Reproduktions-Theater

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Carl Djerassi arbeitet an der Trennung von Sex und Fortpflanzung. Als „Vater der Antibabypille“ läutete er in den 60er Jahren die sexuelle Revolution ein. Heute greift er als Schriftsteller die ethischen Probleme und die neuen Tabus der modernen Reproduktionsmedizin auf.

In seinem Theaterstück „Tabus“ stellt er die technischen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin im Dialog zwischen der unfruchtbaren Priscilla, ihrem Mann Cameron und anderen Protagonisten dar.

PRISCILLA: Ein bisschen was wüsste ich natürlich schon gern über sie: ihr Alter … Gesundheitszustand … Familienverhältnisse … (Zögert.) Und natürlich die Religion.

CAMERON: Religion ist nichts Genetisches. Es geht bloß um ein Ei.

PRISCILLA: Trotzdem … Mir wäre halt lieber, wenn es ein christliches Ei wäre. Aber ich würde die Spenderin nicht kennen lernen wollen … oder ein Foto von ihr sehen wollen. Wahrscheinlich ist es so ähnlich wie bei einer Samenbank. Da bekommt man jede Menge Informationen … genetischer Hintergrund, Hautfarbe, Ausbildung … sogar die Hobbys und die Lieblingschriftsteller … solche Sachen halt … aber kein Foto und keinen Namen.

CAMERON (erstaunt): Prissy! Du bist doch nicht womöglich zu einer Samenbank gegangen, oder?

PRISCILLA: Ich bin nicht zu einer Samenbank gegangen. Ich hab mir ein paar angeschaut … im Internet. Du würdest dich wundern, was du da alles findest. Mehr Informationen über einen anonymen Samenspender, als ich von meinem eigenen Mann weiß.

Im Laufe des Stücks verliert man so ein wenig den Überblick über die Entstehung der Kinder zwischen PID, Eizell- und Samenspende. Vom Autor sicherlich nicht unbeabsichtigt.

Das Familienrecht, das hier gefragt ist, gibt es noch nicht. Zunächst einmal, wie würde ein Anwalt Camerons Rollen definieren? Er ist der Vater von Zwillingen … die jeweils eine andere gesetzliche Mutter haben … eine Art Schwiegeronkel seines eigenen Sohnes und der Onkel des Stiefbruders seines Sohnes … (wirft die Hände hoch) … Ich könnte noch fortfahren.«

Der Ganze Artikel in der Online-Ausgabe der Zeit

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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Hinweis: Man darf in der Zeit unter dem obigen Link auch seine Meinung dazu schreiben.

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Habe jetzt dies hier geschrieben:

    Das Stück bedient eine ganze Reihe von Klischees über die Reproduktionsmedizin, die gern von den Klatschmedien verbreitet werden.

    Vorurteil Nr1: Reproduktionsmedizinische Methoden werden deshalb genutzt, weil die Leute „keinen Bock auf Sex“ haben. Völliger Unsinn. Die Methoden sind für solche Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können und werden auch so gut wie ausnahmslos nur von diesen genutzt. Alle diese Paare wären froh, wenn es „natürlicher“ ginge. Viele leiden darunter. Noch schlimmer ist aber das Leid, lebenslang ungewollt kinderlos zu bleiben. Daher ist die Entdeckung der IVF / ICSI für viele ein riesengroßes Glück!

    Vorurteil Nr.2: Wer reproduktionsmedizinische Methoden nutzt, wünscht sich auch gleich noch ein bestimmtes Geschlecht des Kindes oder sogar weitere Eigenschaften. Völlig an der Realität vorbei! Die Paare sind froh, wenn sie überhaupt ein Kind bekommen. Der Wunsch nach einem bestimmten Geschlecht mit der Bereitschaft, das ungewünschte Geschlecht zu selektieren, ist außergewöhnlich selten und wohl eher bei den Paaren verbreitet, die das Gefühl der ungewollten Kinderlosigkeit nicht kennen. Einen interessanten Artikel zu dem Thema finden Sie hier: http://www.novo-magazin.de/67/novo6726.htm ( Edgar Dahl: „Das Geschlecht der Kinder ist egal.“)

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    [Fortsetzung I Wegen Überlänge aufgeteilt]
    Vorurteil Nr.3: Samenbanken liefern ein umfassendes Bild über die Spender und die Empfänger sind darauf aus, ihren „Traumtypen“ dort auszuwählen. Das mag vielleicht zum Teil für Amerika zutreffen, aber nicht für Deutschland und noch nicht mal für unsere Nachbarländer. Es gibt relativ wenige Informationen (Haarfarbe, Augenfarbe, Blutgruppe, (Beruf, Hobbys)) und die Spender werden passend zu den Empfängern vom Arzt ausgesucht. Den Empfängern ist es ausschließlich wichtig, einen Spender zu bekommen, der Ähnlichkeiten mit einem der Partner aufweist.

    Vorurteil Nr.4: Homosexuelle Paare hätten kein Recht darauf, sich um ein Kind zu bemühen. Verschiedene Studien zeigen, dass es Kindern bei homosexuellen Eltern genauso gut geht wie bei verschiedengeschlechtlichen Eltern. In einigen Punkten schnitten die Homosexuellen sogar besser ab. Im Übrigen greifen auch Lesben nur dann auf die IVF zurück, wenn es bei ihnen eine medizinische Ursache dafür gibt. In den allermeisten Fällen führen sie eine Insemination durch. Lesben in Deutschland müssen dies selbst tun, da die Ärzte ihnen nach den deutschen Gesetzen nicht helfen dürfen. Denen wird es hier also allemal schwer gemacht. Solche blöden Theaterstücke tragen ganz gewiss nicht zur Verbesserung ihrer Lage bei.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    [Fortsetzung II Wegen Überlänge aufgeteilt]
    Vorurteil Nr.5: IVF / ICSI ist total easy und klappt auch immer gleich. Die Betroffenen haben meist einen langen und beschwerlichen Weg vor sich. Mit vielen Hoffnungen und Niederlagen. Dass gleich zwei Frauen bei der ersten ICSI schwanger werden (und das auch noch, nachdem die Hälfte der Embryonen – weiblich – offensichtlich selektiert wurde – , käme eher selten vor.

    Ich beschränke mich mal auf diese 5 Vorurteile. Daneben möchte ich sagen, dass ich von einem Wissenschaftler, der immerhin mal so viel Geist besaß, um die „Pille“ zu entwickeln, nicht so eine billige Abhandlung erwartet hätte. Liegt es vielleicht an seinem inzwischen fortgeschrittenen Alter? Carl Djerassi möge bitte bedenken, dass er mit seinem Stück auch solche Frauen verhöhnt, die jahrelang „seine“ Anti-Baby-Pille genommen haben und nun feststellen müssen, dass sie auf dem natürlichen Weg nicht mehr schwanger werden können. In solchen Fällen ist seine Erfindung wohl eher Fluch als Segen. Solche Frauen stellen zwar – das möchte ich hier betonen – nicht den großen Teil der ungewollt kinderlosen Frauen dar, aber immerhin gibt es sie.

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    [Fortsetzung III Wegen Überlänge aufgeteilt]
    Der dargestellte Fall ist für mich übrigens kein Horrorszenario. Beide Kinder haben liebende Eltern, deren Wunschkind sie sind. Es wäre wirklich traumhaft, wenn dies alle Kinder von sich behaupten könnten. Und in einer Gesellschaft, die der Reproduktionsmedizin nicht so viel Verachtung entgegenbringen würde, wäre es vielleicht sogar normal, dass solche Kinder wenn schon nicht als Geschwister, so doch mit einem regelmäßigen Kontakt aufwachsen können. Als Zwillinge würde ich sie übrigens nicht bezeichnen. Wenngleich sie im selben Moment gezeugt wurden und gleiche biologische Eltern haben, so sind sie doch in verschiedenen Bäuchen herangewachsen und haben somit nicht die gleiche soziale Beziehung, die Zwillinge haben. Ich würde sie nur als biologische Geschwister bezeichnen. Angesichts der Tatsache, dass es auch ohne Reproduktionsmedizin Hunderttausende von Geschwistern auf der Welt gibt, die sich nicht kennen, sollte man das nicht überbewerten.

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Danke an denjenigen, der hier gestern wegen Überlänge aufgeteilt hat. Ich konnte, nachdem ich das hier abgeschickt hatte, nicht mehr in den Blog reinkommen. Tut mir leid, wenn ich dadurch Arbeit verursacht habe. War nicht meine Absicht.

  7. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    kein Problem