Einheitliche Regelungen in Europa? Keine Chance!


Grundsätzlich wäre es ja wünschenswert, wenn die Reproduktionsmedizin in Europa in den einzelnen Ländern zunächst einmal überhaupt geregelt wäre und dann natürlich auch möglichst noch einheitlich.

Der Weg dorthin ist steinig und vermutlich wird vorher noch die letzte konventionelle Glühbirne ihren Geist aufgeben, bevor dies der Fall sein wird. Das strengste Gesetz hat gegenwärtig Italien, nicht zuletzt bedingt durch massive Einwirkungen des Vatikans in entsprechende Volksabstimmungen. In Polen ist hingegen noch nichts geregelt.

Die katholische Kirche ist strikt gegen die Methoden der künstlichen Befruchtung und hält sie für Euthanasie. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie eine Volksinitative unterstützt oder initiierte, die das komplette Verbot der künstlichen Befruchtung zum Ziel hat, wie das Ärzteblatt berichtet:

Die Regierung will dem Parlament demnächst einen Gesetzentwurf zur Regelung der künstlichen Befruchtung vorlegen. Er sieht Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren für die Aufbewahrung und Weitergabe gefrorener überflüssiger Embryonen vor.

Schon schlimm genug. Die Volksinitative hingegen geht weiter und möchte die künstliche Befruchtung komplett verbieten

Der Gesetzentwurf des Bürgerkomitees „Contra In Vitro“ sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren für jeden vor, der die Methode bei Frauen anwendet. Bei der Sammlung der erforderlichen 100.000 Unterschriften setze das Komitee auf die Unterstützung durch die katholische Kirche, sagte der Vorsitzende Jacek Kotula am Mittwoch laut polnischen Medien.

Laut Internetseite des Komitees haben sich bereits mehrere Bischöfe hinter die Volksinitiative gestellt, darunter auch der Episkopats-Vorsitzende, Erzbischof Jozef Michalik von Przemysl.

Kommen 100.000 Unterschriften zusammen, muss sich das Parlament mit der Initiative beschäftigen. Einen Volksentscheid können die Bürger nicht durchsetzen. Bislang ist die In-vitro-Fertilisation in Polen nicht gesetzlich geregelt und daher uneingeschränkt erlaubt.

Die Schweiz will die Regelungen lockern

Unter strengen Auflagen will die Regierung dort erlauben, dass vor einer künstlichen Befruchtung Embryos auf Erbkrankheiten und genetische Abweichungen hin untersucht werden, also eine Präimplantationsdiagnostik (PID) durchgeführt werden darf. Diese Möglichkeit soll jenen Paaren offenstehen, bei denen wegen der Erbanlagen eine große Gefahr besteht, dass sie ihren Kindern die Veranlagung für eine schwere Krankheit übertragen.

Mit strengen Bedingungen will der Bundesrat die Menschenwürde schützen und Missbräuche verhindern. Demnach darf die PID nur dann durchgeführt werden, wenn sich eine Gefahr nicht anders abwenden lässt. Es muss sich zudem um eine schwere Krankheit handeln, die mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem 50. Altersjahr ausbricht und weder wirksam noch zweckmäßig zu therapieren ist.

Es scheint also eher so zu sein, dass sich die Gesetzgebung in Europa (ok, die Schweizer sind nur Randeuropäer) immer mehr dem Zustand von Kraut und Rüben als einer einheitlichen Regelung nähert.


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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Angesichts der Entwicklungen in Italien und jetzt Polen dürfen wir uns vielleicht darüber freuen, dass noch nicht überall alles verboten ist und es immer noch eine Möglichkeit gibt, wo man überhaupt hinreisen kann …

    Ich staune wirklich darüber, dass es bis heute in diesem konservativen Polen möglich ist, dort ohne Einschränkungen assistierte Befruchtungen durchzuführen. Und auch in Italien war es ja bis auf vor ein paar Jahren noch so. Hatten Pspst und Co. bis dahin noch nie was von ärztlicher Unterstützung zum schwanger werden gehört?

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/146001.polens-kirche-in-der-krise.html

    "… als Zeichen der Krise in der Kirche. Sie zeige sich den Herausforderungen der Zeit nicht gewachsen. Während mehr als zwei Drittel aller Polen die künstliche Befruchtung der Eizelle befürworten, mauert die Kirche und spricht von »Kindermord«. Angesichts mehrerer dramatischer Fälle, in denen Mütter nach bis zu 24-jähriger Pflege ihrer zu Hause hoffnungslos dahinsiechenden Kinder für diese ein »Ende des Leidens« erflehen, wird ihnen geraten, das »Tragen ihres Kreuzes« nicht aufzugeben. Als selbst Regierungschef Donald Tusk vorsichtig andeutete, man habe sich dem Thema Sterbehilfe irgendwie zu stellen, sah man darin das »Wirken des Teufels«. Und Abtreibungen dürfen nach dem Willen der Kirche selbst in extremen Fällen nicht vorgenommen werden."

  3. […] des Jahres wurde hier ja bereits davon berichtet, dass in Polen von der katholischen Kirche eine Volksabstimmung gegen die “künstliche […]