Aus drei mach fünf. Aus fünf mach zwei.


Ich hatte hier kürzlich einen Artikel eingestellt, in dem es darum ging, ob die Neigung zu Mehrlingsschwangerschaften vererbbar ist (ja) und ob dies bei der künstlichen Befruchtung eine Rolle spielt (nein).

In den Kommentaren dazu kam die Frage auf, ob sich die transferierten Embryonen nicht auch noch weiter teilen können und so auch eineiige Zwillinge entstehen können. Ja, das ist möglich, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Im letzten Jahr hatten wir eine Drillingsschwangerschaft in unserer Praxis nach Rückgabe von zwei Embryonen. So etwas ist extrem selten, kommt aber immer mal wieder vor. Aber es kann noch schlimmr kommen, wie eine Veröffentlichung aus dem Jahre 2006 zeigt:

Fünflingsschwangerschaft aus drei Embryonen

Damals berichteten Wissenschaftler vom Medical College of Wisconsin über eine ganz spezielle Fünflingsschwangerschaft. Natürlich sind Fünflinge immer speziell, diese entstanden jedoch aus nur drei Embryonen, von denen sich zwei noch einmal teilten. Es handelte sich also um zwei eineiige Zwillingspärchen und einen zusätzlichen fünften Embryo.

Während solche höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften üblicherweise nur nach einer hormonellen Stimulation entstehen und nicht bei einer IVF, da bei der IVF die Zahl der Embryonen exakt bestimmt werden kann, handelte es sich bei dieser Schwangerschaft um eine solche künstliche Befruchtung.

Eine 40jährige Patientin erhielt nach einer ausgetragenen Schwangerschaft in der Vorgeschichte und zwei kürzlich erfolgten Fehlgeburten aufgrund einer vorzeitig verminderten Eierstockfunktion eine Eizellspende von einer jüngeren Frau. Auf Wunsch der Patientin wurden ihr 3 Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. Und zum Entsetzen aller Beteiligten nisteten sie sich alle ein und zwei teilten sich zu eineiigen Zwillingen. Da eine solche Schwangerschaft nur selten zu lebensfähigen Kindern führt und auch die werdende Mutter hohen Risiken ausgesetzt ist, entschloss man sich zu einer so genannten „Reduzierung“, eine Umschreibung für das Abtöten überzähliger Feten in der 11. Schwangerschaftswoche. Die Schwangerschaft mit dem verbliebenen zweieiigen Zwillingspaar verlief komplikationslos und die Entbindung der gesunden Kinder erfolgte auf normalem Wege.

Bei einem frischen Embryo-Transfer mit gespendeten Eizellen sollte man die Möglichkeit einer solchen Entwicklung berücksichtigt werden, wenn man die Zahl der einzupflanzenden Embryonen festlegt.

Wie man problemlos Vierlinge austragen kann wurde in einem ebenfalls sehr speziellen Fall hier bereits einmal geschildert

Robb PA, Williams DB, Robins JC, Thomas MA
Trizygotic quintuplet pregnancy following simultaneous embryo splitting in an oocyte donation cycle
J Assist Reprod Genet. 2006 May 20


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich habe mal gelesen, dass es gerade nach Blastozystentransfer häufiger zu so einer Teilung kommt …

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Ja, noch mehr aber steht aber Hatching in dem Verdacht.

  3. Elmar Breitbach
    Tigerin schreibt

    uiuiuiui! Demnach sollte ich das Hatchen besser sein lassen! Nit ‚reduzierten‘ Kindern könnte ich schlecht leben :-(.

    nachdenkliche Grüße

    Tigerin

  4. Elmar Breitbach
    Piaken schreibt

    @Doc: Dann hatten Sie in ihrer Praxis sogar zweimal das Phänomen. Ich hatte ja zunächst auch Drillinge, wovon einer ganz früh abgeblutet ist. Mehr als eine Art Himbeere war nicht mehr zu erkennen.
    Die Zwillis sind dann ja eineiig geworden.

    Wenn es so selten ist, dann gibs bei Ihnen in dem Fall aber ne hohe Quote.

  5. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Statistik, Pia. Unberechenbar….leider 😉