Grenzenloser Kinderwunsch

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Dem Kinderwunsch und den Möglichkeiten zu seiner Erfüllung werden immer weniger Grenzen gesetzt. Dies gilt vor allem für das Alter der Frau, wenn man sieht, dass auch siebzigjährigen Frauen noch zu einem Kind verholfen wird.

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der IVF schreibt Peter Singer, Professor für Bioethik an der Universität Princeton, in der „WELT“ über die Entwicklung der IVF und ihrer Akzeptanz in der Gesellschaft.

Die Geburt eines „Retorten“-Babys, wie man die In-vitro-Fertilisation (IVF) in den Schlagzeilen nannte, war damals höchst umstritten. Von Wissenschaftsseite argumentierte man, das Risiko, bei einer IVF ein Baby mit Gesundheitsschäden zu produzieren, wäre zu hoch, um eine derartige Intervention jemals zu rechtfertigen. Auch manche religiösen Führer verurteilten den Einsatz moderner wissenschaftlicher Technologien als Alternative zum Geschlechtsakt, selbst wenn dieser nicht zu einer Empfängnis führen konnte.

Wir wissen mittlerweile, dass das Risiko für Fehlbildungen bei den Kindern nicht erhöht sind und auch die Akzeptanz in der Gesellschaft ist besser geworden. Das ist natürlich nur relativ zu sehen, denn immer noch mag niemand sein 20.000$ Baby, wie Daniel Nester sich beklagte.

Bei der katholischen Kirche hat sich jedoch nichts gerührt, so meint auch Singer und weist auf die hier bereits diskutierte Enzyklika „Dignitas personae“ hin. Interessant finde ich einen Aspekt seiner Kritik an der Enzyklika:

In „Dignitas Personae“ heißt es, dass jedes neue Leben „durch einen Akt“ gezeugt werden soll, „der die gegenseitige Liebe von Mann und Frau zum Ausdruck bringt“.

Wenn die Kirche damit allerdings den Geschlechtsakt meint, hat sie mit Sicherheit ein unangemessen verengtes Bild dessen, welche Akte die gegenseitige Liebe von Mann und Frau zum Ausdruck bringen können. Die verschiedenen beschwerlichen und manchmal unangenehmen Prozeduren auf sich zu nehmen, die nötig sind, um durch IVF ein Kind zu empfangen, können das Ergebnis eines viel bewussteren, von gegenseitiger Liebe geprägten Aktes sein als der Sexualakt.

Das sehe ich auch so. Hier der gesamte Artikel


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Der Artikel rührt mich durchaus an. Stimmt aber auch, diese Zeit muß ein Paar erst einmal überstehen. Das klappt wohl wirklich gut nur dann, wenn tiefe gegenseitige Liebe besteht. Denn letztlich muß der Partner wohl (geliebt) genug sein, mit dem man dieses Wagnis eingeht und auch die bitteren Seiten durchsteht, vielleicht sogar erfolglos bleibt.

    Zu den verschiedenen Ausdrucksformen von Liebe empfehle ich ja gerne ein Buch, in dem es um die verschiedenen Sprachen der Liebe geht (dürfte ich den genauen Titel denn hier nennen?), übrigens durchaus religiös geprägt.

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Sehr schoen ausgedrueckt. Danke an Peter Singer!

    Ich kann Gleiches auch nur bestaetigen. Und ich glaube, morgen werden hier noch mehr Bestaetigungen stehen.

  3. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ..liest peter singer heimlich hier im blog mit..? 😉

    "In “Dignitas Personae” heißt es, dass jedes neue Leben “durch einen Akt” gezeugt werden soll, “der die gegenseitige Liebe von Mann und Frau zum Ausdruck bringt”."

    dazu sei gesagt, dass die röm.-kath. kirche immer noch diesen begriff von "liebe" verwendet, fein unterteilt und gegliedet 😉 … und so realitätsnah 🙂 :

    Die abendländische Auffassung von Liebe wird von der Dreiteilung Platons geprägt, die in der antiken Philosophie später ausgebaut wurde. Sie basiert auf den folgenden Konzepten:

    * Éros – Bezeichnet die sinnlich-erotische Liebe, das Begehren des geliebten Objekts, der Wunsch nach Geliebt-Werden, die Leidenschaft
    * Philía – Bezeichnet die Freundesliebe, Liebe auf Gegenseitigkeit, die gegenseitige Anerkennung und das gegenseitige Verstehen
    * Agapé – Bezeichnet die selbstlose und fördernde Liebe, auch die Nächsten- und „Feindesliebe“, die das Wohl des Anderen im Blick hat

    Die genauen Bedeutungen und Schwerpunkte der Begriffe haben sich im Laufe der Zeit verändert, so dass – im Gegensatz zum ursprünglich Gemeinten – unter „platonischer Liebe“ heute ein rein seelisch-geistiges Prinzip ohne körperliche Beteiligung und Besitzwunsch verstanden wird, dem das leiblich-erotische Modell von geschlechtlicher Liebe schroff gegenübergestellt wird. (quelle: "wikipedia")

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @reaba:

    …liest peter singer heimlich hier im blog mit..?

    Das könnte man vermuten. Ziemlich deckungsgleich 😉