Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

PID ist nun verboten

10

Es ist skurril. Das Gesetz über die begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ist nun in Kraft getreten. Und alle Zeitungen schreiben, dass sie nun „erlaubt sei“.

Das ist leider völliger Humbug. Erlaubt – im Sinne von nicht verboten – war sie bereits die ganze Zeit, wie der Bundesgerichtshof in seinem Urteil im letzten Jahr bestätigte. Fakt ist, dass die PID nun erst einmal verboten wurde und dieses Verbot nur unter strengen Auflagen umgangen werden darf. Dies ist ähnlich wie beim §218, denn auch die Abtreibung ist verboten, wird jedoch unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Nun gut, wer durch die Überschrift erschreckt nun den Weg hierher fand, dem sei versichert, dass die PID in Deutschland durchgeführt werden darf. Aber gegenwärtig herrscht immer noch Stillstand. Möchte man nun gleich mit einer solchen Behandlung beginnen, weil man Träger einer Erbkrankheit ist, so wird man enttäuscht werden.

Denn jetzt beginnt erst einmal eine langwierige juristische Kleinarbeit und bevor diese nicht erledigt ist, wird es weiterhin keine Präimplantationsdiagnostik in Deutschland geben.

„Jetzt gilt es, die Rechtsverordnung in möglichst kurzer Zeit auf den Weg zu bringen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Ulrike Flach (FDP). Sie betreffe die Voraussetzung für die Zulassung der Zentren, in denen PID durchgeführt werden darf, die Qualifikation der Ärzte, die Zusammensetzung der entscheidenden Ethikkommissionen sowie die Ausgestaltung einer Zentralstelle für die Dokumentation der durchgeführten PID-Fälle.

Eine Ankündigung für eine schnelle Umsetzung klingt anders.


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

10 Kommentare
  1. reaba schreibt

    das ist eigentlich nichts neues vom prinzip her: in deutschland ist erstmal alles verboten, es sei denn ein komplizierter und langandauernder (zuweilen auch rechts- und sinnfreier) verwaltungsakt genehmigt die sache – je nach eurokurs, politischer ausrichtung und wahrscheilich mondkalender. man wäre geneigt sich des begriffes „verwaltungsdikatur“ bedienen zu wollen. der gang betroffener paare nach belgien, tschechien etc ist also immer noch das verfahren der wahl. armselig für unser land, so mit betroffenen menschen zu verfahren, denn das verbot (synonym zum verbot der abtreibung) kriminalisiert im prinzip jeden potentiellen anwender, arzt und patient eigentlich gleichermaßen. der anspruch liberaler geister auf so etwas wie selbstbestimmte reproduktive freiheit ist ja wohl mehr als hart gelandet!

  2. mave9 schreibt

    Da kann man doch echt seinen Glauben an Gerechtigkeit bzw. Recht und Unrecht verlieren???

  3. Buntspecht schreibt

    Dass in Deutschland alles verboten sei, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist eine weit verbreitete Polemik. Tatsächlich gibt es anderswo deutlich mehr Verbote, z.B. in Italien und den meisten südostasiatischen Staaten.

    Natürlich ist Deutschland kein Laissez-faire-Staat wie UK, das passt aber auch nicht zur Mentalität der deutschen Bevölkerung. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, sollte sich mal mit den Untersuchungen des niederländischen Sozialpsychologen Geert Hofstede beschäftigen. Hofstede hat in den 1970er Jahren Untersuchungen zu kulturspezifischem Verhalten von Mitarbeitern in den weltweiten IBM-Niederlassungen durchgeführt. Er konnte dabei 4-6 Kulturdimensionen identifizieren, mit denen sich verschiedene Kulturen charakterisieren lassen. In Deutschland ist die Dimension „Unsicherheitsvermeidung“ traditionell sehr stark ausgeprägt.

  4. reaba schreibt

    „Tatsächlich gibt es anderswo deutlich mehr Verbote, z.B. in Italien und den meisten südostasiatischen Staaten.“

    zum einen würde ich meinen staat damit nicht unbedingt vergleichen wollen, zum anderen ist es in italien volkssport sich an verbote nicht zu halten.

    „unsicherheitsvermeidung“ ist ja was ganz feines :-); könnte man auch freiheitsvermeidung nennen. ggfs könnten sich seit den 70ern auch geringfügige mentalitätsveränderungen ergeben haben?

    all das sind längst keine stichhaltigen argumente für die rechtliche verfahrensweise PID betreffend.

  5. Buntspecht schreibt

    @reaba: Freiheit liegt immer im Auge des Betrachters und lässt sich nicht objektiv definieren. Da spielen verschiedene Kulturdimensionen hinein, z.B. auch die Dimension Individualismus/Kollektivismus. Die deutschen sind ein sehr individualistisches Volk, das ist auch eine Form von Freiheit. Bei der Unsicherheitsvermeidung geht es ausschließlich darum, wie mit unvorhergesehenen Situationen umgegangen wird. Deutsche HASSEN unvorhergesehene Situationen regelrecht und versuchen jedes Problem in Gedanken bereits durchzuspielen, bevor es eingetreten ist.

    Die Briten sind übrigens ein Volk mit radikal niedriger Unsicherheitsvermeidung. Deswegen dürfen sowohl die Finanzindustrie als auch die Reproduktionsmedizin dort auch machen was sie wollen. Egal ob halbseidene Finanztransaktionen oder Ausbeutung osteuropäischer Eizellspenderinnen – die Briten nehmen alles mit einem Axelzucken hin.

  6. Silvesterkind schreibt

    @ Reaba
    Mag sein, dass für manche Branchen (Finanzen, Politik) Italien im Verbote umgehen Weltmeister ist. Aber sicherlich nicht, was die Verbote in der Reproduktionsmedizin betrifft. Da hält sich jeder streng an die Verbote, denn die katholische Kirche hat in moralischen Fragen nach wie vor das Sagen und die meisten Ärzte auch offiziell diese Meinung vertreten.
    Fakt ist, dort ist sogar die donogene Insemination für verheiratete Paare verboten. Von PID, Embryoselektion und Eizellspende ganz zu schweigen.

    Eine Italienerin, die froh ist, in einem „liberalen“ Land wie Deutschland zu leben

  7. Rebella schreibt

    Buntspecht, du vermengst da aber die Auffassung des Volkes mit der Auffassung der Politik. Längst nicht alle Verbote, die der Gesetzgeber sich so ausgedacht hat, werden vom Volk mitgetragen.

  8. […] (weiterhin) zuzulassen. Die erste Maßnehme des Gesetzgebers war es jedoch, die PID zunächst erst einmal zu verbieten, um klare Regelungen zur Durchführung […]

  9. […] so oft bei Kostenfragen beginnt die Wahrheitsfindung bei den Landgerichten. Mit der Lockerung des Verbots zu Gentests an Embryonen (PID) sind diese Untersuchungen nun im Einzelfall in Deutschland zugelassen. Aber wie immer, wenn eine […]

  10. […] Präimplantationsdiagnostik (PID) ist in Deutschland zwar verboten, ist aber seit 2011 in strengen Grenzen und nur in Einzelfällen erlaubt. Bei der PID werden einem Embryo einzelne Zellen entnommen und genetisch untersucht. Um dies in […]