bevölkerung wirklich vor Behandlungen, die die Gesundheit in besonderer Weise gefährden, geschützt werden. Solange kein unbedingtes Bedürfnis nach gerade diesem bestimmten Medikament da ist, wird man sich mit Alternativen arrangieren. Im Allgemeinen wird es kein solches Bedürfnis geben. Dort, wo sich jedoch ein größerer Bedarf auftut und z.B. Krebspatienten massenweise ins Ausland reisen, weil nämlich das hier verbotene Medikament einen erwiesenen deutlichen Erfolg zeigt, sollte in der Tat ebenfalls eine Streichung des Verbots in D erfolgen.

    Die Abschaffung sämtlicher Geschwindigkeitsbegrenzungen hätte den Nachteil, dass die Zahl der Unfälle rapide ansteigen würde. Insofern macht das trotz nicht allumfassender Durchsetzbarkeit keinen Sinn. Ein denkbares Verbot hingegen, während der Arbeitszeit in der Nase zu popeln, das ebenfals nicht 100% durchsetzbar wäre, könnte man getrost abschaffen, da mit der Abschaffung keine Nachteile entstehen.

    Letztlich halte ich wirklich die Eltern für die höhere moralische Instanz. Eine Ethikkommission wäre aus meine Sicht nur dazu da, dafür zu sorgen, dass die potentiellen Eltern allumfassend aufgeklärt sind, um eine fundierte Entscheidung zu treffen, dass Fehldiagnosen weitestgehend ausgeschlossen werden, sicher zu stellen, dass die Wunscheltern im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte sind und auch, dass kein Missbrauch der technischen Möglichkeiten durch den behandelnden Arzt passiert (Kanonen auf Spatzen; oder auch Bevorzugung von Methoden, mit denen sich mehr verdienen lässt).

  5. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    @Rebella:

    Dennoch bleibt das Argument, dass PID im Ausland erlaubt ist, ein äußerst schwaches Argument. Die Tatsache, dass man nach der Behandlung wieder einreisen darf, ändert nichts daran. Marihuana-Konsumenten dürfen nach dem Besuch eines niederländischen Coffee-Shops schließlich auch wieder nach Deutschland einreisen.

    Ethikkommissionen kommen ja nicht nur bei der PID zum Einsatz. Bist Du generell dagegen? Selbst wenn jeder Mensch das Recht hätte, beliebige Behandlungen an seinem Körper durchführen, bleibt noch immer das Dilemma, dass sich die Behandlung in diesem Fall nicht auf den elterlichen Körper beschränkt.

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Buntspecht: Ich bin nicht generell gegen Ethikkommissionen, obwohl meine erste Begegnung mit dem Thema Ethikkommission sehr persönlich war und ich nicht verstehen konnte, dass da nun irgendwelche alten Männer darüber entscheiden dürfen, ob ich jemals ein Kind haben werde. Und obwohl ich mir auch sicher bin, dass ich mir das niemals hätte verbieten lassen.

    Ich finde, Ethikkommissionen könnten gut dafür sorgen, dass die Wunscheltern umfangereich aufgeklärt sind, bevor sie zu bestimmten Fragen eine Entscheidung treffen. Sie könnten auch einem z.B. ärztlichen Mißbrauch entgegen wirken. Sie könnten in Situationen, in denen es um bereits geborene Kinder geht, in bestimmten Grenzen auch diese Kinder vor der Willkür ihrer Eltern schützen. Ethikkommissionen sollten allerdings nicht darüber entscheiden dürfen, ob sich 2 Menschen, die dazu bereit sind, zusammen fortpflanzen dürfen oder nicht. Sprich: Sie dürfen nicht das Selbstbestimmungsrecht aufgeklärter Menschen brechen.

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Weshalb ich dieses Thema heute nochmal hoch geholt habe, ich möchte alle Interessierten darauf hinweisen, dass sie sich die Anhörung zum Thema PID im Bundestag vom 25.5.11 hier: http://www.bundestag.de/Mediathek/index.jsp?instance=m187&action=search&mask=search&contentArea=common&categorie=Ausschusssitzungen&committee=Gesundheit online anschauen können. ( Achtung: 4,5 Stunden! )