Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?


Fragt Edgar Dahl anläßlich der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, die Präimplantationsdiagnostik in Deutschland nicht unter Strafe zu stellen, auf Wissenslogs.de.

Wie auch in unserem Blog sind die problematischen Diskussionsteilnehmer schnell ausgemacht: Kirchenfunktionäre und die Funktionäre christlicher Parteien. Und als Ursache für die windschiefe Diskussion sind aus seiner Sicht weniger diese Einzelpersonen, sondern die mangelnde Trennung zwischen Kirche und Staat in Deutschland. Ein Aspekt der in den Diskussionen dieses Blogs ja auch bereits verschiedentlich als ursächlich für viele Probleme speziell der gesetzlichen Regelungen in der Reproduktionsmedizin angesehen wurde und wird.

Aus einer säkularen Perspektive gibt es nicht den geringsten Anlass für die Annahme, dass eine befruchtete Eizelle bereits mit einem moralisch und juridisch zu schützenden Recht auf Leben zur Welt kommt.

[…]

Und ist es nicht besser, genetisch defekte Embryonen bereits vor einer Schwangerschaft auszusortieren als sie nach einer bereits Monate vorangeschrittenen Schwangerschaft abzutreiben?

Selbst Gegner der Präimplantationsdiagnostik bejahen diese Frage in aller Regel. Dennoch verweisen sie darauf, dass es „kein Recht auf ein gesundes Kind“ gebe. Damit haben sie zweifellos recht. Es gibt nicht nur kein Recht auf ein gesundes Kind, es gibt noch nicht einmal ein Recht auf ein eigenes Kind! Wie sollte ein solches Recht auch aussehen? Woher sollten beispielsweise die Kinder kommen, auf die unfruchtbare Paare ein Recht zu haben meinen?

Der letzte hier zitierte Satz jedoch beruht auf einem Nichtverstehen, welches möglicherweise der Lust zu provozieren geschuldet ist. Kinderwunschpaare sind durch ihre oft lange Leidenszeit zu desillusioniert und realistisch, um das „Recht auf ein Kind“ einzufordern. Den Paaren geht es lediglich um die größtmögliche Chance, ein Kind zu bekommen. Es geht um das „Recht auf die Chance für ein Kind“. Aber selbst dies muss hierzulande vehement eingefordert werden.


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Kommentar

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21 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    remis schreibt

    Aber so lieber Herr Breitbach reißen sie leider den Absatz aus dem Zusammenhang, denn Herr Dahl führt ja bereits im nächsten Absatz weiter aus…

    "Auch wenn Paare kein Recht auf ein gesundes Kind haben, haben sie doch unbestreitbar das Recht, reproduktionsmedizinische Technologien in Anspruch zu nehmen, die ihnen zu einem gesunden Kind verhelfen können. […]"

    Klar hat niemand Anspruch auf ein eigens Kind, aber durchaus den Anspruch auf medizinische Unterstützung dieses Ziel zu erreichen und das negiert Herr Dahl doch gar nicht.

  2. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    1. danke remis 🙂 für die erweiterung des zitats

    2. offenbar ausschließlich in D ist eine trennung von staat und kirche auf DIESEM sektor (repromed) nicht möglich. staaten, in denen ansonsten sehr viel mehr aufhebens um glauben gemacht wird – sprich, wo wesentlich mehr sog. gläubige wohnen, haben diese probleme nicht. hm. man kann in der türkei alles mögliche machen, um kindern leben zu schenken und paaren kinder. in spanien, sowas von katholisch… kann man pid machen o. ä., ezs? kein problem! ETHISCH ist in diesen ländern, dass paaren ein kind "geschenkt" wird, oder wenigstens die möglichkeit dazu. familie ist dort MIT KIND, und nicht, wie bei uns, ein single in seiner stammkneipe mit seiner familie, sprich: den mittrinkern.

    man möchte in deutschland oft brechen… öfter, als man essen kann…

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich sehe das nicht aus dem Zusammenhang gerissen, aber ich habe manchmal den Eindruck, dass ich tatsächlich empfindlicher bin als meine Patienten oder selbst betroffene Mitstreiter hier auf diesen Seiten.

    "Woher sollten beispielsweise die Kinder kommen, auf die unfruchtbare Paare ein Recht zu haben meinen?" impliziert, dass diese Forderung gestellt wird. Und das wird sie nicht.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Doc: Edgar Dahl sieht immer alles vom philosophischen Standpunkt und da ist es tatsächlich so, wie er es schreibt. Angenommen, es gäbe dieses Recht, es wären aber nicht ausreichend Kinder zur Adoption da (ist ja auch so) und trotz der medizinischen Maßnahmen stellen sich auch nicht ausreichend Kinder ein (ist ebenfalls so) – was wäre dann ein solches Recht wert?

    Auch das Recht auf satt zu essen kann es übrigens nur dann geben, wenn – globaler betrachtet – genug zu essen da ist. Wobei selbstverständlich wenigstens das Recht sa sein sollte, satt zu essen zu beschaffen. Und genauso ist es auch mit allen anderen Grundrechten.

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich wollte natürlich das Kind nicht in jeder Hinsicht mit "essen" vergleichen. Bei Kindern, die zur Adoption stehen, halte ich es für außerordentlich wichtig, dass man Eltern für dieses Kind sucht und nicht Kinder für Wunscheltern. Das Recht des Kindes hat Vorrang.

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Das kann man drehen, wie man will, von mir aus auch philosophisch. Paare mit unerfülltem Kinderwunsch fordern nicht das Recht auf ein Kind ein. Lediglich das Recht auf angemessene Behandlung. In dem Kontext des Artikels geht es auch nicht um Adoption, weder direkt noch indirekt, das ist eine völlig andere Baustelle.

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Adoption ist auch nur etwas, was man indirekt herausliest, wenn es um das so formulierte Thema "Recht auf ein Kind" geht. Daher habe ich sie hier angeführt. Treffender müsste es schon heißen: "Recht auf Fortpflanzung". Das würde dann die Adoption ausschließen. Aber auch das Recht auf Fortpflanzung kann es nicht geben, wenn sie selbst mit besten technischen Methoden nicht immer zu bewältigen ist.

    Dass Paare mit unerfülltem Kinderwunsch nicht ein Recht auf ein Kind einfordern, sondern ein Recht auf eine angemessene Behandlung, wird von Edgar Dahl auch in diesem Beitrag nicht abgestritten, sondern ausdrücklich auch so gesehen. Da aber der Slogan "Es gibt kein Recht auf ein Kind" penetrant als politische Arumentation benutzt wird, ist es unerlässlich, philosophische Beiträge zu schreiben, die sich mit dieser Frage befassen.

  8. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Wie sinnvoll es dann ist, diesen unsäglichen Slogan der politischen Diskussion "Es gibt kein Recht auf ein Kind" unreflektiert zu zitieren und erst im nächsten Absatz aus meiner Sicht unzureichend abzuschwächen, mag jeder für sich entscheiden.

  9. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ich finde es noch wichtig, darauf hinzuweisen, dass der ideologische gegenwind nicht nur aus religiöser richtung kommt, sondern es durchaus nicht religiös motivierte gesellschaftliche strömungen gibt, die reproduktionsmedizin im weitesten sinne ablehnen oder deren "produkte" in frage stellen – eigentlich fast alle "grün" (-> nicht explizit oder ausschließlich im sinne von Bündnis90/Die Grünen zu verstehen) oder feministisch orientierten. die erstgenannten sehen es als "eingriff in die natur" (wahrscheinlich im sinne von genmais .. :-)), die anderen als "hinderung der selbstverwirklichung" die in-oder subfertilität bewußt in kauf nehmend.
    ich weise darauf in, weil ich diese ideologische orientierung gegen reproduktionsmedin jenseits religiös motivierter gründe in anbetracht sinkender mitgliederzahlen der etablierten kirchen für immer relevanter halte. nicht zuletzt auch, weil – folgt man der sonntagsfrage – das milieu für die andere motivation der ablehnung, stetig zu wachsen scheint.

    dr. dahls aussage, isoliert und für sich betrachtet, ist nicht besonders durchdacht formuliert – da scheint für mich auch der "fehler" zu liegen, weniger in seiner tatsächlichen intention.

  10. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    @EB:

    da könnte man sich aber auch schon fast wieder über die notwendigkeit von fragezeichen in überschriften auslassen .. 😉

    wer nicht alles liest und den zusammenhang versteht hat verloren.

  11. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Stimmt: "Wertkonservative" und "Frauenbewegte" im Sinne von Reprokult sind nicht weniger dogmatisch als kirchliche Kreise.

    Ich gehe davon aus, dass man – wenn man den Artikel hier liest – auch dem Link folgt, denn der (übrigens ansonsten sehr gute und empfehlenswerte – ich will ja nicht nur meckern) Artikel von Dahl wird ja hier nur kurz angerissen.

  12. Elmar Breitbach
    Ruth75 schreibt

    @Dr. Breitbach: Vielen lieben Dank erstmal für diesen Kommentar und den Hinweis auf den Artikel!

    Da das Thema auch meinen Mann und mich betrifft, finde ich die Frage sehr interessant: Recht auf die Chance auf ein Kind.
    Wir wollten das Recht auf eine angemessene Behandlung (Vererbung von Mukoviszidose mit 25%-iger Wahrscheinlichkeit). Die Behandlung wurde uns allerdings durch eine repro-medizinische Stelle (Uniklinik Regensburg) verweigert! Kann man das Recht also einfordern? Bei wem?
    Es gibt also nicht nur religiös, ethisch oder feministisch motivierte Kritiker; sondern auch in den "eigenen Reihen" der Repro-Medizin scheint es Mediziner zu geben, die einen dazu "nötigen" wollen, lieber ein Kind abzutreiben – in einem Stadium, in dem es durchaus schon (überlebens-)fähig ist (s. Tim aus Deutschland).

    Ich plädiere für das Recht auf die Chance auf ein Kind und das Recht auf angemessene Behandlung!

  13. Elmar Breitbach
    remis schreibt

    ich habe Herrn Dahl einfach mal um Klarstellung gebeten…

  14. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Ruth: Bis zum 6. Juli 2010 interpretierte man in Deutschland die Gesetzeslage tatsächlich so, dass PID verboten sei. Ist ja noch nicht lange her. Daher hat sich das auch wohl kein Arzt außer Dr. Bloechle, der sich wegen der PID selbst angezeigt hat, getraut, die PID durchzuführen. Auf der Seite der Ärzte hatte das also nichts mit ihrer persönlichen Haltung zur PID zu tun.

    Erst jetzt werden hoffentlich auch einige deutsche Kinderwunschkliniken die PID durchführen. Dazu muss man sich gewiss erstmal positionieren und fortbilden.

  15. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Bezüglich der Notwendigkeit von Fragezechen in Überschriften: Ich hatte inzwischen auch den Gedanken, Edgar Dahl hat hier die gleiche Methode der Erregung von Aufmerksamkeit genutzt, wie Doc Breitbach: Man nehme ein beliebtes Vorurteil, schreibe es in die Überschrift und widerlege dieses im Text. 🙂

  16. Elmar Breitbach
    Ruth75 schreibt

    @rebella: Lieben Dank, aber das weiß ich.

    Unsere gewünschte Behandlung sollte ja auch gar nicht die PID, sondern eine ICSI mit molekulargenetischer PKD sein (die war auch vorher schon und ist immer noch in Dtl. erlaubt – und die Uniklinik Regensburg ist für uns die einzige Adresse in Dtl., die bei unserem Gendefekt helfen könnte)!!! Trotzdem haben die unsere Behandlung verweigert! Unfassbar für uns – und deswegen mein Beitrag oben.

    Natürlich hätte ich nichts gegen die PID einzuwenden. Wir haben sogar per e-mail Kontak mit Dr. Bloechle aufgenommen. Er hat auch schon geantwortet, prüft allerdings noch, ob er uns bei unserem Gendefekt helfen kann. Hat dazu noch geschrieben, dass er das wahrscheinlich nur bei einem relativ häufigen Defekt kann (unser ist allerdings leider sehr selten). Aber trotzdem ein toller Arzt!

  17. Elmar Breitbach
    Ruth75 schreibt

    Ergänzung @rebella: Wie Du also siehst, die Ärzte haben sich geweigert, eine erlaubte Behandlungsmethode anzuwenden. Mit der Begründung, unser Gendefek sei zu selten.

    Nach Meinung unserer Genetikerin in Düsseldorf und Einholung einer 2. Meinung eines Genetik-Profs der Uni Hannover (spezialisiert auf Mukoviszidose) ist für unsere Form der Mutation allerdings eine ICSI mit molekulargenetischer PKD zu empfehlen.

    Aber was macht man, wenn einem die verweigert wird?

  18. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo ruth,

    wie du euren fall schilderst, scheint der grund der ablehnung aber nicht ethisch oder sonstwie moralisch begründet zu sein ,sondern die regensburger klinik tut sich wahrscheinlich schwer, weil die untersuchungskriterien selten sind und ggfs dadurch ein erhöhter finanzieller aufwand bei den untersuchungen entstehen könnte.

    ich würde den genauen grund für die ablehnung schriftlich erfragen.wenn in der begründung "unverhältnismäßige kosten" vorkommt, dann ist es an euch oder ggfs eurer krankenkasse, die behandlung trotzdem durchführen zu lasen – dann aber wohl unter anderen finaziellen aspekten.

    PKD ist wohl eine standarduntersuchung in den meisten guten (privaten) kiwukliniken, allerdings werden nur gewisse genetische auffälligkeiten gescreent, wahrscheinlich eure nicht.

    wenn ihr in deutschland keine hilfe findet, dann würde ich mich ins benachbarte europäische ausland wenden. die uniklinik in leuven fällt mir spontan als gute adresse ein, aber es gibt sicherlich auch noch andere "anbieter".

    alles gute und die besten wünsche für die realisierung eures kinderwunsches!

    LG reaba

  19. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Das sehe ich genau so, wie Reaba. Keine moralischen Motive, sondern anders gelagerte. Denkbar wäre doch auch, dass man eben mit diesem seltenen Gendefekt keine Erfahrungen hat und nicht stümpern will.

    Ich würde mir das auch schriftlich begründen lassen.

    Da wünsche ich euch mal, dass ihr doch noch Hilfe findet, Ruth!

  20. Elmar Breitbach
    Ruth75 schreibt

    @reaba: Lieben Dank für deine guten Wünsche!

    Nein, ethisch und moralisch sind die Beweggründe der Regensburger sicherlich nicht. Mein Kommentar sollte halt nur verdeutlichen, dass es daneben noch weitere "Stolpersteine" für Patienten gibt.

    Die Regensburger haben es ansatzweise schon begründet. Unsere Genetikerin aus Ddorf schreibt nämlich in ihrem Brief, dass die Regensburger argumentieren, da der Gendefekt meines Mannes sehr selten vorkommt (er ist gebürtiger Afghane, gehört also einer anderen ethnischen Gruppe an) – gerade in Deutschland, und dort auch nicht in Verbindung mit Mukoviszidose. Daher sehen die Regensburger zwischen dem Gendefekt meines Mannes und einer Mukoviszidose-Erkrankung auch keinen Zusammenhang.

    Aber der Genetik-Prof. aus Hannover, welcher ja Spezialist für Mukoviszidose-Erkrankungen ist, hat eine ebenfalls in Afghanistan geborene Patienten, die genau den gleichen Gendefekt wie mein Männe hat, und zudem an Mukoviszidose erkrankt ist! Sprich: die stellen da sehr wohl einen Zusammenhang fest.

    Regensburg ist kurz gesagt also der Meinung, dass der Gendefekt nicht zwingend zu einer Mukoviszidose-Erkrankung führt. Das ist "alles". Diese Einschätzung beruhigt uns allerdings nicht, da wir ja zwei gegenteilige Einschätzungen von Genetikern erhalten haben.

    Ja, wir werden evtl. auch ins Ausland gehen, denn das Risiko einer Abtreibung in einer fortgeschrittenen Schwangerschaft will ich eigentlich nicht verantworten.

    Leuven? Ok, dann muss ich mich da mal schlau machen. Liegt ja auch in Belgien.
    Wir hatten nämlich an Brüssel gedacht.
    Mal sehen, wir müssen noch viel recherchieren, glaub ich!

    Liebe Grüße, Ruth

  21. Elmar Breitbach
    Ruth75 schreibt

    @rebella: Lieben Dank für deine guten Wünsche!

    Als Kommentar auf deinen Beitrag, les bitte, falls Du interessiert bist, die Antwort an reaba durch.
    Ansonsten müsste ich mich hier nochmal wiederholen;-).

    Alles Gute und lg, Ruth