Änderung der Kostenübernahme bei künstlicher Befruchtung?


Es ist nicht das erste Mal. Aber es ist mitten in der Legislaturperiode und das lässt hoffen: Die Familienministerin Schröder plant eine Veränderung der Kostenübernahme bei der künstlichen Befruchtung. Und bevor jemand das Schlimmste befürchtet: Eine Änderung zum Besseren.

Zurück zur Regelung vor 2004?

„Ich finde es unerträglich, wenn Kinderwünsche am Geld scheitern“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Die Politik müsse Paaren helfen, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen könnten. „Hier gibt es einen glasklaren Zusammenhang zwischen politischem Handeln und der Anzahl der Geburten aus künstlicher Befruchtung. Deshalb müssen wir was tun“, teilte sie der SZ mit.

Tatsächlich scheint der Vorschlag noch nicht besonders ausgereift zu sein: Schröder habe eine Diskussion anstoßen wollen, heißt es aus dem Familienministerium. Ihre Vorschläge müsse sie noch der Bundesregierung vorlegen berichtet der Stern. Offenbar wird jedoch sogar die Rückführung der Kostenübernahme auf den Stand vor 2004 diskutiert. Bis 2003 wurden bei der künstlichen Befruchtung vier Behandlungszyklen vollständig von den Kassen übernommen, ab 2004 müssen die Paare 50% der Kosten selbst tragen und diese Unterstützung wird auch nur noch für drei Zyklen gewährt. Seitdem hat sich die Zahl der künstlichen Befruchtungen zunächst halbiert und ist auch heute noch nicht auf den Stand von 2003 angestiegen. Man geht davon aus, dass durch diese Änderung der Kostenregelung 10.000 Kinder pro Jahr weniger geboren werden. In Sachsen konnte mit einer auf das Bundesland beschränkten Förderung die Zahl der künstlichen Befruchtungen um 30% gesteigert werden.

Leere Versprechungen gab es schon häufiger

Dies veranlasste die damalige Familienministerin Frau von der Leyen vor gut zwei Jahren, über eine Änderung der Regelung nachzudenken. Aber bereits kurz nach der letzten Bundestagswahl gingen ihre Pläne bereits in den Koalitionsverhandlungen verloren. Speziell in der CSU scheinen hier große Vorbehalte gegenüber der künstlichen Befruchtung im Allgemeinen und der Kostenübernahme im Besonderen zu bestehen.

Frau Schröder hat sich einen Ruf als „Ankündigungsministerin“ gemacht und bisher wenige ihrer ambitionierten Pläne in die Tat umgesetzt. Zum Vorteil dürfte es ihr jedoch gereichen, dass auch andere Parteien der Meinung sind, dass die Kosten kein Grund sein dürften, sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches einer Therapie zu unterziehen.

Zustimmung von anderen Parteien

Ein Kinderwunsch dürfe weder am Geld noch an veralteten Vorstellungen von Familie scheiternzitiert das Deutsche Ärzteblatt die familienpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Miriam Gruß. Damit greife die Ministerin eine langjährige Forderung der FDP auf. Jetzt gelte es, Widerstände in den Reihen der Union zu überwinden, von wo bislang die größten Einwände gekommen seien.

Auch von Seiten der bisher in diesen Fragen eher unentschieden Grünen gibt es Zustimmung, berichtet das Hamburger Abendblatt: Für die Betroffenen sei ungewollte Kinderlosigkeit eine große Belastung, sagte die Familienexpertin der Grünen im Bundestag, Katja Dörner, dem Abendblatt. „Doch wir werden die Ministerin erst loben, wenn sie konkrete Forderungen auch durchsetzt“, sagte Dörner. Mit der derzeitigen Finanzierung sei die Erfüllung des Kinderwunsches auch eine soziale Frage, ergänzte die Grünen-Politikerin. Das müsse sich ändern.

Caren Marks, die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion ist einer Neuregelung gegenüber ebenfalls nicht abgeneigt:“Ich habe durchaus Sympathien für die Vollfinanzierung der künstlichen Befruchtung„.

Unfreundliche Unterstützung der SPD

Frau Marks geht sogar noch weiter: „Schröder würde sich zudem nicht für unverheiratete Paare einsetzen, die derzeit noch von der Förderung ausgeschlossen würden, kritisierte sie dem Stern zufolge.

Das ist ein wichtiger Punkt, ist es doch nicht einzusehen, dass unverheiratete Paare gegenwärtig von der reduzierten Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgenommen sind.

Wer Politikeraussagen kennt und zwischen den Zeilen liest, kann jedoch diese Aussage nur so interpretieren:“Mir ist dieses Thema eigentlich unwichtig und mein Engagement nur halbherzig. Vielmehr möchte ich der Familienministerin aus Gründen der Parteipolitik gar keinen Erfolg in dieser Frage gönnen und stelle daher einige Zusatzforderungen, die die Umsetzbarkeit so erschweren, dass das Ganze im Sande verläuft„. Ich nehme Frau Marks ihre Parteinahme für die Unverheirateten nicht ab, würde mich aber freuen, wenn sie mir das Gegenteil bewiese.

Neiddebatte: Minoritätenbashing

Die Diskussion für weitere Forderungen zu öffnen ist grundsätzlich legitim, wenn es nicht dazu führt, dass das ganze Projekt kippt, sollte es denn ernst gemeint sein. Bei Frau Marks ist die Absicht die übliche Parteitaktik, es geht dabei weniger um die Sache als um politische Abgrenzung.

Interessant sind die Reaktionen in Blogs, Foren und den „Sozialen Medien“ wie Twitter und Facebook. Hier kommt die Stigmatisierung der Kinderlosen als privilegierte Sozialschmarotzer und Opfer eines psychischen Defekts voll zum Tragen. Am Schluss wird dann aufgezählt, was man denn stattdessen Sinnvolleres mit dem Geld tun könnte

Die Onlineredakteurin der TAZ – Julia Seeliger – betreibt in ihrem Artikel diese Argumentation ein wenig subtiler, aber mit ähnlicher Zielrichtung. Zunächst wird die öffentlich geäußerte Idee der Familienministerin als fertiges Projekt dargestellt: „die künstliche Befruchtung soll so wie vor der Gesundheitsreform viermal, und das vollständig, von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden.“ Dann wird dieses Projekt als billiger Populismus abgetan, ohne genauer mitzuteilen, worauf sich diese Einschätzung gründet. Möglicherweise ist die Diskreditierung der künstlichen Befruchtung als familienpolitische Maßnahme im folgenden Absatz als Begründung gedacht. Sie gibt eine Baby-Take-Home-Rate von knapp 30% an und Kosten von 3.000 – 5.000 Euro. Soweit korrekt. Um dann aber zu fragen, ob die knappen Mittel hier sinnvoll eingesetzt sind und „Tut Schröder Frauen mit ihrer Politik wirklich einen Gefallen? Und gibt es nicht drängendere familienpolitische Korrekturen, die angegangen werden sollten?

Es kommt immer darauf an, wen man fragt. Fragt man Frau Seeliger, dann sollte Schröder „an einer wirklichen Reform von Frauen- und Familienpolitik arbeiten. Not tut eine Reform, die nicht nur das heterosexuelle Zweierpaar in den Blick nimmt. Homosexuelle Paare und alleinstehende Frauen bleiben bei Schröders Vorschlägen weiterhin außen vor.“

Sie vergisst nun wieder die unverheirateten Hetero-Paare, die ebenfalls diskriminiert werden. Und die Paare, die aus anderen Gründen keine finanzielle Unterstützung erhalten und kinderlos bleiben. Wie auch immer: Es ist berechtigt, wenn man diese finanziellen Hilfen auch für unverheiratete und homosexuelle Paare fordert. Seeliger impliziert mit ihrer Argumentation jedoch, dass die Forderung nach Gleichberechtigung homosexueller Paare wichtiger und sinnvoller ist als finanzielle Hilfen für heterosexuelle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Was spricht dagegen, beides zu fordern? Sind die Forderungen von homosexuellen Paaren etwa politisch korrekter und mithin wichtiger?

Es ist sicherlich nicht hilfreich, wenn sich Minoritäten gegenseitig gegen das Schienbein treten, um ihren Forderungen gegenüber der Politik und Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Das hilft letztlich niemandem. Wer mit seinen Forderungen ernst genommen werden möchte, der sollte die berechtigten Probleme anderer ebenso ernst nehmen.


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

21 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    007 Wichtel schreibt

    Doc, ich würde diesem Artikel von Ihnen mal wieder eine "1+*" geben, aber leider gibt es nur eine normale Empfehlung. 😉
    DANKE!

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Dankeschön 😉

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Als Facebook-Verweigerin kann ich leider nicht voten, aber danke für den Beitrag.

    Bezüglich Frau Marx bin ich mal wieder erstaunt, wie schnell doch Politiker ihr Fähnchen in den Wind hängen. Ich kann mich an ziemlich Ablehnendes von ihr erinnern. Einen Vorteil hat das jedoch: Wenn das Thema "in" wird, dann kriegt man auch schnell überall in den Politikerreihen Befürworter. Genau dort, wo bisher nur ignoriert wurde.

    Natürlich wünsche ich mir, dass auch Minderheiten das Recht auf Kostenübernahme ihrer Behandlung erhalten. Ich werde Frau Schröder deshalb auch anschreiben um für "meine" Minderheitengruppe u werben. Aber natürlich würde ich mich erstmal über Schritt 1 freuen, der die Gesundheitsreform 2004 rückgängig macht. Erstmal besser als nichts. Und dann den Fahrtwind nutzen, um Gleichberechtigung zu schaffen. …

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Rebella: Genau das, was ich auch für am sinnvollsten halte: Nicht den Fahrtwind gleich wieder durch gegenseitiges Ausbremsen wegnehmen, sondern nutzen.

  5. Elmar Breitbach
    Julia Seeliger schreibt

    Hallo, Herr Breitbach,

    Hier kommt die Stigmatisierung der Kinderlosen als privilegierte Sozialschmarotzer und Opfer eines psychischen Defekts voll zum Tragen.

    Nein. Ich bin der Meinung, dass Kinderlosigkeit und Kinder haben gleichwertig nebeneinander stehen sollen. Ich bin die letzte, die Kinderlose bashen würde. Im gegenteil, ich würde mir eine Gesellschaft wünschen, in der man Kinderlosen nicht per se vorwirft, dass sie weniger für die Gesellschaft leisten, so wie es Konservative regelmäßig tun. Und wenn man schon der Meinung ist, dass Kinderkriegen wertvoller für die Gesellschaft ist als zum Beispiel künstlerisches Handeln, Wissensproduktion oder sonstwas, so ist es doch unfair, diejenigen Schwule und Lesben aus der Teilhabe an Familienarbeit auszuschließen, die sich in diesem (zweifelsfrei anstrengenden) Terrain "engagieren" wollen. (Mit Familienarbeit meine ich: Kindererziehung, Kinderkriegen)

    Sie vergisst nun wieder die unverheirateten Hetero-Paare, die ebenfalls diskriminiert werden. Und die Paare, die aus anderen Gründen keine finanzielle Unterstützung erhalten und kinderlos bleiben. Wie auch immer: Es ist berechtigt, wenn man diese finanziellen Hilfen auch für unverheiratete und homosexuelle Paare fordert. Seeliger impliziert mit ihrer Argumentation jedoch, dass die Forderung nach Gleichberechtigung homosexueller Paare wichtiger und sinnvoller ist als finanzielle Hilfen für heterosexuelle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Was spricht dagegen, beides zu fordern? Sind die Forderungen von homosexuellen Paaren etwa politisch korrekter und mithin wichtiger

    Was Sie mit "politischer Korrektheit" meinen, kann ich nur erahnen. Ich kritisiere das.
    Ich habe mich immer für die Gleichstellung heterosexueller nicht verheirateter Paare eingesetzt (vgl. "Monogamie ist keine Lösung"). In der Tat hätte ich dies in dem Artikel deutlicher machen können, mea culpa.
    Meiner Meinung nach ist es erforderlich, medizinische Leistungen wie die künstliche Befruchtung einer genauen Prüfung zu unterziehen und nicht einfach mit der Gießkanne (und ohne Beachtung nicht-Verheirateter) diese Leistung wieder einzuführen. Wichtig ist es auch, darauf hinzuweisen, dass von der Leistung ja nicht nur Frauen profitieren, sondern auch Gynäkologen. Diese ganze Hormon-Schlacht, die einem von Gynäkologen gern eingeführt wird, kann man ja auch mal wieder problematisieren. Das habe ich in meinem Text auch nicht getan, bei Ihnen mache ich das aber gerne mal.
    Schönen Tag
    Julia Seeliger

  6. Elmar Breitbach
    Reaba schreibt

    Liebe Frau Seeliger,

    bevor sie in die Hormonschlacht ziehen, lesen sie doch einfach einmal etwas über die rein medizinischen Abläufe z.B. einer IVF-Behandlung. Wenn Ihnen dann immer noch danach ist subfertile Frauen als der Geldgier der Reproduktionsmedizin anheimgefallene Blödchen darzustellen – horrido!

    Heute immerhin mit politisch korrekter Orthographie 😀

    Mfg reaba

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Julia Seeliger: Wir haben uns ja bereits über Twitter ausgetauscht. Um es noch einmal klarzustellen: Zu den Besuchern dieser Seite gehören Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch jeglicher Ausrichtung und Grundproblematik: Unverheiratete, "Alte", Paare mit drei und mehr erfolglosen Behandlungen, Homosexuelle Paare, Singlefrauen und Heteropaare, die auf Spenderspermien angewiesen sind. Alle haben gegenwärtig keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.

    Singles, Lesben und andere auf Spenderspermien Angewiesene und z. T. auch deren Kinder haben darüber hinaus erhebliche Defizite hinsichtlich der rechtlichen Situation und gesellschaftlichen Akzeptanz zu beklagen. Das wird von mir nicht in Frage gestellt.

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn entsprechende gesetzliche Regelungen zu einer wie auch immer gearteten Verbesserung bei einer dieser Gruppen führen würde.

    Ich sehe jedoch keinen Grund, darauf zu pochen, dass man sich vor einer Gesetzesreform von der z. B. die Single-Frauen profitieren würden, erst einmal um die verheirateten Hetero-Paare kümmern müsste. Meine Reaktion wäre eine vorbehaltlose Zustimmung einer entsprechenden Gesetzesänderung. Selbstverständlich würde ich darüber hinaus anmahnen, dass weitere Änderungen zugunsten dieser Gruppen notwendig wären. Jedoch zusätzlich und nicht anstatt, wie Sie es bedauerlicherweise in Ihrem Artikel tun.

    Sie mögen den Begriff "Neiddebatte" für ein Propagandawort halten (siehe Twitter), ich halte es jedoch für einen passenden Begriff in Bezug auf Ihren Artikel und die Ablehnung dieses Begriffs für eine unnötige Semantikdiskussion, weg vom Inhalt.

    Sie sehen Bedarf, die Methoden der künstlichen Befruchtung einer genauen Prüfung zu unterziehen. Mit Verlaub: Die IVF hat ihre Effektivität in über 30 Jahren ausreichend und weltweit unter Beweis stellen können. Es stellt sich mithin nicht die Frage, ob man diese Leistung nicht durch die Kasse übernehmen sollte, sondern es bedarf einer Erklärung, warum dies nicht Fall ist, da es sich um eine effektive Behandlung der organisch bedingten Sterilität handelt. Einer Krankheit.

    Auf den hier von Ihnen hier etablierten Kampfbegriff der "Hormonschlacht" möchte ich zugunsten des Inhalts nicht weiter eingehen, aber auf den Kommentar von Reaba hinweisen.

    Zuletzt noch der Hinweis: Aus Sicht des Reproduktionsmediziners – also mir – wäre die komplette Herauslösung der künstlichen Befruchtung aus dem System der gesetzlichen Krankenkassen sogar anzustreben und zu begrüßen, ginge es mir – wie von Ihnen impliziert – nur ums Geld. Da bei Selbstzahlern und privat Versicherten die Abrechung der Leistungen über die Ärztliche Gebührenordnung (GOÄ) erfolgt, wird dort mehr verdient als bei den Kassenpatienten. Zumal hier die Leistungen gedeckelt sind und bei geringfügigem Überschreiten der Patientenzahl des Vorjahres mit erheblichen Abschlägen (ca. 40%) zu rechnen ist.

  8. Elmar Breitbach
    sweetlara schreibt

    @Frau Seeliger:
    Es bleib Ihr Geheimnis, was "die künstliche Befruchtung einer genauen Prüfung zu unterziehen und nicht einfach mit der Gießkanne wieder einführen" konkret bedeuten soll…

    Sind Ihnen die Methoden nicht etabliert genug? Haben Sie konkrete und berechtigte Zweifel an IVF oder ICSI (kennen Sie die Abläufe dabei überhaupt)? Oder ist das nur so dahergeschrieben, um ein bischen kritisch und differenziert rüberzukommen?

    Und bedeutet die von Ihnen befürchtete Gießkanne, dass Sie Paaren Leistungen versagen wollen? Welchen? Und warum? (Wollten Sie nicht eigentlich gerade was anderes??)

    Natürlich werden Leistung bezahlt: Sie erhalten Geld für Ihre Arbeit, Gynäkologen ebenso für deren. Das ist normal und nicht verwerflich – ob man verdient, was man verdient, darüber darf getrost gestritten werden. Aber welche Befürchtung steckt hinter dieser Kritik? Möchten Sie Paare vor Behandlungen schützen, die Ihrer Ansicht nach unberechtigt sind?

    Es ist bedauerlich, wenn pauschale Parolen eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema ersetzen. Das ist das Glück der Unbeteiligten, sich nicht so differenziert mit diesem Thema auseinandersetzen zu müssen.

  9. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Zur Ergänzung vielleicht ganz hilfreich: "Das Verhältnis von Queers und Linken zu Reproduktionstechnologien" http://bit.ly/j1wtLH

  10. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Mit dem Artikel kann ich nun so gar nichts anfangen. Da wähnte sich wohl jemand als besonders schlau. Dabei strotzt der Text nur so von Unterstellungen und Weltfremdheit. Hat wirklich schon mal jemand seinen Kinderwunsch oder sein Verlangen nach reproduktionsmedizinischer Behandlung mit Marx begründet? Die Autorin hat doch ein Rad ab.

  11. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    jetzt weiß ich auch, warum mir diese politische richtung immer schon gelinde gesagt suspekt war – der artikel belegt es: geistiger dünnpfiff in reinkultur. oder: ich mach mir die welt widde widde wie sie mir gefällt, wobei pippi langstrumpf wenigstens noch eine sympathische figur ist…

  12. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    😀

  13. Elmar Breitbach
    007 Wichtel schreibt

    Doc, Sie haben in der Aufzählung, wer alles zu den Besuchern dieser Seite gehört, die Ü40-Frauen vergessen, die ja auch keinen Anspruch auf Kostenbezuschusssung haben. 😀
    Ansonsten bin ich absolut Ihrer Meinung.

  14. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Wichtel: Sie fehlen nicht in der Aufzählung. Ich habe sie ganz uncharmant als "Alte" bezeichnet (In Gänsefüßchen!) 😉

  15. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    @Herr Breitbach: Den Versuch, ein so komplexes Thema per twitter zu erörtern, finde ich ziemlich kurios.

    Zum eigentlichen Thema: Schön wäre es natürlich, wenn das Beitragsaufkommen der GKV ausreichte, um die Kosten aller wünschenswerten medizinischen Behandlungen in vollem Umfang zu erstatten.

    Fairerweise sollte man allerdings berücksichtigen, dass auch andere Patientengruppen von Einschränkungen im Leistungskatalog der GKV betroffen sind. Brillen werden z.B. gar nicht mehr bezuschusst, obwohl sie in vielen Fällen sogar für die Berufsausübung notwendig sind. Die lebenslang aufsummierten Kosten für Sehhilfen dürften indes ähnlich hoch sein wie die Eigenbeteiligungen zur IVF/ICSI.

  16. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Hallo Buntspecht: Hast du die Kosten für Brillen mal recherchiert? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie unter den knapp 100 Mio € pro Jahr für reproduktionsmedizinische Leistungen liegen.

    Davon abgesehen halte ich es für wenig hilfreich, einen Bedarf damit zu entlegitimieren, indem man andere Bedarfe aufählt. Ich persönlich hätte, wenn ich vor der Entscheidung gestanden hätte, lebenslang kinderlos oder lebenslang sehbehindert zu sein, mich für das letztgenannte entschieden.

    Nicht zuletzt wurde ja mal errechnet, dass jedes geborene Kind einen wirtschaftlichen Gewinn von 77 Mio € in die Staatskassen spült. Es ist also ziemlich unwirtschaftlich, reproduktionsmedizinische Leistungen nicht zu bezahlen.

  17. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    @Rebella: Ich meinte die Kosten pro Patient, nicht die Gesamtkosten.

    Es geht mir nicht darum, Ansprüche zu "entlegitimieren". Es geht um Gesundheitspolitik nach Kassenlage. Das ist seit Jahren die Realität, und vor diesem Hintergrund muss man abwägen, welche Ansprüche man mit den verfügbaren Beiträgen bevorzugt bedienen will. Eine weitere Erhöhung der GKV-Beiträge halte ich als freiwilliges GKV-Mitglied jedenfalls nicht für wünschenswert, der Höchstbeitrag liegt schon heute an der Schmerzgrenze.

    Ihre Einschätzung, eine unbehandelte Sehbehinderung sei weniger schlimm als Kinderlosigkeit dürfte der Staat wohl kaum teilen. Ohne Sehhilfe wären mehrere Mio. Bürger dauerhaft erwerbsunfähig. Aus Sicht des Staates ist massenhafte Erwerbsunfähigkeit mit Sicherheit ein größeres Problem als sporadische Kinderlosigkeit. Und wenn es nur um die Steigerung der Geburtenrate geht, spielen die maximal 7% Paare mit unerfülltem Kinderwunsch nicht unbedingt die alles entscheidende Rolle.

    Dass der Staat an JEDEM geborenen Kind 77 Mio. EUR Gewinn macht, möchte ich bezweifeln, solange ich nicht die zugrunde liegende Rechnung kenne. Soviel erwirtschaftet ja der Durchschnittsbürger in seinem ganzen Leben nicht.

  18. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Buntspecht: Kosten-Nutzen-Rechnung: Hier und hier.

    Sinnvoll wäre daher auch eine Finanzierung nicht über die Krankenkassen, sondern aus dem Topf von Familienministerium (Fr. Schröder hat sich nicht umsonst diesbezüglich zu Wort gemeldet) und z. B den Rentenkassen.

    Ein solch komplexes Thema in Blogkommentaren abzuhandeln geht aber? Glauben Sie mir, es geht auch mit Twitter. Man muss es nur können.

  19. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    @Herr Breitbach: Die von Ihnen verlinkten Kosten-Nutzen-Rechnungen fallen ja schon mal sehr viel moderater aus als die zuvor genannten 77 Mio. EUR.

    Wenn die USA an jedem Bürger im Schnitt 155.870 US-Dollar verdienen, dann frage ich mich allerdings, warum es dort überhaupt ein Haushaltsdefizit gibt. Offensichtlich stehen den Steuereinnahmen pro Person doch deutlich größere Ausgaben gegenüber als in der Kosten-Nutzen-Rechnung berücksichtigt wurden.

  20. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Buntspecht » Schnitt ist eben Schnitt. In den USA gibt´s einige Milliardäre.

  21. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Buntspecht: Die GKV rechnet aber mit Gesamtkosten und nicht pro Patient. Und wenn eine neue Brille ´nen Hunderter kostet, dann ist das für den Einzelnen eine deutlich moderatere Belastung als 10.000 Euro für das neue Kind.

    Die Quelle für die Studie, die ich oben erwähnte, ist das IFO Institut für Wirtschaftsforschung. Allerdings habe ich mich tatsächlich in der Relation verhaun. Es ging um 77.000 €, das jedes Kind im Schnitt dem Staat bringt. Sorry.

    Ich bhatte vor der Gesundheitsreform 2004 auch mal errechnet, dass jeder GKV Versicherte im Jahr 2,30 € für reproduktionsmedizinische Behandlungen spart, wenn die Ausgaben unter 100 Mio € zusammengestrichen werden. Ein Betrag, den niemand von uns wiorklich im Portemonai merkt. Dafür ist unsere Chance nun größer, wenn wir alt und schwach sind, dass es dann noch genug jüngere Menschen gibt, die sich um uns kümmern werden.