Kostenübernahme Zwischenstand II


Ich möchte niemanden nerven, aber das Thema und die aktuelle Diskussion darum sind zu wichtig, um es nicht hier weiterzugeben.

Nachdem der Familienministerin bei ihren Plänen, die Kostenübernahme zu verbessern auch parteiintern der Wind ins Gesicht weht, allen voran die familienpolitische Sprecherin der CSU Dorthee Bär, wird Frau Schröder nun konkreter.

Zunächst nimmt sie ihrer Opponentin den Wind aus den Segeln, in dem sie eine ihrer Forderungen übernimmt. Teil eines Gesamtkonzepts soll eine Verbesserung der psychosozialen Betreuung bei unerfülltem Kinderwunsch sein.

Schröder will außerdem eine Verbesserung der Adoptionsbedingungen. Zugleich soll dem Konzept zufolge die Aufklärung über die Hintergründe von Kinderlosigkeit verstärkt und eine „Entstigmatisierung“ der betroffenen Paare erreicht werden.

Konkrete Pläne zur Kostenübernahme

Eine weitere Front könnte ihr entstehen, wenn sie versucht, die Bundesländer mit ins Boot zu nehmen. Diese haben zwar noch im April dieses Jahres für eine Verbesserung der Kostensituation bei Kinderwunschpaaren gestimmt, jedoch den Kostenträger beim Bund gesehen. Frau Schröder dringt jedoch auf eine Beteiligung der Länder. Der Bund will nur dort Finanzmittel zur Verfügung stellen, wo sich auch die Länder mit einem Finanzierungsanteil einbringen.

Die aktuellen Pläne sehen darüber hinaus vor, dass in den ersten 3 Behandlungen lediglich 15% der entstehenden Kosten durch die Paare selbst getragen werden sollen. Die Krankenkassen sollen 60% übernehmen, 25% sollen sich Bund und Länder teilen. Es bleibt zwar bei der Reduktion von drei durch die Krankenkassen zu tragenden Behandlungszyklen, jedoch sehen sollen bei einer vierten IVF oder ICSI 50% von Bund und Ländern getragen werden. Dies ähnelt sehr dem sogenannten Sachsenmodell, welches ja zu einem deutlichen Anstieg der Behandlungen in diesem Bundesland führte.

Persönlich sehr lobenswert ist aus meiner Sicht die Idee der Ministerin, die künstliche Befruchtung in der öffentlichen Wahrnehmung zu entstigmatisieren.

Geplant ist eine Kommunikationsstrategie zur „Enttabuisierung künstlicher Befruchtungen und zur Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz ungewollt Kinderloser“.

Wenn sie nur einen Teil der Pläne umsetzen kann, wäre schon viel gewonnen. Grundsätzlich wünschenswert ist natürlich das gesamte Paket. (als erster Schritt in die richtige Richtung 😉 )


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22 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Leya-Luna schreibt

    Danke lieber Doc für den erneuten aktuellen Zwischenstand, das hört sich doch erstmal alles seeeehr positiv an..bin mal gespannt wie es weitergeht, ich denke irgendwas wird in jedem Fall passieren, denn die Medien sind schon drauf angesprungen.

  2. Elmar Breitbach
    Tini schreibt

    Wie sehen Sie denn, die Ankündigung für den April?, das wird doch sicher zu einer Verschiebung von Behandlungszyklen bei vielen Paaren führen? Ich bin selbst gerade am Überlegen, ob ich unsere 2. IVF (eigentlich für Januar geplant) lieber nocht etwas hinauszögern soll…

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    ich stelle mich auch gerade auf eine recht erholsame Zeit ein in den nächsten Monaten 😉

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Wer mich auch mal hören möchte: Hier gibt’s ein kurzes Interview mit mir zum Thema Kostenübernahme

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    So steht das Ganze schon auf gesünderen Füßen. Wenn der Bund nur 7,5% für die ersten 3 Versuche zahlt und 25% für den 4. könnte man mit den 40 Mrd. evt. hinkommen. Da kommt es nun drauf an, wieviele Paare sich nun plötzlich doch für ein Kind entscheiden. 🙂

    Ich werde Frau Schröder gerade noch darauf hinweisen, dass sie dafür sorgen sollte, dass der 4. Versuch nach EBM abgerechnet wird. Wenn sich die Kasse nicht beteiligt, könnte das evt. schwierig werden.

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Wieso sollte der 4. Versuch nach EBM abgerechnet werden? Wenn die Kassen sich nicht beteiligen, kann man nur nach GOÄ abrechnen.

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ja, so ist das rechtlich. Dann wird es nochmal teurer für Bund und Länder, sowie für die Paare.

    Für die Ärzte wäre eine Abrechnung des 4. Versuches nach GOÄ auf den ersten Blick besser. Auf den zweiten Blick werden sie womöglich weniger 4. Versuche durchführen.

    Vielleicht lässt sich mit dem Hinweis noch eine geringe Kassenbeteiligung für den 4. Versuch erreichen?

  8. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Die Hälfte von 25 ist 12,5.

    Um es mal klar zu sagen: Aus ärztlicher Sicht ist die ganze Regelung unvorteilhaft, da es natürlich lukrativer ist, die vierte Behandlung (ich spreche ungerne von "Versuch") komplett nach GOÄ abzurechnen, selbst wenn üblicherweise Selbstzahlertarife zugrunde gelegt werden. Ob das rechtlich machbar ist, eine Behandlung außerhalb des EBM (weil nicht von der Kasse übernommen) zu EBM-Sätzen abzurechnen, kann ich nicht sagen, vermutlich wäre das jedoch gesetzlich regelbar.

    Inwiefern die Ersparnisse in den ersten BEhandlungen dann auch Luft für weitere ließen, wird man abwarten müssen.

  9. Elmar Breitbach
    butzewackele schreibt

    es ist nur komisch, auf die künstliche befruchtung mit spendersamen wird nicht eingangen und wir müssen die kosten zu 100% zahlen!
    wir sind auf spendersamen angewiesen, da mein mann unfruchtbar ist. und der witz an der ganzen sache: unfruchtbarkeit ist eine krankheit, aber man bekommt keinen cent! wir finden das sehr, sehr diskriminierend…..wir wollen kinder und sind ganz allein auf uns gestellt! zu dem psychischen kommt auch noch der finanzielle druck! eine ivf kostet mit spendersamen z.b. 5.000.- eur……hallooooooooooooo???? es wäre in ordnung, wenn die kosten für die spendersamen alleine getragen werden müssten, aber die behandlung ansicht ist die gleiche und sollte bzw. müsste übernommen werden! wo ist hier die gerechtigkeit?????

  10. Elmar Breitbach
    Perlhuehnchen schreibt

    …mal am Rande…

    Sie nerven doch nicht, im Gegenteil, mein erster Blick nach dem einloggen geht immer Richtung ihrer Artikel. Und auch wenn ich mit Kommentaren eher sparsam bin, gelesen hab ich in den letzten 2 Jahren jeden Artikel.
    Also auf dem Weg mal Danke für Ihre Mühen.

  11. Elmar Breitbach
    Aquaeyes schreibt

    Da kann ich Perlhuehnchen nur zustimmen. Jeden Tag wird gespannt geschaut, ob es Neuigkeiten gibt. Vielen Dank für die Mühen.

  12. Elmar Breitbach
    Zaubernuss schreibt

    Ich danke Ihnen auch sehr für Ihren Einsatz und die Berichte!
    Wir wären dann bei "Behandlung" Nummer 4 angelangt… ich freue mich, dass sich endlich mal was bewegt!

  13. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Ich muss diese News auch mal loben, lese hier immer und regelmäßig. Leider hat sich aber anscheinend vieles nach Facebook verlagert, wo ich mich nur ganz selten aufhalte, umso mehr freue ich mich, wenn hier mal wieder mehr Einträge gepostet werden 🙂 (ja, ich weiß, dass Zeit kostbar ist und man sich nicht teilen kann, also bitte das mit Facebook nicht als Kritik verstehen – ist schließlich meine Entscheidung, da nur selten zu sein).

  14. Elmar Breitbach
    Inamar schreibt

    Vielen Dank für die informativen Berichte! Wenn von Krankenkassen die Rede ist, nehme ich an, dass die gesetzlichen Krankenkassen gemeint sind, oder? Wie sieht das dann aus in Bezug auf die privaten Versicherer? Mein Mann ist gesetzlich versichert und sog. "Verursacher", ich bin privat versichert und meine Kasse zahlt absolut nix. Das heißt konkret, dass die gesetzliche zu 50 % die bei meinem Mann anfallenden Kosten übernimmt (ca. 35 €, kein Scherz :)) und in meinem Fall glücklicherweise wenigstens die Beihilfe etwa 25 % der Kosten trägt. Ist hier auch mehr Gerechtigkeit geplant oder würden wir quasi leer ausgehen?

  15. F.A.Z.-Community

    […] Mein Einwand gegen den Schröder-Vorschlag ist, dass mir bedenklich erscheint, wie hier eine medizinische Behandlung aus dem Behandlungskatalog der GKV teilweise herausgenommen wird – nur damit sie dann später als steuerfinanzierte Maßnahme teilweise wieder angeboten werden soll. Zum einen erscheint es mir aus sozialrechtlicher und sozialpolitischer Sicht systemwidrig: da es sich um eine medizinische Leistung bei einem recht klar definierten Symptombild handelt, sollte auch die GKV die Behandlungskosten tragen (und zwar voll) – und nicht der Staat. Denn so wandelt sich der Charakter der Behandlung unter der Hand: Aus einer medizinischen Maßnahme wird ein Geburtenförderungsprogramm. Der Staat nimmt damit auch bedenkliche Wertungen vor: wieso werden beispielsweise die Kosten für die Behandlung von Schmerzpatienten, deren Behandlung mit Off-Label-Use Medikamenten von den Kassen auch oft nicht übernommen werden, nicht vom Steuerzahler übernommen, wohl aber Behandlungskosten bei IVF-Maßnahmen? Kurz: Wer – mit meines Erachtens guten –Gründen will, dass Paare, die auf IVF angewiesen sind, nicht auf Basis einer de facto sozialen Indikation wegen fehlenden Geldes keine Kinder bekommen können, sollte die Lösung dort suchen, wo 2004 die Probleme geschaffen wurden: Im SGB V, dem Recht der Gesetzlichen Krankenversicherung. In § 27a SGB V muss einfach die 50 Prozent-Klausel gestrichen werden – und wenn man dabei ist, kann man die Vorschrift auch sonst entschlacken, denn warum so wie Menschen, die zeugungsfähig sind, auch Kinder bekommen dürfen, wenn sie unverheiratet sind oder schon 51 Jahre ( als Mann) bw. 41 Jahre (als Frau) oder erst 24 Jahre (als Mann und Frau) , sollte das auch für Menschen möglich sein, die sich einer assistierten Reproduktion unterziehen müssen. PS.: Details zu den geplanten Kostenverteilungen finden sich hier. […]

  16. Elmar Breitbach
    Nadine schreibt

    Was wird aus den Paaren die schon mehr als 5 Versuche hinter sich haben?

    Was bekommen wir? Was wird aus uns?

    Infos darüber wären auch sehr gut!!!

  17. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Das ist dem Artikel zu entnehmen. Der vierte Behandlungsversuch soll den Plänen zufolge noch unterstützt werden. Bei einer darüber hinausgehenden Zahl wird man Selbstzahler bleiben.

  18. […] geht nun gerade in die falsche Richtung. Ich verstehe es mal als Signal an Ministerin Schröder, ihre Pläne zur Unterstützung kinderloser Paare durch den Bund auch wirklich umzusetzen und nicht zu Lasten der Länder zu verzögern. AKPC_IDS += "4942,"; […]

  19. Elmar Breitbach
    Kerstin schreibt

    An wen kann man sich wenden, um zu erfahren, ob es sich lohnt, bis April zu warten und ob von dieser Zuzahlung Privatpatienten überhaupt profitieren?

    Mein Mann (der "Verursacher") ist über mich zu 70% beihilfeberechtigt und 30% über die Private versichert. Die Private zahlt also 30% nach dem Verursacherprinzip. Die Beihilfe hingegen zahlt nach dem Körperprinzip, d.h. nicht die Hälfte seiner 70%, sondern die Hälfte meiner 50%. D.h. wir bekommen für die ersten 2 Versuche 55% bezahlt, 45% der möglicherweise höheren Kosten für Privatpatienten zahlen wir selbst. (Laut Arzt kostet eine ICSI für uns ca. 6000 Euro.).

    Eine Zuzahlung zum 3. Versuch, falls nötig, will die Private erst prüfen. Die Beihilfe hingegen zahlt zum 3. Versuch nur noch dazu, wenn vorher eine klinisch nachgewiesene Schwangerschaft eingetreten ist. Es kann also durchaus passieren, dass wir schon zum 3. Versuch 70% bzw. alles zahlen müssen. Das kann doch nicht sein. Für uns würden sich die Kosten für 3 Versuche somit möglicherweise auf ca. 9000 Euro oder sogar mehr belaufen. Ein weiterer Versuch mit 6000 Euro ist dann spätestens nur noch mit Kredit umzusetzen, da dann alle Ersparnisse weg sind.

    Mein Mann leidet übrigens seit ca. 3 Jahren an einer schweren Autoimmunerkrankung, die die Hormonproduktion im ZNS teilweise komplett unterbunden hat. Da soll noch mal einer sagen, ungewollte Kinderlosigkeit sei nicht als Erkrankung zu sehen.

  20. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    "Die Beihilfe hingegen zahlt zum 3. Versuch nur noch dazu, wenn vorher eine klinisch nachgewiesene Schwangerschaft eingetreten ist."

    Da hat Ihre Beihilfestelle offenbar etwas nicht begriffen. Es geht bei diesem Passus nicht den Eintritt einer Schwangerschaft, sondern lediglich den Eintritt einer Befruchtung. Hier gibt es Infos.

    Und worauf wollen Sie warten? Geht es nach dem sogenannten Sachsenmodell, dann gibt es keine Zuschüsse im ersten Behandlungsversuch, geht es nach Doro Bär, dann passiert ohnehin nichts.

  21. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Es ist noch offen, was es im April für eine Entscheidung geben wir und falls sie irgendwelche Kostenübernahmen beinhaltet, für wen und für welchen Fall die dann gelten.

    Schreibe deine Situation an die Bundestagsabgeordneten, die darüber noch entscheiden werden.

  22. Elmar Breitbach
    Kerstin schreibt

    @ Elmar Breitbach
    Vielen Dank für den wertvollen Hinweis. Offensichtlich haben wir da eine falsche Information erhalten.
    Und: Wir haben den ersten Versuch bereits hinter uns und hoffen, dass es ab April nicht nach Frau Bär geht.

    @Rebella
    Das werde ich umgehend tun!