Apothekenrecht in Deutschland bestätigt

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Dies ist zumindest die Auffassung des Generalanwalts Yves Bot beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). Der EuGH hat darüber zu entscheiden, ob das in Deutschland geltende sogenannte Fremdbesitzverbot gegen EU-Recht verstößt. Dieses besagt gegenwärtig, dass Apotheken in Deutschland nur inhabergeführt sein dürfen und jeder Apotheker nur bis zu drei davon besitzen darf.

Große Apothekenketten wie z. B. DocMorris, die sich im Besitz von Kapitalgesellschaften befinden, kommen aufgrund dieser Regelung nicht in den deutschen Markt. Natürlich macht es das auch nicht einfacher, die unterschiedlichen Preisniveaus in Europa anzugleichen. Dass die Preisgestaltung in Deutschland Spitzenwerte einnimmt, merkt jeder, der sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen muss und die Hälfte der Medikamentenkosten auf den Tisch des Apothekers legt.

Natürlich ist es auch eine beängstigende Vorstellung, wenn die „Tante-Emma“-Apotheker großen Ketten weichen, im Hinblick auf die Preisgestaltung einiger Präparate sollte das eher von Vorteil sein.

Die Beurteilung des Generalanwalts ist für den Gerichtshof nicht bindend und das Urteil steht auch noch aus, jedoch ist es meist so, dass sich die Richter der Auffassung des Generalanwalts anschließen. Daher begrüßte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände die Stellungnahme. „Damit setzt sich der Generalanwalt auch für die besonderen Interessen und das Schutzbedürfnis der Patienten ein“, erklärte Präsident Hans-Günter Wolf.

Nun habe ich etwas nicht verstanden. Wenn viele Krankenhäuser in Deutschland in Ketten aufgehen und von diesen geführt werden, wenn auch in Deutschland schon IVF-Zentren mit Filialen und Zusammenschlüssen agieren, die dann auch von Finanzgesellschaften getragen werden, ist es dann wirklich eine Rücksichtnahme auf das „Schutzbedürfnis der Patienten“, wenn die in diesen „Versorgungsketten“ behandelten Patienten dann anschließend zum Tante-Emma-Einzelhändler für Medikamente gehen können? Das soll jetzt das „Schutzbedürfnis der Patienten“ retten? Ehrlich? Ich finde, man sollte ruhig dazu stehen, wenn einem die eigene Lobbyarbeit geholfen hat, eine solche Entscheidung durchzufechten und ein bisschen stolz darauf sein. Da muss man nicht das Feigenblatt der Patienteninteressen vorhalten. Glaubt eh´ kein Mensch.


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    in deutschland gibt es einfach zuviele apotheken, zumindest in den alten bundesländern.
    mir fallen auf anhieb mehrere kleine und mittlere städt in meiner region ein, wo ein ort bis zu 4 apotheken hat, die fussläufig alle in 10 minuten zu erreichen sind…in einem aufwasch, nicht jeweils 10 minuten laufen 😉

    volkswirtschaftlichen sinn macht das nicht, geht aber, weil wir arzneimittel-hochpreis-gebiet sind.
    soweit es geht kaufe ich medikamente und arzneimittelbedarf im benachbarten ausland oder über das internet.
    so sehr ich für den erhalt des lokalen einzelhandels bin, aber die apotheker übertreiben.
    wenn man dann auch noch mit ein bischen ahnung versehen eine "beratung" zu einem bestimmten medikament oder zu einer wirkstoffgruppe haben möchte, frage ich mich wo da der patientenschutz ist; stattfinden tut eher das gegenteil: gewaltige ahnungslosigkeit oder herbeten des halbverstandenen wissens vom frühstücksempfang von pharmariese XY zum productplacement des neuesten medikaments.
    beratung dieser art ist doch nicht im sinne des verbrauchers/patienten, lediglich im sinne des herstellers der produkte.
    man sollte es machen wie in england: keine festgelegten ladenöffnungszeiten mehr und jeder größere supermarkt hat eine apothekenfiliale…da stimmt auch wieder der preis für den patienten 😉 .

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Letzten Endes werden gerade jüngere Menschen, die einigermaßen flexibel sind, in ausländischen Apothekenketten einkaufen. Ältere Menschen, die ihre Gewohnheiten beibehalten wollen, kaufen dann eher in den örtlichen Apotheken.

    Für den Fiskus wird das auch nicht unbedingt ein Vorteil sein, denn die Steuern werden dann ja zu einem größeren Teil auch im Ausland bezahlt.

  3. Elmar Breitbach
    Friedwart schreibt

    Als Apotheker fände ich es auch gut, wenn es weniger Apotheken gäbe, dann hätte ich weniger Konkurrenz.
    Zu den Preisen in der Apotheke:
    Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln Aufschlag von 3% auf den Einkauspreis plus € 8.10, von denen die krankenkasse aber wieder € 2,30 abzieht. So gerechnet verdient ein Apotheker bei einem Arzneimittel, das € 1000 kostet ca € 30, wehe Dir verfällt als Apotheker auch nur eine Packung eines solchen hochpreisigen Artikels.
    Kostet ein Mittel € 50, verdient der Apotheker ungefähr € 7 – auch nicht gerade die Welt – oder?
    Und davon geht die Miete ab, die Kosten für Personal, Strom, Software (ca. € 500 – 1.000 pro Monat), auch "Pröbchen" oder Umschau wollen bezahlt werden.
    Ich will jetzt nicht jammern, ich muss mir nicht überlegen, ob ich abends mal essen gehen kann. Ich finde, dass ich das aufgrund meiner Ausbildung und einer Arbeitsbelastung von wöchentlich 60 – 70 Stunden auch verdient habe.
    Und das wir hier in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern eine Mehrwertsteuer von 19% auf Medikamenten haben, dafür kann ich nun wirklich nichts.
    Und an alle flexiblen jungen Leute, die ihre Medikamente gerne im Ausland holen: Tut das bitte auch nachts, wenn Ihr Zahnschmerzen habt und lasst mich im Notdienst schlafen. In der Regel habe ich nämlich am folgenden Tag einen ganz normalen Arneitstag.

  4. Elmar Breitbach
    remis schreibt

    @friedwart: mir ist es ehrlich gesagt sch* egal woran es liegt, daß einige Medikamente in D so wesentlich teurer sind. Ich fühle mich nur schlicht und ergreifend ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.
    Achja, die vielen "notleidenden" Pharmahersteller sind sicher auch vollkommen unschuldig an dem Zustand…

  5. Elmar Breitbach
    Severina77 schreibt

    @friedwart: Danke!
    Bin Betriebswirtin und mit einem Apotheker verheiratet. Ich kriege echt Pickel, wenn uns die Politik sagt, Apotheker sollten wirtschaftlich arbeiten und ich mir dann anschaue, was bei Apotheken alles gesetzlich vorgeschrieben ist – das fängt bei der Ladengröße an und hört bei den Verdienstspannen noch lange nicht auf. Das geht für mich Richtung Verstaatlichung mit Abwälzung des Risikos.
    Versteht mich nicht falsch, ich hätte kein Problem, wenn in Deutschland das Fremdbesitzverbot fällt, aber nur, wenn dann auch der "kleine Apotheker am Eck" wirtschaftlich freie Hand hat, wie es in anderen Ländern der Fall ist!

  6. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Ich persönlich habe mit Apotheken nicht unbedingt die besten Erfahrungen. Da wird einem schon mal eine teurere Variante eines Medikaments angeboten, obwohl es günstiger geht, Medikamente falsch bestellt (trotz Extrahinweis) oder falsch beraten. Und solange das Preisniveau so ist, wie es ist, werde ich auch weiterhin im Ausland bestellen, auch wenn vielleicht der Apotheker selbst nichts dafür kann und ein guter Freund mit einer Apothekerin verheiratet ist, die es schwer hat, einen Job zu finden.