Für das Leben, aber gegen die IVF

Zehntausende Franzosen demonstrieren gegen Schwangerschaftsabbruch und künstliche Befruchtung


Wer für das Leben marschiert, wie die Teilnehmer des „Marche Pour La Vie“, auf Deutsch Marsch für das Leben, muss schon eine besondere dialektische Gabe besitzen, um sich neben dem Protest gegen Abtreibungen gleichzeitig auch gegen die künstliche Befruchtung zu wenden. Denn noch mehr dem Leben gewidmet ist kein Zweig der Medizin. Aber die katholische Kirche lehnt es ab und das dürfte dann auch der Grund für die Proteste sein

Euronews berichtet, dass
Tausende Franzosen am Wochenende in Paris gegen Abtreibung und medizinisch unterstützte Fortpflanzung demonstriert haben. Die Demonstration findet jedes Jahr in der französischen Hauptstadt statt, zeitgleich mit dem Jahrestag eines Gesetzes aus dem Jahr 1975, das die Abtreibung in Frankreich legalisierte.

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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    rebella67 schreibt

    Ja, leider gibt es diese Demonstrationen ja auch in Deutschland. Und sie kommen immer aus der konservativen Ecke, fast durchgängig von Kirchenanhängern. …

    In vergangenen Jahrhunderten galt die Menschwerdung christlicherseits erst ab dem 40. Tag nach der Befruchtung für Jungen und ab dem 80. Tag nach der Befruchtung für Mädchen. 1869 erließ Pius IX. ein generelles Abbruchverbot und stellte fest, dass das Kind seine Seele bereits zum Zeitpunkt der Zeugung empfängt. Die Änderung im Kirchenrecht erfolgte aufgrund der "Unbefleckten Empfängnis Mariens", die Pius IX. 1854 zum Dogma erklärt hatte. Er stützte sich dabei auf den Leibarzt des Papstes Innozenz X., Paul Zacchias, der schon 1661 sagte, die vernunftbegabte Seele (anima rationalis) werde dem Menschen im Augenblick der Empfängnis eingegossen, denn sonst würde ja das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens eine vernunftlose Materie feiern. Das aber sei der allerseligsten Jungfrau "unangemessen". ,
    Das II. Vatikanische Konzil der katholischen Kirche formulierte das dann so: „Gott, der Herr des Lebens, hat nämlich den Menschen die hohe Aufgabe der Erhaltung des Lebens übertragen, die auf eine menschenwürdige Weise erfüllt werden muss. Das Leben ist daher von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu schützen. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen.“
    Damit hatte man den Eintritt der Geistseele auf den Moment der Befruchtung vorverlagert. Bereits die befruchtete menschliche Eizelle wird nun konsequenterweise als „Person“ definiert. Vorverlagert hat man damit auch die Betreibung der christlichen Dogmatik, nach der ein vorgeburtlicher Mensch nicht abgetrieben werden darf bzw. nun nach Befruchtung außerhalb des Mutterleibes geradezu einen Anspruch hat, in diesen wieder übertragen zu werden.

    Nach offizieller Ansicht der beiden großen Kirchen also besteht eine unumstößliche Menschenwürde ab dem Moment der begonnenen Befruchtung, weil die Vertreter dieser Lehre meinen, bereits während der Befruchtung würde die Geistseele in den Körper einziehen und weil sie meinen, der Mensch wäre das Ebenbild ihres Gottes. Für Christen ist insbesondere die Rettung der ungetauften menschlichen Seele wichtig, da sie nach ihrer Lehre sonst aufgrund der Erbsünde in die Hölle kommt. Für ungetaufte verstorbene Embryonen und Babys gab es in den vergangenen Jahrhunderten nach offizieller Kirchenmeinung eine Vorhölle. Diese jedoch wurde vor einigen Jahren durch den Papst abgeschafft, so dass es eigentlich nicht mehr nötig wäre, ungetaufte Seelen von Embryonen und Babys zu „retten“.

    Quellen:
    Ranke-Heinemann, Uta: Eunuchen für das Himmelreich – Katholische Kirche und Sexualität, Heyne-Verlag, München 2004
    Ranke-Heinemann, Uta: "Nein und Amen – Mein Abschied vom traditionellen Christentum", Heyne-Verlag, München 2004
    Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute (lat. Titel: Gaudium et Spes), II. Vatikanische Konzil
    Kreß, Hartmut (2005): Sicht protestantischer Ethik. In: Fuat S. Oduncu/ Katrin Platzer/ Wolfram Henn (Hg.), Der Zugriff auf den Embryo. Ethische, rechtliche und kulturvergleichende Aspekte der Reproduktionsmedizin, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S: 77

  2. Elmar Breitbach
    Claru schreibt

    Mich erschreckt es immer wieder, wie stark die fundamentalistischen und erzkonservativen Organisationen gerade am "zurückschlagen" sind.
    Und ich finde es immer wieder erstaunlich wie wenig Empathie solche vermeindlichen "Christen" oder andere religiöse Fanatiker sind, wenn es um die Gefühle von Frauen und Familien geht. Sowohl was künstliche Befruchtung als auch was Abtreibung angeht.
    Wenn man sich mal ansieht, was Frauen (oder Paare) durchmachen, die ohne Hilfe keine Kinder bekommen können, oder was Frauen mit einer ungewollten Schwangerschaft, oder auch mit einer gewollten, aber nicht viablen/gesunden Schwangerschaft durchmachen, dann sollte man doch wohl etwas Mitgefühl und Empathie erwarten können.

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich verstehe, was Sie meinen. Aber "gerade am zurückschlagen" trifft zumindest nicht für die katholische Kirche zu. Die macht das schon eine ganze Weile. Selbst an der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert arbeitet sich die katholische Kirche noch ab …