Gesetz schützt Embryonen und tötet Feten


Dies ist kurz zusammengefasst die Aussage von Prof. Felberbaum, ehemaligem Vorsitzenden des Deutschen IVF-Registers. 222 Embryonen die nach IVF oder ICSI gezeugt wurden, sind im Jahre 2004 in Deutschland später im Mutterleib abgetötet worden. Das hat die Auswertung von Daten aus dem deutschen IvF-Register ergeben.

Die Schwangerschaftsrisiken sind bei Mehrlingsschwangerschaften deutlich erhöht, insbesondere treten Frühgeburten mit all ihren Folgen häufiger auf. Vor allem bei Drillingen wird daher gelegentlich ein Fetus getötet, um die Überlebenschancen für die anderen Kinder zu erhöhen. Das geschieht meist um die zwölfte Schwangerschaftswoche.

Folge des Embryonenschutzgesetzes?

Felberbaum gibt an, dass dies Folge des deutschen Embryonenschutzgesetzes sei, welches eigentlich dem Schutz des ungeborenen Lebens dienen sollte.

Das Ergebnis sei eine unbeabsichtigte Folge des in Deutschland derzeit geltenden Embryonenschutzgesetzes (ESG), kritisierten Reproduktionsmediziner bei der Tagung der Europäischen Gesellschaft für Fortpflanzungsmedizin in Lyon.

Denn nach dem Gesetz müssen alle im Reagenzglas gezeugten Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden. Das sind häufig drei Embryonen, sagte Professor Ricardo Felberbaum vom Klinikum Kempten zur „Ärzte Zeitung“. Es gab 222 Fetozide bei IvF-Kindern. Das ist nach Angaben von Felberbaum nicht akzeptabel. Er plädiert für eine umfassende Änderung des ESG, um solche Auswüchse zu verhindern.

Folge der Gesundheitsreform?

Die Auffassung ist sicherlich richtig. Eine späte Selektion der Embryonen könnte dazu dienen, die Chancen einer Behandlung zu verbessern und dann auch die Mehrlingsraten zu vermindern. Aber fast völlig unabhängig von diesen medizinischen Vorgaben entwickelt sich eine zunehmende Risikobereitschaft seitens der Patienten (aber auch der Ärzte) aufgrund der finanziellen Vorgaben durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz.

Wer bereits die Hälfte der Kosten von 2 oder drei Versuchen einer künstlichen Befruchtung selbst bezahlen musste, ist oft bereits an der Grenze seiner finanziellen Belastbarkeit angelangt. Und wer dann nur noch das Geld für einen Versuch hat, der ist extrem schwer davon zu überzeugen, dass zwei Embryonen völlig ausreichend sind, um schwanger zu werden.

Das belegen auch Zahlen aus den USA. Das Land, in dem Embryonen beliebig lange kultiviert werden dürfen, in dem es den Ärzten jedoch auch frei steht beliebig viele Embryonen zu transferieren und dafür beliebig viel Geld zu verlangen, hat auch die höchsten Mehrlingsraten. Nicht also die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind hier das Problem, sondern die Kosten, welche die Paare in die Mehrlingsschwangerschaft treiben.

Diskussionsgrundlage: Das Belgische Modell

In Belgien konnte die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften durch das so genannte „belgische Rückerstattungsmodell“ deutlich gesenkt werden. Bei dieser Variante werden die ersten beiden IVF-Versuche bei Frauen unter 37 Jahren mit nur einem Embryo unternommen, alle anderen erhalten zwei Embryonen. Dadurch sank die Mehrlingsquote auf zwei bis drei Prozent. Das gesparte Geld, etwa für Intensivbehandlungen Frühgeborener, wird kinderlosen Paaren für die Kinderwunschbehandlung zur Verfügung gestellt und zwar für insgesamt bis zu sechs IVF-Behandlungen.

Sparen am falschen Ende!

Es mag erstaunlich sein, aber diese Regelung ist zumindest im belgischen Gesundheitssystem kostenneutral durchführbar. Warum nicht auch in Deutschland?

Nicht allein das Embryonenschutzgesetz ist schuld am Fetozid und Frühgeburtlichkeit. Es ist vor allem die die Gesundheitsreform!


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. […] Risiken. Ein Problem, welches hier bereits vor einem Jahr unter der Überschrift “Gesetz schützt Embryonen und tötet Feten” aufgegriffen […]

  2. Elmar Breitbach
    hasenohr schreibt

    Über ein paar andere Beiträge bin ich hier gelandet und hab schwer gehofft, ich hätte mich verlesen oder die Überschrift wäre irgendwie "zweideutig".

    Ich fasse es nicht! Es ist tatsächlich möglich, einen Fötus "ins Aus" zu schicken??? Ich bin wirklich geschockt! Ich hab mich ja lange mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigt, aber DAS wußte ich nicht.

    Und mir zeigt das mal wieder, dass die entsprechenden Gesetze von Leuten erhirnt wurden, die keine Anhnung vom Thema haben und es natürlich rein "sachlich" angegangen sind… Ja klar!

  3. […] vor allem die medizinische Versorgung der Patienten. In Anbetracht von mehr als 200 Embryonen, die im Jahre 2004 aufgrund von Mehrlingsschwangerschaften im Mutterleib abgetötet wurden, ist dies keine These für eine akademische Diskussion, sondern eine […]

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