Geburtenrückgang trotz Elterngeld


Die Familienministerin von der Leyen hatte ja kürzlich den Familienreport 2009 vorgestellt. Diesem zufolge kamen in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 3400 Kinder mehr zur Welt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Da dies auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und darüber hinaus in Anbetracht des finanzellen Aufwandes nur wenig effektiv, kam ihr damals folgerichtig der Gedanke, dass man doch endlich mal wieder an die ungewollt kinderlosen Paare denken könnte und schlug eine finanzielle Entlastung dieser Paare gemäß dem sächsischen Modell vor.

Nun dürfte ihre Motivation noch steigen. Der Spiegel berichtet, dass etzt die ersten Zahlen für die Monate Oktober und November 2008 vorliegen und das Ergebnis ist alles andere als positiv:

mehr als elf Prozent im Minus gegenüber dem Vorjahr. Die Angaben des Statistischen Bundesamtes sind zwar noch vorläufig, aber sie lassen dennoch den Schluss zu, dass 2008 in Sachen Geburtenzahlen mit einem Defizit endet. Die Experten für Bevölkerungsentwicklung beim Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel drücken das akademisch zurückhaltend aus: „Das ist ein Hinweis darauf, dass wir es nicht mit einer Fortsetzung des positiven Trends zu tun haben“, sagt eine Sprecherin.

Die positiven Geburtenzahlen aus 2007 könnten also ein Einmaleffekt gewesen sein. Beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hält man es für wahrscheinlich, dass manches junge Paar seinen Kinderwunsch bis zum Inkrafttreten des Elterngeldes aufgeschoben hat. Zudem war der Umschwung nicht exorbitant. Der Effekt auf die durchschnittliche Geburtenzahl pro Frau ließ sich nur in der zweiten Stelle hinterm Komma feststellen: Sie stieg von 1,33 auf 1,37.

Noch einmal zur Erinnerung für Frau von der Leyen: 10.000 Kinder jährlich könnten zusätzlich zur Welt kommen, wenn die Kostenübernahme für die künstliche Befruchtung wieder wie bis 2003 viermal und vollständig bezahlt würde. Und finanziell wäre das ein Schnäppchen. Zugreifen!


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Kommentar

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21 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Irgendwie hatte ich es ja schon immer geahnt, dass ein Jahr mehr Geld Paare, die sich keine Kinder wünschen, nicht dazu bringt, welche zu bekommen. Ich denke auch, dass es sehr viel effizienter ist, denen, die sowieso Kinder wollen (sprich: uns KiWu-lern), das Kinderbekommen zu vereinfachen. Denn sonst haben wir am Ende nichts gewonnen (oder doppelt verloren) – die, die keine wollen, bekommen keine und die, die welche haben wollen aber nicht bekommen können, bekommen auch keine :(…

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    In Bundestagsdebatte am letzten Donnerstag wurde Frau von der Leyen diesbezüglich von einer Vertreterin der Grünen wegen ihrer "gezielten Desinformationspolitik" gerügt.

  3. Elmar Breitbach
    Maggie1978 schreibt

    Wenn es dann für künstliche Befruchtungen mehr Geld geben sollte, finde ich sollte man auch Paare unterstützen auch auf anderem Weg (naturheilkundlich, TCM, Akkupunktur usw.). Solche Leistungen müssen leider auch aus der eigenen Tasche bezahlt werden und die sind auch nicht gerade billig aber oftmals wirksam.

  4. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    @maggie

    finde ich nicht. das eine (reproduktionsmedizinische maßnahmen) ist wissenschaftlich nachweisbar wirksam; das andere nur zum teil oder gar nicht, vielleicht in abhängigkeit der eigenen "gläubigkeit" an die maßnahme.

  5. Elmar Breitbach
    Mal ohne schreibt

    Na sowas, sollte das dumme Volk
    gemerkt haben das Kinder auch im 2 Lebensjahr noch Kleidung und Essen brauchen.Und das Kinder in der ersten Klasse auch noch Betreuung benötigen und nicht ab 11.15 Uhr
    alleine sein können.
    Aber schön war es schon 67% meines Gehalts noch ein Jahr zu bekommen
    (In Wircklichkeit waren es ja nur 10 Monate, denn die Zeit des Mutterschutzes wird ja angerechnet).

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Vielleicht ist das ja eine Erklärung dafür, warum von der Leyen so plötzlich im Februar um 180 Grad umgeschwenkt hat und sich erstmals für Kinderwunschbehandlungen ausgespriochen hat? …

  7. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo rebella,

    einfache rechnung eigentlich: jedes 6. zeugungswillige paar hat reproduktive probleme…ich schätze etwa die hälfte dieser leute läßt die erkenntnis soweit an sich heran, dass kontakt zur derzeit gültigen finanzierungsregelung entsteht (und somit ein kleiner einblick auf gesetzgeberische hässlichkeiten sich auftut)…das geht in einem wahljahr nicht, zumal die meisten zeugungswilligen frauen auch noch die ziel-klientel von segnungen wie elterngeld etc sein sollen. frauen reden über sowas eher (und wahrscheinlich auch mehr 🙂 ) als männer.

    das kommt nicht gut wenn es um (wieder-)wahl geht 😉

    ich bin zu faul um beim statistischen bundesamt die genauen zahlen rauszusuchen, dann wüßte man in etwa um wieviel wähler geschachert wird.

    LG reaba

  8. Elmar Breitbach
    Maggie1978 schreibt

    @reaba: Nur weil jemand nicht die traditionelle Reproduktionsmedizin möchte aber Erfolg auf anderem Weg haben könnte, sollte man da doch nicht benachteiligt werden. Selbst wenn man nur dran glaubt und es wirkt es heißt doch so schön: Glaube versetzt Berge und im übrigen sind Gedanken eine starke nicht zu unterschätzende Kraft. 😉

  9. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    @maggie

    also erwägen könnte ich deinen vorschlag nach kompletter diagnostik, etwa 4-5 abgeschlossenen, effektiv schul-medizinisch betreuten versuchen und bei paaren mit der diagnose: ideopathische sterilität.

    die anderen können gerne TCM etc versuchen (artensterben und wilderei in afrika eingeschlossen)…aber doch bitte auf glaubhaft eigene kosten.
    vielleicht hilft "glauben" ja auch an die gutmütigkeit vom chef bei der gehaltsabrechnung 😉

  10. Elmar Breitbach
    BP schreibt

    Ich würde es toll finden, wenn die Krankenkassen (oder die Länder, oder wer auch immer…) wieder 4 Versuche vollständig übernehmen, oder Kinderwunsch-Paaren mit finanzieller Unterstützung dabei unter die Arme greifen würden.
    Dann könnte I C H die Geburtenrate nämlich auch noch ein Stück pushen…

    :o)))

  11. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ rebella: Ich denke, dass es D I E Erklärung ist. Ein reines Rechenexempel, welches jetzt noch ein deutlicheres Ergebnis zeigt

  12. Elmar Breitbach
    nadera schreibt

    Hm, also laut Aussage einer Hebamme, war das GESAMTE Jahr ein geburtenreiches Jahr. Da letzte Jahr war -und das sehe ich auch auf den Straßen- ein Babyboom.
    Mich wundert diese Statistik schon. Hat da jemand zu Gunsten der Reproduktionsmedizin die Daten verfälscht? Wenn ja, hat er es sehr gut gemacht.

  13. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @nadera: Nun, was eine Hebamme in ihrem Dienst sieht oder Sie und ich auf den Strassen im Kinderwagen, sind vielleicht jetzt nicht so die validen Daten, die eine Aussage zulassen, ob in Gesamt-Deutschland die Kinderzahlen steigen oder abnehmen 😉

  14. Elmar Breitbach
    Liebesnest schreibt

    Eventuell könnte man mit der Kostenübernahme nicht nur die Geburtenrate "deutlich" erhöhen sondern nebenbei auch noch einigen Menschen bei der Psyche helfen.

    Denn Kinderlosigkeit ist ein sehr tiefes psychisches Loch, welches man evtl. gleichzeitig mit stopfen könnte.

    Es lebe die Wählerwerbung!
    CDU-Ursula von der Leyen Hand in Hand mit SPD-Ulla Schmidt 🙂

  15. Elmar Breitbach
    Kah schreibt

    Sicher ist das Elterngeld nicht *der* Grund, Kinder zu bekommen, aber gerade für Arbeitslose und Studierende ist das neue Elterngeld (12 Mon. 300€/m) eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem vorherigen Erziehungsgeld (12 Mon. 450€/m bzw. 24 Mon. 300€/m) und somit ein geringerer Anreiz, Kinder zu bekommen.

  16. Elmar Breitbach
    Anja schreibt

    Vielleicht wäre es aber – nicht zu letzt auch zu liebe der Kinder – sinnvoll, sowohl die Arbeitslosen, als auch die Studierenden kümmern sich erstmal darum, einen guten Arbeitsplatz zu bekommen. Weder frustriert daheim hockend weil arbeitslos, noch gestresst, weil mit einem Studium immer auch Prüfungsphasen einhergehen (seit Bologna/Bachelor mehr als zuvor) ist das ideale Umfeld für ein Kind zum Aufwachsen. Da denke ich ganz traditionell-pragmatisch: Erst sich selbst ernähren können – egal ob Mann oder Frau – dann sich der jahrelangen Verantwortung bewußt sein, die Kinder immer bedeuten – und dann abwägen, ob es mit der Vereinbarkeit auch passt. Ich selber bin noch in de Phase Studium und beobachte gerade, ob sich in Richtung Kinderbetreuung auch hier auf dem Lande in Süddeutschland WESENTLICH etwas ändert. Das momentane Studium wäre 2010 beendet – ein Zeitpunkt erstmal ’nen Job zu finden und dann schwanger zu werden – oder aber noch eine weitere Qualli draufsetzen bis 2013. Ich möchte jedoch auf keinen Fall länger als 3-6 Monate komplett daheim bleiben und wieder zurück in den Beruf bedarf öffentlicher Betreuungsplätze, da meine Eltern zu weit weg wohnen.

  17. Elmar Breitbach
    Roland Kopp-Wichmann schreibt

    Man kann andere Menschen nicht motivieren!
    Dieser Spruch von Reinhard Sprenger aus seinem Buch "Mythos Motivation" gilt auch für diese gute Absicht.
    Zu dem ganzen Thema habe ich auch einen längeren Beitrag geschrieben: http://tinyurl.com/d3xuym

  18. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    interessanter beitrag und im prinzip stimme ich ihnen zu.
    nur welche legitimation bleibt der politischen kaste noch, wenn nicht mal mehr geldwerte geschenke fruchten..?
    sie sehen, im unterschied zu Ihnen zweifele ich sogar an der guten absicht…
    man beschwert sich einerseits, dass frauen selten in spitzenpositionen zu finden sind (mit gehältern idR > 3000€) und wundert sich andererseits, dass eben jene frauen, die es bis dahin geschafft haben, nicht einmal 5% der geförderten mütter ausmachen…das ist in meinen augen nicht nur naiv, sondern läßt fast vorsatz vermuten.
    zudem ist eine abwarkprämie wohl wirklich effizienter wenn es um motivation geht 😉

  19. […] nun Frau von der Leyen feststellen musste, dass die Geburtenrate im letzten Jahr nicht wie erhofft angestiegen ist, muss sie sich nun auch Gedanken darüber machen, ob das Elterngeld der richtige Weg ist. […]

  20. […] aussagefähiger als die sogenannte Geburtenrate, die ja aktuell trotz großer Anstrengungen ebenfalls nicht ansteigt. Will man jedoch wissen, ob Frauen kinderlos bleiben, muss man natürlich Frauen befragen, die […]