Immer mehr Paare ohne Kinderwunsch


Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden (was es alles gibt…) erforschte im Auftrag des Bundesinnenministeriums die Ursachen und Auswirkungen der demographischen Entwicklung. Die Ergebnisse sind niederschmetternd: In einer früheren Untersuchung im Jahre 1992 wünschten sich nur 9,9% der Frauen und 11,8% der Männer keine Kinder, in der aktuellen Studie sind es 14,6% bzw. 26,3% (Original-Studie im PDF-Format)

Ob diese Zahl sinnvoll ist oder nicht, es wurde auch der statistische Durchschnittswert für die Zahl der gewünschten Kinder ermittelt: Dieser ist von früher 2,0 auf jetzt 1,7 pro Familie gefallen.

Bei Frauen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren – der international üblichen Vergleichsgruppe für den Kinderwunsch – liegt die Zahl der gewünschten Kinder mit 1,74 nur noch wenig über der tatsächlichen Kinderzahl bei den Frauen von 1,4 im Schnitt. Die Bevölkerung würde somit auch dann deutlich schrumpfen, wenn alle Frauen und Männer ihren Kinderwunsch vollständig verwirklichen könnten.

Die Ergebnisse stammen aus der „Population and Policy Acceptance Study“, einer repräsentativen, international vergleichenden Untersuchung, bei der 4000 Frauen und Männer in Deutschland über ihre Einstellungen unter anderem zu Ehe und Familie befragt wurden.

Interesssant ist in diesem Zusammenhang auch der wesentlich ausgeprägtere Anstieg des Anteils an Männern, welche sich explizit keine Kinder wünschen. In einem anderen Artikel dieses Blogs wurde bereits eine Untersuchung des Emnid-Instituts erwähnt, welche im Auftrag der Frauenzeitschrift “Brigitte” durchgeführt wurde.

Demnach glauben 38 Prozent der Männer nicht, dass Kinder glücklich machen, 48 Prozent halten ihre Geschlechtsgenossen auch nicht für egoistisch, wenn sie sich bewusst gegen Kinder entscheiden.

Dazu passt auch die Erkenntnis, dass es die Frauen sind, die den Mann zum Vater machen. Biologisch ohnehin, aber auch die Entscheidungsfindung zur Familie ist Frauensache, wie verschiedene psychologische Studien ergaben:

„Ich kann mir das alles gar nicht so recht vorstellen“, bekam der Psychologe Holger von der Lippe in 200 Interviews mit kinderlosen Männern oft zu hören. Die Entscheidung wird dem Schicksal und der Partnerin überlassen. Bei Männern ohne Kinderwunsch überwogen in der Selbsteinschätzung eher “infantile” Züge wie neugierig, umtriebig, spontan oder „clownisch“.

Bestellmöglichkeit über Amazon.deZu diesem Schluss kommt auch die Buchautorin Meike Dinklage über den „Zeugungsstreik“ der Männer um die 40. Die Journalistin Meike Dinklage, Jahrgang 1965, hat Paare dazu befragt. Dabei fand sie heraus: Viele Frauen verschieben ihren Kinderwunsch nicht wegen der Karriere, sondern weil ihr Partner sich nicht entscheiden kann. In einem Interview mit „Die Welt“ antwortet sie auf die Frage:

Die Welt: Wollen viele der heute 40jährigen Männer so lange wie möglich selbst Kind bleiben?

Dinklage: Sie wollen oft jugendlicher bleiben, ohne es zu können. Sich davon zu verabschieden, Sex auch ohne Verpflichtung zu haben, fällt vielen schwer. Die Generation um die 40 plus ähnelt im Denken den 50jährigen – also den Spätachtundsechzigern, die alles von den Fragen ableiten: Was will ich? Wie fühle ich mich? Wonach ist mir? Irgendwann wissen sie gar nicht mehr richtig, was sie eigentlich sind und wollen.

Das ganze Interview finden Sie hier, das Buch der Autorin können Sie über den Amazon-Link direkt bestellen.

[Nachtrag aufgrund eines Postings im Forum]: Dieser aktuell häufig diskutierten Problematik widmet sich auch Beate Clausnitzer in „Die Zeit„:

Und so erleben wir ein Kind tatsächlich von Anfang an als Kopfgeburt: »Für den Kinderwunsch« braucht es nur sieben Urinteststäbchen, die »schnell und einfach die beiden fruchtbarsten Tage in Ihrem Zyklus« bestimmen. Schnell und einfach kann sich eine Frau die Packung Clearblue mit der Abbildung eines strampelnden Säuglings für 29,95 Euro in den virtuellen Warenkorb klicken. Was als »natürliche Familienplanung« gilt, hat in Form von allerlei Hilfsgeräten, die in jede Handtasche passen, den Alltag erobert. So unauffällig wie sie vorgeben, uns zu begleiten, so nachdrücklich beeinflussen die technischen Spielzeuge unser Leben: »Es muss auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden«, das lassen wir uns am Morgen von einem Minicomputer für den Abend vorschreiben.

Den ganzen Artikel kann man hier nachlesen.

Da es sich hier ja um eine Seite für Paare mit Kinderwunsch handelt, möchte ich abschließend die Hoffnung äußern, dass die Bundesregierung die Problematik erkennt, ernst nimmt und den Paaren, die Kinder möchten die notwendige Unterstützung zukommen lässt. Versprochen hat der Kanzler uns das ja bereits


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1 Kommentar
  1. Kinderwunsch

    Deutschland ohne Kinder

    Whrend 15% aller Paare im Alter zwischen 20 und 40 Jahren einen unerfllten Kinderwunsch haben, geht die gesellschaftliche Bewegung in die andere Richtung, wie das Bundesinstitut fr Bevlkerungsforschung in Wiesbaden mitteilte