Die LKH will noch mehr wissen


Ich hatte ja kürzlich bereits über die sehr enervierende Art der Informationsbeschaffung berichtet, die von der LKH (eine private Versicherung) seit Neuestem an den Tag gelegt wird.

Umso größer meine Freude, als bereits einen Tag später eine weitere subtile Kostenvermeidungsstrategie aufkam (von der gleichen Versicherung) und wie ich feststellen musste, ist dies auch kein Einzelfall, sondern vermutlich ebenfalls Teil einer Strategie.

In diesen Fällen ging es um Frauen, die Ende dreissig waren oder die Vierzig bereits überschritten hatten. Bei Privaten Versicherungen ist letzeres kein KO-Kriterium wie bei den gesetzlichen Krankenkassen, es ist lediglich notwendig, dass, dass eine ausreichend hohe Erfolgswahrscheinlichkeit gegeben ist. In einem BGH-Urteil werden dazu ganz konkret mindestens 15% Schwangerschaftswahrscheinlichkeit genannt.

In dem konkreten Fall handelte es sich um ein Paar, das nach mehreren hormonellen Stimulationen und Inseminationen vor einigen Jahren ein Kind bekommen hatte. Die Fruchtbarkeit des Mannes wahr damals wiederholt normal befundet worden und der Grund für die Behandlung waren hormonelle Störungen auf Seiten der privat versicherten Frau.

Es wurden jetzt bei erneutem Kinderwunsch wieder aktuelle Befunde der Frau eingereicht, auf die Vorgeschichte verwiesen und eine weitere IVF-Behandlung beantragt. Erst kam lange nichts und dann, als es eigentlich schon lange mit der Behandlung hätte losgehen sollen, kamen die Nachfragen von der Landeskrankenhilfe, die offenbar versucht, sich vor einer erneuten Kostenübernahme zu drücken. Trotz wiederholt nachgewiesenem normalem Spermienbefund des Partners bestand die Versicherung auf eine erneute Untersuchung (Frage: muss diese unsinnige Untersuchung dann von der Kasse des Mannes bezahlt werden?).

Des weiteren wurde ein Untersuchung des AMH gefordert. Dazu ist zu sagen, dass das AMH (Anti-Müller-Hormon) dazu dienen kann, die Aktivität der Eierstöcke einzuschätzen. Diese Untersuchung dient also dem Nachweis einer ausreichenden Funktion der Eierstöcke. Jedoch ist auch zu sagen, dass dieser Wert alleine eine Einschätzung der Reaktion auf eine hormonelle Stimulation nicht ermöglicht und darüber hinaus sind für diesen Wert noch keine Normwerte etabliert, ebensowenig wie die Untersuchung als solche. Man kann den Eindruck gewinnen, dass mit der Forderung nach einer Blutuntersuchung, die gegenwärtig noch experimentellen Charakter hat, versucht wird, das Verfahren zu Kostenübernahme in die Länge zu ziehen.

Neben fraglichen Sinnhaftigkeit dieser Untersuchungen stellt sich auch die Frage, wer diese Werte bei der Versicherung differenziert interpretieren kann.

Wenn diese Entwicklung so weitergeht, dann schlage ich gleich konsequenterweise folgendes Vorgehen vor: Kommt ein Paar in die Praxis und ist einer der Partner privat versichert, dann untersuche ich zunächst erst einmal nichts, sondern überlasse es den Versicherungen, die weiteren diagnostischen Schritte festzulegen. Diese entscheiden dann auch über die Art Therapie und wenn sie schon dabei sind, sollten sie auch gleich festlegen, welche Hormone in welcher Dosierung zu verabreichen sind.

Sind ja alles Spezialisten dort, das wird die Schwangerschaftsraten bestimmt in ungeahnte Höhen treiben…


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Kommentar

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Keine Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Versichannel schreibt

    So ein Unsinn kommt halt raus, wenn die Versicherer ihre Pflichtenhefte abarbeiten. Für Betroffene ist sowas einfach nur nervtötend und erweckt nicht zu unrecht den Eindruck, dass hier Zeit geschindet werden soll.
    Aber es sei angemerkt, dass Versicherungsgesellschaften schon mit dem ein oder anderen Arzt zusammenarbeiten, die auch solche Daten auswerten können. 🙂

  2. Elmar Breitbach
    kekskeks schreibt

    Ja, ist schon ein Hammer, wie manche Versicherungen sich herausnehmen, mit offensichtlich kenntnisfreiem Sachverstand 1. ihre eigenen Kunden zu schikanieren und sich 2. über die Ärzte stellen und Behandlungen anordnen, ablehnen, verzögern – mit welcher Berechtigung eigentlich? Am meisten schockiert mich aber, daß wiederholte und experimentelle Untersuchungen angeordnet werden – wo leben wir hier eigentlich? Nicola

  3. Elmar Breitbach
    sunshinestar81 schreibt

    Wie ist denn die rechtliche Seite? Darf die Versicherung sich Informationen über den "Körperstatus" wie AHM überhaupt anforden? Dann können wir ja bald alle nach unserer DNA Versicherungsbeträge zahlen, wenn das so weiter geht…

  4. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    ich frage mich, ob die Kkassen nicht verpflichtet sind,einen gewissen Bearbeitungszeitraum einzuhalten. Bei Ämtern gibts Fristen (allerdings kann man die mit der krümelmethode auch dehnen – jeden Krümel einzeln einfordern).
    Eventuell könnten Versicherte gleich von anfang an drauf hinweisen, daß sie die Einhaltung einer vernünftigen Frist einfordern (keine ahnung, wie die Frist aussehen sollte, gesetzliche für die Ämter ist 3 oder 4 wochen).

    Immerhin ist die Zeit-dehnungsmethode ja ein angriff auf die Erfolgsmöglichkeiten.