Geschlechtswahl und „Baby Business“


In den USA werden die Methoden der künstlichen Befruchtung gegenwärtig heftig diskutiert. Gegenstand dieser Diskussion ist speziell ein neues Verfahren zur Geschlechtsauswahl, welches die bisher notwendige Präimplantationsdiagnostik (genetische Untersuchung von Embryonen im Rahmen einer *ivf*) ersetzen kann.

Die neue Technik, die von der „Food and Drug Administration“ (FDA) derzeit geprüft wird, hat moralische, legale und soziale Fragen aufgeworfen, die auch den Bioethik-Rat des Präsidenten beschäftigt. Es wird befürchtet, dass eine erleichterte Geschlechterselektion das „natürliche Geschlechtergleichgewicht“ stören, sowie Geschlechterstereotype und Diskriminierung von Frauen fördern könnte.

so berichtet „Die Standard“ in ihrer online-Ausgabe.

Eine aktuelle Studie bestätigt den bestehenden Bedarf. Für diese Studie wurden insgesamt 1500 Frauen im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung befragt, ob sie das Geschlecht ihres Kindes bestimmen würden, wenn dieses technisch möglich wäre. 40,8% der Antwortenden sprachen sich dafür aus, das Gedchlecht ihres nächsten Kindes bestimmen zu wollen. Davon hatten 45,9% keine lebenden Kinder und 48,4% Kinder eines Geschlechts („Family balancing“ ist hier das Stichwort).

Mädchen wurden in dieser Studie vor allem von älteren, nicht religiösen Frauen, häufig schon mit vorhandenen Kindern männlichen Geschlechts bevorzugt. Auch männliche Unfruchtbarkeit als Behandlungsgrund führte häufiger zu dem Wunsch, ein Mädchen zu bekommen. Frauen ohne Kinder bevorzugten kein Geschlecht signifikant, jedoch war die Verteilung mit 39 Prozent zu 19 Prozent zugunsten der Knaben verschoben. Nachvollziehbarerweise (?) wünschten sich die Frauen mit eigenen Töchtern als nächstes Kind einen Sohn.

Diese Frauen waren aufgrund der Tatsache, dass sie sich in einer Kinderwunschbehandlung befanden, der Reproduktionsmedizin gegenüber aufgeschlossen. Vor diesem Hintergrund ist das folgende Ergebnis zu interpretieren: 55,0% würden eine Trennung der Spermien als Methode akzeptieren, 41,0% die Präimplantationsdiagnostik, und 4% keines der beiden Verfahren.

Eine Untersuchung in Deutschland ergab ein anderes Bild, hierzulande scheint ein solcher Bedarf nicht zu bestehen.

Professor Debora Spar von der „Harvard Business School“ fordert, dass der Markt stärker reguliert wird. Ohne nationale oder internationale Regulierungsmaßnahmen sowie mehr Informationen über Kosten und Risiken für unfruchtbare Paare würde die Invitro-Fertilisation bald zu einem „Luxusmarkt“ avancieren: „Reiche Kinderlose können sich dann fortpflanzen, während Ärmere zahlreicher Optionen beschnitten werden“, kritisierte die Ökonomin.

Die Autorin des Buches „The Baby Business: How Money, Science, and Politics Drive the Commerce of Conception“ hofft, einen Bewusstseinsprozess in Gang zu setzen: Weder die unfruchtbaren Paare noch die Mediziner würden nämlich anerkennen, dass ihre Beziehung eine kommerzielle sei. In den USA variiert der Preis für eine Eispende zwischen 4.000 und 50.000 Dollar, konkretisiert Spar diese Aussage. Von der Politik verlangt die Wissenschafterin, dass sie entscheidet, ob Unfruchtbarkeit ein medizinisches Problem darstellt, das behandelt werden soll.

Jain T, Missmer SA, Gupta RS, Hornstein MD
Preimplantation sex selection demand and preferences in an infertility population
Fertil Steril. 2005 Mar;83(3):649-58.

und „Die Standard: USA: „Baby Business“ unter Beschuss“


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1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    cuba schreibt

    Hallo !
    Meine Meinung…..mir wäre es echt Sch—egal ob Junge oder Mädchen 😉
    Und ich persönlich finde es auch nicht unbedingt OK so eine "Vorauswahl" zu treffen.Gruß Cuba