Mehr Kassenleistung bei künstlicher Befruchtung?

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Aus dem Familienministerium kam im Mai ja bereits die Mitteilung, dass man plant, Paare mit unerfülltem Kinderwunsch finanziell stärker zu unterstützen. da die Familienministerin Schröder schon vieles angekündigt, aber eher weniger umgesetzt hat, warendie Reaktionen skeptisch.

Wesentlich konkreter ist dieser Plan nun auch nicht weiterentwickelt worden. Heute hat jedoch das Kabinett ein Gesetzespaket mit dem schönen Namen „Versorgungs­trukturgesetz“ beschlossen, das den Kassen die Möglichkeit bietet, mehr Leistungen als bisher üblich zu übernehmen:

Mainpost:Zur Förderung des Wettbewerbs sollen Kassen ihren Versicherten zusätzliche Leistungen wie etwa die Kostenübernahme für eine künstliche Befruchtung anbieten dürfen. Derzeit gilt ein Katalog von Pflichtleistungen, weshalb sich die Kassen hier kaum voneinander unterscheiden. Dieser Katalog bleibt auch weiter bei allen Kassentarifen verbindlich.

Kein echter Grund zur Hoffnung

Das klingt erst einmal erfreulich. Kernaussage ist jedoch, dass man an den Richtlinien für die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen nichts ändern wird. Und wenn man dann noch weiß, dass jeder Kasse die Übernahme von Kosten außerhalb des üblichen Leistungskatalogs auch bisher bereits erlaubt war (Abrechnung dabei nicht über die Chipkarte, sondern im Rahmen einer Kostenerstattung wie bei Privatversicherern), dann kann man erst einmal nur feststellen, dass sich eigentlich gar nichts geändert hat, auch wenn es sich zunächst anders anhört.

Es wird jedoch davon gesprochen, dass dieses Verfahren der Kostenübernahme außerhalb des üblichen Leistungskatalogs „erleichtert“ werden soll. Man wird abwarten müssen, wie sich das entwickelt und ob es im Wettbewerb der Kassen untereinander wichtiger sein wird, zusätzliche Leistungen anzubieten oder solche Zusatzkosten zu vermeiden.

Dem Ärzteblatt zufolge macht sich nun auch die CSU im Gegensatz zu früheren Verlautbarungen für einen finanzielle Entlastung von Kinderwunschpaaren stark, berichtet das Deutsche Ärzteblatt:

[…] CSU-Sozialexperte Joachim Unterländer forderte von Bund und Krankenkassen höhere Zuschüsse für die Kinderwunschbehandlung. Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, die in einer Partnerschaft lebten, seien aus medizinischen Gründen ohne Kinder. Jährlich suchten an die 800.000 Paare ärztlichen Rat, sagte der bayerische Landtagsabgeordnete in München. Doch die gegenwärtige Finanzierung von solchen Behandlungen stelle für durchschnittlich verdienende Paare eine große Belastung dar.

Diese Erkenntnis scheint mittlerweile in Politikerkreisen zumindest diskutabel und solche Aussagen häufen sich, selbst der Sozialexperte der SPD, Karl Lauterbach sprach sich ja bereits für eine Änderung aus. Von Seiten der Betroffenen bleibt jedoch zu beanstanden, dass sich dies alles noch sehr im Ungefähren und -konkreten bewegt. Aus dem Bundesfamilienministerium war heute ebenfalls nur zu hören, man „strebe weitere Entlastungen für Menschen mit Kinderwunsch an“. Konkrete Pläne dazu wurden jedoch nicht mitgeteilt. Ein funktionierendes Modell sazu gibt es ja bereits (Sachsenmodell), man müsste es halt nur bundesweit einführen. Ich würd’s halt gerne noch erleben, bevor ich in Rente gehe…

Wird die IVF billiger?


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Wunschkinder Baden Württemberg schreibt

    Über dieses Thema könnte ich mich dauer…aufregen. Wir sind privat und wissen noch nicht, ob unsere Kassen überhaupt was zahlen. Die Regelung, dass man mindestens 25 sein muss ist doch total schwachsinnig. Wir lieben uns seit 7 Jahren haben beide eine gute Arbeit ein Haus und viel Liebe und Grundlage und müssen solch eine Entscheidung vom Alter abhängig machen ich glaube man ist nie zu jung oder zu alt für ein Kind. Die Reife macht dies sicherlich…. Es gibt aber Menschen, die finde ich mit 40 noch nicht reif genug und ich kenne Frauen, die haben Ihr Kind mit 18 bekommen und sind SPITZE (Ja Lebenserfahrung höre ich da immer wieder aber was macht Erfahrung aus?) Dazu mehr in meinem Blog 😀

  2. Elmar Breitbach
    anonymus schreibt

    Der Pflichtleistungskatalog der Kassen ändert sich durch das Gesetz nach bisherigem Stand nicht, aber dass die Kassen auch bislang schon künstliche Befruchtung als Satzungsleistung übernehmen dürfen, das wäre mir neu. Ob die angedachte Neuregelung allerdings einen Effekt hat, ist sicher fraglich.

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Anonyma. Es mag sein, dass Ihnen das neu ist/wäre.

    Es ist so. Die Kassen dürfen grundsätzlich auch mehr bezahlen, wenn es nicht über die Chipkarte, sondern über Kostenerstattung abgerechnet wird.

  4. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    … fragt sich nur, was die Krankenkassen dazu motivieren sollte, massenhaft von dieser freiwilligen Option Gebrauch zu machen.

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Eben. Deswegen ist das auch keine echte Neuerung. Zumindest wie es nun diesem Text zu entnehmen ist. Details sind mir jedoch auch nicht bekannt. Im Zweifel ist sparen wichtiger als zusätzliche Leistungen anzubieten.

  6. Elmar Breitbach
    KT schreibt

    Wenn es nicht um die AOKs geht, haben die meisten Kassen übrigens große Probleme damit wenn sie für Ihre Patienten mehr bezahlen wollen als sie müssen. Da stehen sie dann teilweise vor Gericht und müssen sich rechtfertigen etc. weil sie das Geld der Versicherten verschleudern,… Das BVA läßt grüßen.
    Denn nicht jede GKV ist so kurzsichtig auf Kosten der Versicherten sparen zu wollen, leider sind ihnen aber oft die Hände gebunden wenn es um Verbesserungen bei der üblichen Versorgung geht.
    Anders die AOKs. Die sind freier in ihren Entscheidungen, aber geben immernoch lieber mehr Geld für Verwaltung als Versicherte aus.

  7. Elmar Breitbach
    charly schreibt
  8. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Am 23.09.2011 hat der Bundesrat in einer Sitzung eine Stellungnahme in Form eines verbesserten Gesetzesentwurf abgegeben ( http://dipbt.bundestag.de/dip21/brd/2011/0456-11B.pdf – Seite 8 ).

    Darin wird vorgeschlagen, dass zuünftig 50% durch die Krankenkassen und 50% durch den Bund getragen werden.

    Vielleicht wird es ja nun tatsächlich konkreter?