Südkorea:Mehr als 1000 Frauen wollen Eizellen spenden


Gefeiert und gefeuert: Nachdem der südkoreanische Wissenschaftler Hwang Woo-suk im Frühjahr eine neue Methode zum Klonen von menschlichen Zellen präsentierte, mit denen für bestimmte Erkrankungen maßgeschneiderte Stammzellen hergestellt werden können, richtet sich die Welt der Wissenschaft nun gegen ihn.

Er musste kürzlich zugeben, dass er für seine Forschungen Eizellen seiner eigenen Mitarbeiterinnen verwendete und andere Spenderinnen finanziell entschädigte, was gegen die Deklaration von Helsinki verstößt. Entsprechende Korrekturen in den Veröffentlichungen wurden bereits veranlasst. Am 12. November trennte sich sein amerikanischer Kooperationspartner, der Stammzellforscher Gerald Schatten von der Pittsburgh University, unter Verweis auf fragwürdige Praktiken in Hwangs Labor von dem Südkoreaner. Weiterhin bestehen ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der von ihm im magazin „Science“ präsentierten Daten, wie der südkoreanische TV-Sender MBC network berichtete. Von Spendern gewonnen Hautzellen stimmen möglicherweise nicht mit denen von den in der Studie genannten Zellen überein, wie unabhängige Labors nach DNA-Tests berichteten.

Diese Vorwürfe führeten in Südkorea zu einer nationalistischen Reaktion. Wie ihn der Nationalstolz antrieb, offenbarte Hwang, als er vergangene Woche vor die Presse trat. „Ich gewann Vertrauen, dass wir Koreaner ebenfalls etwas erreichen können.“ In Südkorea ist mitunter zu hören, man sei Opfer „westlicher Ethikstandards“, und dem Land werde der Vorsprung in der Klonforschung nicht gegönnt„.

Der neu gegründete Online-Fanclub „I love Hwang Woo-suk“ zählt angeblich 15.000 Mitglieder und mehr als tausend Frauen boten dem Forscher ihre Eizellen für weitere Studien an. Auch die südkoreanische Regierung stützt den Wissenschaftler weiterhin und wird ihm bereits zugesagte 2,5 Millionen Euro ungeachtet der weltweiten Kritik an seinen Methoden zur Verfügug stellen. Der Fernsehsender, der die Praktiken mit Undercover-Methoden aufdeckte steht unter heftigem Beschuß und von der Bevölkerung wird per Bürgerbegehren sogar die Schließung des Senders verlangt.

[Via Reuter, Taz, Zeit und FAZ]

[Edit 7.12.2005:] Der Verdacht, dass die in „Science“ publizierten Bilder von Stammzelllinien manipuliert sind wurde heute entkräftet, nachdem die Originale erneut kontrolliert wurden. Offenbar kam es zu Verwechslungen der Bilder im Rahmen des Veröffentlichungsprozesses, wie die New York Times heute berichtete. In der Online-Ausgabe von Science wurde dies jedoch nicht bestätigt, dort steht noch der alte Artikel, in dem die Photo-Problematik geschildert wird.


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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Fassi schreibt

    " HWS" gilt dort als Nationalheld, weil er im weltweiten Vergleich mit seinen Forschungsergebnissen " führend" ist.

    Ich las, dass die weltweit Kritisierte Eizellspende abhängiger Mitarbeiterinnen der bisherigen koreansichen Gesetzgebung nicht widersprach, die nun erst jetzt geändert werde. Demnach war das zwar ethisch sehr bedenklich, aber "legal".

    Wenn ich an unser Stammzellimportgesetz denke, dass für "verbrauchte" ausländische Embryonen stichtagsabhängig andere Maßstäbe setzt als für deutsche und Nach-stichstagsgezeugte…Na ja

    Mehrfach wurde in artikeln über die Motivation des amerikan. Forscherkollegen Schatten angedeutet, es gehe wohl "auch" um Patentstreitigkeiten mit Hwang Woo-Suk.

    Die Motivation der Koreanerinnen zu spenden wird nicht nur durch den den Nationalstolz sondern sicher auch durch die beeindruckende Briefmarke unterstützt, eine Art Science-Comic in 5 Schritten, der zeigt wie ein Mann seinen Rollstuhl verlässt, geht, springt…beim Happy-End wird die Partnerin umarmt – diese Botschaft ( oder Versprechen lässt sicher niemanden kalt. Auch im Rest der Welt würden sicher einige Frauen ihren nahestehenden Liebsten u. Nächsten Eizellen spenden, wenn das wie auf der Briefmarke funktionierte (??)

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Mit der Legalität; das ist -wie so oft- ein weites Feld…

    Es gibt da schon Deklarationen (Helsinki), die solche Eizellspenden von Abhängigen (es waren z. T. Doktorantinnen) aus nachvollziehbaren Gründen ausschließt.

    Die Sache mit dem Rollstuhl ist sicherlich ein Aspekt und dürfte auch hierzulande zu einer gewissen Spendenbereitschaft führen. Vieles an dieser Reaktion scheint aber beleidigter Nationalstolz zu sein.

    Ich habe die Briefmarke mal direkt in Ihren Kommentar kopiert