Zentralrat der Muslime äußert sich zur PID


Bei der ganzen Diskussion über die Präimplantationsdiagnostik, über deren Zulassung der Bundestag demnächst abstimmen wird, stehen vor allem die Stellungnahmen der christlichen Kirchen im Vordergrund, die ihren Einfluss auch auf die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats ausübten.

„Auch der Islam gehört zu Deutschland“ sagte unser Bundespräsident. Und wie stehen die Muslime zur PID? Der Zentralrat der Muslime äußerte sich dazu in der vergangen Woche; hier nachzulesen. Die Stellungnahme ähnelt der, die Teile des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) befürworten: Eine Zulassung unter strenger Reglementierung.

Dennoch besteht ein Unterschied: Der Zentralrat der Muslime vertritt einhellig die Auffassung, dass die PID in engen Grenzen zugelassen werden sollte und zeigt damit die liberalste Haltung der großen Religionsgemeinschaften in Deutschland zur genetischen Untersuchung von Embryonen.


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Houaida Taraji schreibt

    Interview mit der ZMD-Frauenbeauftragten im Domradio zum Thema Präimplantationsdiagnostik aus islam.Sicht

  2. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Eine Freundin von mir ist Deutsche und zum Islam konvertiert. Wir beraten beide per Telefon zu medizinischen Themen – und ich hatte mal eine Muslima, die nicht wusste, wie der Islam generell zur künstlichen Befruchtung steht. Ich wusste es damals auch nicht und war erstaunt, wie vergleichsweise liberal meine Freundin mir das erklärte, obwohl sie in einer recht strengen Abteilung des Islam ihre Heimat gefunden hat. Tja, so kann’s sein…

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    In Bilgin, Yasar (2005): Menschwerdung im Islam. Artikel in: "Der Zugriff auf den Embryo. Ethische, rechtliche und kulturvergleichende Aspekte der Reproduktionsmedizin" findet man zur Einstellung zur Reproduktionsmedizin im Islam Ähnliches. Der Folgende Text ist eine Zusammenfassung dessen, was in der o.g. Quelle geschrieben steht:

    Im Islam ist es so, dass man glaubt, die Seele durchläuft verschiedene Entwicklungsstufen. Sobald die Organanlagen beim Embryo vorhanden sind, gilt die Seele als ausgebildet. Daneben glaubt man an eine vorgeburtliche Existenz der Seele, sowie auch an eine Existenz der Seele nach dem Tod. Erst durch die Entwicklung der Seele im Menschen aber entsteht das „Mensch-Sein“ und damit die Menschenwürde. Der Anspruch auf Menschenwürde erhebt sich im Islam daraus, dass der Mensch für seine Taten verantwortlich ist. Danach ist der frühe Embryo nicht in dem Maße schützenswert, dass man nicht ein Verwerfen, eine Diagnostik mit dem Ziel der Selektion oder Forschung am frühen Embryo akzeptieren könnte. Im Islam ist man dazu verpflichtet, nach den Ursachen einer Krankheit zu forschen und eine Therapie zu finden. Unter der Voraussetzung, dass die Stammzellforschung der Förderung des Gesundheitszustandes von Menschen und der Heilung anderweitig nicht therapierbarer Krankheiten dient, ist sie sogar förderungswürdig. Zwar respektiert man auch eine Würde überzähliger Embryonen. Da diese aber ansonsten zerstört werden, ist ihre Verwendung für die Forschung zulässig.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ebenso wird auch im Judentum die PID nicht verboten. Man vertritt dort sogar eine noch etwas liberalere Auffassung. Im Judentum beginnt der Schutz des Embryos erst mit der Nidation.

    Mir ist bisher auch keine andere Religion bekannt, die die PID verbietet. Eben nur die christlichen Kirchen und ein Teil ihrer Anhänger. Wirklich kein Grund, dies dem ganzen Volk überzustülpen.

    Im Übrigen danke ich dem Zentralrat der Muslime, dass er sich zu dem Thema geäußert hat.