Kann man Ärzte zu Behandlungen zwingen?


Der Schutz vor Diskriminierung ist ein hohes Gut und der der kalifornische Supreme Court in San Francisco hat bestätigt, dass dies in den USA besonders der Fall ist. Zumindest, wenn sich die Justiz damit beschäftigt, im Alltag wird dies vermutlich nicht unbedingt der Fall sein.

Geklagt hatte Guadalupe T. Benitez, eine an der Westküste lebende Lesbe, die mit ihrer Partnerin durch künstliche Befruchtung ein Kind bekommen wollte. Dazu hatten sich die beiden Frauen legal Spermien besorgt. Wie die „Los Angeles Times“ berichtet, habe sich ihre behandelnde Gynäkologin aber geweigert diese Prozedur vorzunehmen. Denn ihre Religion würde ihr verbieten, dies bei unverheirateten heterosexuellen Frauen und Homosexuellen zu machen, heißt es als Begründung. „Der erste Verfassungszusatz auf freie Ausübung der Religion befreit Ärzte nicht davon, Antidiskriminierungsvorschriften einzuhalten“, erklärte Richter Joyce L. Kennard bei der Urteilsverkündung.

So berichtet die Webseite Queer.de. Spontan möchte man zu diesem Urteil gratulieren. Und so war auch meine erste Reaktion. Aber dann kam ich ins Grübeln. Und fühlte mich unwohl bei dem Gedanken, dass ein solches Urteil auch in Deutschland gefällt werden könnte.

Nicht wegen des aktuellen Falls. Eine solche Behandlung finde ich genauso unproblematisch wie jede andere Behandlung mit Spenderspermien (also nicht völlig, siehe dazu den anderen Artikel von heute).

Mein Befremden rührt daher, dass man aufgrund von „Political Correctness“ als Arzt zu Therapien gezwungen werden kann, die man aus individuellen Gründen heraus nicht durchführen möchte. Das muß nicht zwingend ein religiös motivierter Widerwillen sein. Aber bleiben wir ruhig bei diesem Sujet, auch wenn einige Stammkommentatorinnen dieser News leise oder laut aufstöhnen werden.

Ok, dazu muss ich mich ein wenig aus dem Fenster hängen. Ich bin in der Kirche und noch schlimmer: Ich bin katholisch. Nichts Schlimmes, das ist nicht ansteckend, der Rest meiner Familie ist entweder evangelisch und eines meiner Kinder noch nicht mal getauft. Das andere auch nur, weil es das selbst wollte.

Aber ich habe ein Problem mit Abtreibungen. Ich weiß nicht, ob dies durch meine Religionszugehörigkeit bedingt ist (eher nicht), oder meinen Widerwillen, selbst aktiv ein Leben zu beenden. Möglicherweise auch deswegen, weil fast meine gesamte Berufstätigkeit darauf ausgerichtet ist, das ziemliche Gegenteil davon zu tun. Auf jeden Fall bin ich auf dem Ticket „katholischer Arzt“ um solche Maßnahmen in meiner Klinikszeit praktisch komplett herumgekommen.

Und ich habe noch nicht einmal generell etwas gegen Abtreibungen. Meistens. Nur ich möchte sie nicht selbst durchführen müssen und bin froh, dass der Bedarf durch andere Kollegen gedeckt wird. Diese werden von mir auch nicht schräg angesehen, ich bin ihnen sogar dankbar, weil sie es mir ermöglichen, mich aus diesem emotionalen Minenfeld herauszuhalten.

Natürlich kann man das nicht 1:1 gleichsetzen. Aber mir stellt sich schon die Frage, ob es für einen Arzt nicht möglich sein kann, eine Behandlung abzulehnen, wenn es andere Kollegen gibt, die damit weniger Probleme haben, also Alternativen zu Verfügung stehen. Mir sträuben sich schon die Nackenhaare, wenn ich mir vorstelle, dass Gewissenskonflikte von Ärzten nichts mehr wert sind, wenn sie mit Antidiskriminierung kollidieren.

Kommentare ausdrücklich erwünscht. Von mir aus auch „Doc-Bashing“.


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Kommentar

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18 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Mariella schreibt

    Im Gegenteil: herzlichen Glückwunsch! Ich wußte es doch: Irgendetwas muß bei Ihnen anders sein als bei so vielen Kollegen.
    Ich wünschte, es würden mehr Ärzte ihren Beruf so auffassen wie Sie.
    Vielleicht sind viele Ärzte auch nur vorsichtig, weil es wohl stets eine Gratwanderung darstellt, den feinen Unterschied zwischen dem bloß Machbaren und dem ethisch Vertretbaren zu unterscheiden. Manche erkennen auch nicht einmal mehr an, daß es da einen Unterschied gibt. Aber die würden auch nicht soviel Energie, Hingabe und Kraft auf so eine Seite verwenden.

    Herzliche Grüße
    Mariella

  2. Elmar Breitbach
    Mariella schreibt

    mhm … "zu erkennen" wollte ich schreiben, grummel

  3. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Ich sehe einen grundlegenden Unterschied, ob man einerseits aus persönlichen Gründen die Entstehung von Leben ablehnt, weil nach der eigenen Meinung angeblich "die Rahmenbedingungen nicht stimmen" (denn das ist Ansichtssache und außerdem änderbar), oder ob man andererseits ein bereits entstandenes Leben tötet. Das nämlich ist endgültig und widerspricht noch dazu dem hippokratischen Eid, wenn ich mich nicht irre. Von daher kann man eigentlich aus der oben beschriebenen Argumentation kaum eine Verpflichtung zum Durchführen von Abtreibungen ableiten.

    Denn wie sähe wohl die Sachlage aus, wenn die oben erwähnte Gynäkologin von einer lesbischen Schwangeren gebeten würde, eine Abtreibung vorzunehmen? (OK, fieses Konstrukt, ich weiß. Aber trotzdem…) Lebens-Potential nicht zu nutzen ist halt doch etwas anderes als konkret die Chance auf Weiterleben zu zerstören – sprich: zu töten.

  4. Elmar Breitbach
    minirosine schreibt

    Beide Beispiele haben meiner Ansicht nach nichts miteinander zu tun: Würde die Ärztin GRUNDSÄTZLICH keine künstlichen Befruchtungen durchführen, weil sie es für unnatürlich hält und es nicht mit ihrem Glauben vereinbar ist, verstieße sie nicht gegen ein Antidiskriminierungsgesetz. Sie verstößt dagegen, weil sie eine LESBISCHE Frau nicht behandeln möchte weil diese lesbisch ist – und damit diskriminiert sie sie. Wenn Sie GRUNDSÄTZLICH keine Abtreibungen durchführen möchten, ist das ihr gutes Recht – ich würde es auch nicht tun wollen – aber dann eben auch grundsätzlich nicht. Würden Sie sagen, Sie machen prinzipiell gerne Abtreibungen, aber nicht bei verheirateten Frauen, die können doch schließlich immer noch ein Kind verkraften, dann würden Sie diese diskriminieren und das wäre nicht in Ordnung. Jede, ob lesbisch, verheiratet oder was auch immer, sollte eben ein Recht darauf haben zu entscheiden, ob sie ein Kind möchte oder nicht – und dabei genauso behandelt werden wie andere auch. Kein Arzt oder keine Ärztin soll Dinge tun, die er oder sie nicht will, aber eben auch niemanden aufgrund bestimmter Merkmale schlechter als andere oder gar nicht behandeln.
    Viele Grüße! minirosine

  5. Elmar Breitbach
    Princi schreibt

    Sie haben da einen sehr interessanten, nachdenkenswerten und irgendwie auch persönlichen Artikel verfasst.
    Eigentlich finde ich die Punkte, die Sie anscheiden, viel zu komplex, als dass Sie in einem Forum wie diesem diskutiert werden könnten. Für mich steckt da mehr dahinter als nur die Frage, die Sie dort stellen.Ich stelle z.B. fest, dass in Ihrem Artikel fast eine Art Entschuldigung durchschimmert ob Ihrer Religionszugehörigkeit oder auch dem doch angeborenen Willen, Leben zu schützen.
    Ich persönlich finde ja, dass viele (nicht alle!) "Regeln" – ob ethisch, moralisch, von der Natur vorgegeben oder gesetzlich vorgeschrieben ihren Sinn haben und von uns nicht nach allen Kräften dauernd über Bord geworfen werden sollten – es gibt eben Grenzen. Bei allem Dilemma, dass z.B. Sie, Dr. Breitbach, bei Ihrem beschriebenen Fall wohl erleben:
    ich finde dieses "sich Sträuben" gegen das Beenden von Leben weitaus natürlicher als das stumpide Ausüben einer Tätigkeit ohne Hinterfragung nach dem Motto:"soll es hingehen, das Leben".
    Ich erinnere mich an die junge Frau, die gerade abgetrieben hat und aus dem Aufwachzimmer erleichtert und fast gut gelaunt in ihr Zimmer auf die Station zurückgebracht wurde. Kaum aufgewacht, telefonierte sie fröhlich mit Angehörigen.
    Für mich war die Welt 2 Stunden vorher noch in Ordnung und nun saß ich da und wartete darauf, dass mein gewolltes und nun totes Leben aus mir herausoperiert würde…

    Ich denke mir, es ist lebensrettend, dass es immer wieder Leute gibt, die eben diese Grenzen erkennen und anwenden. Davon sollte es z.B. auch in der Politik einige mehr geben… 🙂
    Insofern von meiner Seite eine deutliche Ermutigung an Sie.
    (und sorry für zu viele Zeilen)
    LG
    Princi

  6. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    Ist das nicht eine Frage, die man sich GENERELL jeden Morgen neu stellen müßte, für jeden Lebensbereich?

    Wer kann mich zu WAS zwingen, womit und was könnte bei Verweigerung passieren?

    Ganz wichtig finde ich das bei Ärzten.

    Und der berühmte Eid zwingt einen NICHT zu allem und jedem…

  7. Elmar Breitbach
    Sandrat schreibt

    man – alles wieder futsch…

    Also nochmal in Kurzform – ich hatte auch mal einige Zeit vor, Medizin zu studieren – aber ich könnte NIEMALS eine Abtreibung vornehmen.
    Ich kann mir schon kaum vorstellen, daß "mein" FA so etwas tut – eine Helferin hat mir mal erzählt, daß sie helfen MÜSSEN und sie fand nach einer "Behandlung" noch einen Arm wie von einer Barbiepuppe und hat tagelang davon geträumt – grausam.
    Es sollte ein extra Berufszweig sein – wie z.B. bei Schönheischirurgie – da stehen Ärzte ja auch unterschiedlich zu.
    Besser noch als Normalfall eine Adoption – das Kind darf leben, kinderlose Eltern freuen sich und dem Kind geht es mit großer Wahrscheinlichkeit gut.
    Wobei ich ab und an sicher schon Bedenken hätte, "normalen" Eltern zu helfen – je nachdem, wie die drauf sind…

  8. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    @doc: Ich kann, völlig konfessionslos, einen Abbruch für mich ausschließen, mit Ausnahme lebensbedrohlicher Situationen.

    Das galt auch schon vor der Kenntnis des unerfüllten Kinderwunsches. Es ist eine rein persönliche Geschichte.

    Psychotherapeutische Berufsgruppen bspw. geraten häufiger in die Situation, Behandlungen abzulehnen, zu verweisen, mit Sicherheit auch manchmal aus persönlichen Gründen / persönlicher Betroffenheit. Entscheidungen sind nicht immer leicht zu treffen, aber leichter zu begründen, diese sind immer auf das Wohl des Patienten ausgerichtet.

    Ich frage mich, ob nicht auch Ärzte in gewissen Grenzen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen könnten, immerhin gibt es nie nur einen Behandler. Davon profitieren letztlich in meinen Augen beide Seiten. Ein Arzt-Patient-Verhältnis geht noch immer über die reine Dienstleistung hinaus- hoffe ich. Schade, wenn das gar nicht berücksichtigt werden kann.
    Schließlich wechsele ich als Patientin auch den Arzt, wenn es es mir aus verschiedenen Gründen angebracht erscheint.

  9. Elmar Breitbach
    Katinka schreibt

    Ich kenne das og. Urteil natürlich nicht in allen Einzelheiten, aber halte es für sehr gefährlich; denn an unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Folgen zu knüpfen, ist vollkommen legitim, so lange man dafür vernünftige Gründe hat. Und die können – auch wenn es vordergründig anders aussieht – nichts mit der geschlechtlichen Orientierung der Betroffenen zu tun haben. Man muss dem ja nicht zustimmen, aber es kann gute Gründe dafür geben, dass man die Behandlung mit Spendersamen (und damit die Entstehung eines Kindes, das von Anfang an damit belastet ist, seinen genetischen Vater nicht zu kennen) ablehnt. Aus diesem Blickwinkel (dem des Kindes) kann es durchaus legitim sein, diese Behandlung abzulehnen. Allerdings muss man dann natürlich so konsequent sein und eine solche Behandlung generell ablehnen (also sie nicht bei verheirateten Paaren durchführen).
    Und das ist wahrscheinlich der Unterschied zu der Ansicht des Doc zur Abtreibung: Dass er diese grundsätzlich ablehnt und gerade nicht nur für bestimmte Frauen.

    Die Ablehnung der Kostenübernahme für heterologe Befruchtungen konnte ja auch nur deswegen vor Gericht Bestand haben, weil diese generell abgelehnt wird…

    Gruß, Katinka

  10. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Katinka: Hier hinkt der Vergleich in der Tat komplett, da sich niemand diskriminiert fühlen muss, wenn ich das ablehne. Ich dachte nur darüber nach, was passieren würde, wenn ich mich weigere, eine Therapie durchzuführen und sich dadurch jemand diskriminiert fühlt. das Beispiel dient nur dazu, aufzuzeigen, dass es bei Ärzten individuell unterschiedliche Grenzen gibt und ich frage mich, was wichtiger ist: Diese Grenzen oder das Antidiskriminierungsgesetz.

  11. Elmar Breitbach
    raise schreibt

    Wenn irgendjemand von uns in seinem Beruf gezwungen wird, etwas zu tun, was sein eigenes Gewissen verletzt, finde ich das verwerflich. Ich hoffe, so eine Art von Rechtssprechung, die das erzwingt, gibt es in unserem Rechtsstaat nicht. Und ich bin auch der Meinung, dass die Richter kein Recht haben, der o.g. Ärztin zu unterstellen, dass es sich nicht um echte Gewissensgründe, sondern um Diskriminierung handelt. Wer kann denn in ihr Gewissen reinschauen? – Ich musste mal in einem Job eine Aufgabe machen, bei der ich jeden Monat aufs neue den Zoll eines anderen Landes bescheißen musste. Ich habe es nicht verweigert, weil ich Angst hatte, den Job zu verlieren, aber ich war echt nicht glücklich damit – und schließlich habe ich den Job ja auch gewechselt. In der ev. Kirche gibt es übrigens Pfarrer, die aus Gewissensgründen keine Säuglinge taufen möchten, weil die sich nicht dafür entscheiden können. Die werden nicht gefeuert (!), obwohl diese Haltung ganz offensichtlich einer offiziell Lehre der ev. Kirhce widerspricht, es wird einfach nur organisiert, dass die, die das wollen, in einer anderen Gemeinde ihre Kinder taufen lassen können. So respektvoll sollten wir mal überall mit dem Gewissen unserer Mitmenschen umgehen.

  12. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Kann man Ärzte zu Behandlungen zwingen?

    Meine Antwort darauf ist vielschichtig (sorry). Es gibt ja lebensrettende Behandlungen. Wenn z.B. ein Arzt allein am Unfallort ist und dem Verunfallten noch das Leben oder die Lebensqualität retten kann. Da ist er dann ja auch verpflichtet, sprich: gezwungen, zu helfen. In den meisten Situationen ist es jedoch so, dass diese Aufgabe auch ein anderer Arzt durchführen könnte. Abschiebungen von KV-Patienten an andere Ärzte, das steht ja auf der Tagesordnung vieler Ärzte, die lieber Privatpatienten behandeln. Wenn das dann von vielen Ärzten so gemacht wird, sind KV Patienten natürlich schnell diskriminiert, weil sie gar nicht mehr wissen, wo sie nun noch hingehen sollen. Daher halte ich das schon für grenzwertig. Wenn ein Arzt aber seinen ehemaligen Freund, mit dem er sich verzankt hat und der auch keine akute Hilfe braucht, ablehnt, hat ja dieser ehemalige Freund noch genug andere Behandlungsmöglichkeiten.

    Wir haben Religionsfreiheit. Das heißt dann auch, ein Arzt darf nicht nur nach seinem Gewissen entscheiden, welche Behandlungen er vornimmt, sondern auch nach seiner Religion. Genauso, wie ich mir nicht aufzwingen lassen will, nach religiösen Moralvorstellungen leben zu müssen, kann ich auch nicht erwarten, dass mich andere Menschen entgegen ihren religiösen Vorstellungen behandeln. Dann geh ich eben zu einem anderen Arzt. Schwierig wird es dann, wenn (fast) alle Ärzte diese religiösen Vorbehalte haben und ich deshalb nicht behandelt werde. Da wird es dann wieder grenzwertig. Aber dieser Tatbestand ist ja gar nicht da. Es gibt andere Ärzte, die es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, heterologe Befruchtungen durchzuführen oder auch lesbische Paare zu behandeln.

    Genauso wenig kann man ja auch Ärzte zwingen, Sterbehilfe zu leisten. Hingegen gibt es durchaus Ärzte, die das tun würden. Wäre ich also unheilbar und stark leidend krank, würde ich eben zu einem Arzt gehen, der mir in diesem Fall hilft. …

    Der oben aufgeworfene Aspekt, dass ja hier nicht eine bestimmte Leistung abgelehnt wird, sondern eine bestimmte Gruppe, ist jedoch sehr wichtig. Wie wäre das Geschrei groß, wenn z.B. ausländische Patientinnen abgelehnt werden würden. Vielleicht mit dem Grund, die gehört einer anderen Glaubensgemeinschaft an und man kann es nicht mit seiner Religion vereinbaren, denen zu helfen. Das könnte man sogar mit der Bibel belegen. Auwei! – Insofern sollte man die lesbischen Frauen nicht schlechter stellen als die andersgläubigen.

  13. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Zitat Katinka: „Die Ablehnung der Kostenübernahme für heterologe Befruchtungen konnte ja auch nur deswegen vor Gericht Bestand haben, weil diese generell abgelehnt wird…“
    Hier sehe ich aber doch eine Diskriminierung. Denn es werden hier doch bestimmte Paare diskriminiert. Nämlich die, wo ein Teil hoffnungslos unfruchtbar ist.

  14. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich finde, wenn Ärzte oder auch Hebammen die Behandlung bestimmter Gruppen ablehnen, dann sollte es wenigstens einen Moralkodex geben, nach dem sie sich dieser Gruppe gegenüber zu verhalten haben. Eine Single-Mama berichtete mir, sie hätte vor der Geburt im Krankenhaus gesagt, dass sie Single-Wunschmama sei. Daraufhin habe die Hebamme die Behandlung verweigert, da sie katholisch sei. Es gab dann eine andere Hebamme. Ich finde, das hätte die Patientin nicht unbedingt mitbekommen sollen. Stattdessen haben sich dann die Geburtshelfer während der Geburt darüber unterhalten, ob sie Samenspenden nun gut finden oder nicht. Anschließend gab es weitere Benachteiligungen. Von dem Kind wurde kein Fußabdruck gemacht, wie es bei allen anderen Kindern gemacht wurde und die neue Mama bekam auch keine Proben von verschiedenen Babyartikeln, wie die anderen Mamas. Ein solches Verhalten des Krankenhauses ist doch pervers, nicht?

  15. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Mir ist zu der o.g. Geschichte heute noch eingefallen – Was wäre gewesen, wenn keine andere Hebamme zur Verfügung gestanden hätte? Die katholische Hebamme hätte ja wohl kaum die werdende Single-Mama sich allein überlassen können. Außerdem hat sie ja wohl mit ihremn Krankenhaus einen Vertrag, nach dem sie jede Geburt, die sich einfindet, bestmöglich unterstützt. Da kann sie, ob nun katholisch oder nicht, auch nicht lesbische oder muslimische Frauen abweisen. Ebenso können die Ärzte das nicht. Also in dem Fall kann man Ärzte und Hebamme schon zur Behandlung zwingen. Anderenfalls wäre es unterlassene Hilfeleistung.

  16. Elmar Breitbach
    Ginni schreibt

    Mit grossem Interesse habe ich Ihre Artikel gelesen und da weitere Moralfragen aufgeführt wurden, und hier anscheinend auch Behandelnde anwesend sind, möchte ich Sie gerne zu einem weiteren Moralstandpunkt zur Diskriminierung befragen:
    Wie würden Sie urteilen, wenn ein Paar eine künstliche Befruchtung erwünscht, da der Mann unfruchtbar ist, er aber in absehbaren Jahren an Darmkrebs sterben wird? So geschehen bei einer Freundin. Das Paar, gut situiert, das erst vor einigen Monaten mit der Hiobsbotschaft konfrontiert wurde, aber schon länger ein Kinderwunsch hegt, müsste sich der KiWu Klinik zufolge einer intensiven psychologischen Beratung und Tests unterziehen.
    In meinen Augen ist das ebenfalls Diskriminierung, wenn nicht sogar Unmenschlichkeit – so ´vernünftig´ es auch klingen mag. Was meinen Sie?

  17. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Das ist eine Frage, die zu schwierig ist, um sie in einem Blogkommentar sinnvoll beantworten zu können.

    Grundsätzlich ist die psychologische Beratung jedoch nachvollziehbar, denn hier geht es um die Zeugung eine/s/r Halbwaisen. In meinen Augen etwas, was aus Sicht des Behandlers und des Kindes hinterfragbar sein muss.

  18. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Erst mal,ja es gibt manche ethische Gründe die ich verstehen kann wenn jemand etwas ablehnt. Ind jedem Beruf gibt es diese ethische Fragen und jede Person hat ein Recht sich zu überlegen und abzulehnen.
    Es gibt auch Berufe die aber ein Eid haben (Ärzte, Anwälte, Priester) und die nicht ablehnen dürfen, egal was sie wollen.
    Vielleicht müßten auch andere Arbeiter im Gesundheitswesen (Hebammen, Schwestern usw.) so ein Eid haben.
    Es gibt auch Gesetze die manchse so verbieten oder zulassen, egal ob es richtig ist oder nicht.
    Diskriminierung gibt es eine Menge.
    Nun zum Thema:

    Nein, ein Arzt darf niemals eine Behandlung ablehnen, ausser die Gesetze im jeweiligen Land verbieten es, aber auch dann sollte er helfen andere Wege zu finden.
    Wenn ein Mensch entscheidet Arzt zu werden und studiert dafür, dann muß ihm auch sehr klar sein er muß alles tun was in seinem Beruf steht.
    Wird er Gynekologe, muß er auch Abtreibungen machen wenn es gesetzlich erlaubt ist.
    Und diskriminieren darf er auch nicht: wegen Religion, oder Alter des Patientes, oder was weiß ich.
    Auch wenn Diskriminierungen vom Gesetz bestimmt werden, können Menschen (Ärzte und andere Menschen) auch etwas dagegen tun und sie auch umgehen, ein anderes Weg finden.
    Ein Arzt, ein Anwalt usw. muß immer wissen dass zu ihm Patienten/Kunden mit verschiedene Herkunfte, Religionen, Sexorientierungen usw., auch ohne finanzielle Mitteln kommen.
    Man darf keinen ablehnen, oder aber man wählt sich ein anderes Beruf wenn man es nicht kann.

    Und ich habe meine Erfahrungen mit Diskriminierungen,und gerade
    beim Arzt ist es am schlimmsten.
    Er muß wenigstens helfen eine andere Lösung zu finden oder so.

    Meine Frage: wie kann man ein Arzt zur Behandlung zwingen wenn es sein muß?
    Wie kann man ein Arzt zwingen Diskriminierungen zur Seite zu lassen und dem Mensch zu helfen?
    Immer öfter kommt es in der letzten Zeit zu Diskriminierungen wegen Alter und finanzielle Mitteln (beim Arzt, egal ob Kiwu, oder Zahnarzt, oder ein anderer).
    Was kann man dagegen tun?