Schweiz plant neues Fortpflanzungsmedizingesetz


Kürzlich wurde Österreich dazu gezwungen, sein Fortpflanzungsmedizingesetz wieder zu überdenken. Der Schweiz kann dies nicht passieren, da EU-recht für sie nicht gilt, dennoch sieht man auch in unserem Nachbarland Handlungsbedarf und möchte das Gesetz zur Reproduktionsmedizin aktualisieren.

Es ist schon lange her, dass der nationale Ethikrat der Schweiz die Einführung der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) befürwortete, bei der Embryonen auf genetische Auffälligkeiten hin untersucht werden.

Nur bei bekannten Erbkrankheiten

Die PID im Rahmen der künstlichen Befruchtung soll jedoch nur erlaubt werden, wenn bei den Eltern bereits genetische Erkrankungen bestehen, die bei den Embryonen erkannt werden sollen, um nur gesunde für die Behandlung auswählen zu können. Für diese Fälle soll auch die sogenannte „Dreierregel“ fallen, derzufolge nur drei Embryonen kultiviert werden dürfen, eine Regelung, die auch in Deutschland gilt.

Auch Embryonen dürfen eingefroren werden

schweizAber auch unter Beibehaltung der Dreierregel soll es nun erlaubt werden, überschüssige Embryonen einzufrieren. Bisher war dies nicht vorgesehen, da nur so viele Embryonen erzeugt werden durften, wie man für den Transfer in die Gebärmutter vorgesehen hatte. nun soll es also auch möglich sein, drei Embryonen in Kultur zu halten, um dann einen oder zwei für den Transfer auszuwählen und die überschüssigen einzufrieren.

Wenn man bereits diesen Schritt geht, stellt sich die Frage, warum man dann überhaupt an der Dreierregel festhält. Denn es ist eigentlich völlig unerheblich, ob man nun 5 Embryonen weiterkultiviert oder drei, vorausgesetzt man friert die überzählige ein. Konsequent wäre es also, wenn man vorschreibt, die nicht transferierten Embryonen einzufrieren, die Zahl der Embryonen jedoch nicht reglementiert. Die aktuellen Pläne machen den Eindruck eines halbherzigen Kompromisses, um möglicherweise religiösen Kreisen Rechnung zu tragen. Vielleicht hat man es aber auch einfach nicht zu Ende gedacht.

Wie auch immer: Ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch darf man sich auch in der Schweiz nicht zu früh freuen, da ein entsprechendes Gesetz erst für 2013 zur Volksabstimmung kommen wird.

Danke an Baboo für den Tip.


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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ja, ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht läßt sich eine humanere Reproduktionsmedizin auch nur in kleinen Schritten erreichen?

    Vielleicht wurde die Möglichkeit, 3 zu kultivieren und nur 1 oder 2 zu transferieren auch inzwischen von der seite der Patientinnen so häufig genutzt, dass ein Verbot, dies von vornherein oder von ärztlicher Seite aus zu beabsichtigen, eh nur noch Augenwischerei war. Da kann man es auch gleich zulassen, wenn es eh schon alle tun.

  2. Elmar Breitbach
    rozelina schreibt

    Tja, zuerst muss die Geschichte ja auch noch vors Volk. Das dürfte ein harter Kampf werden. Leider. Das ist wohl auch ein Grund, dass in der Schweiz die KK nicht an den Kosten beteiligt sind. Der Volkswille wäre wohl dagegen, denn immer noch ist ja nur eine Minderheit betroffen. Diejenigen die nicht betroffen sind, sehen nur ihren Geldbeutel bedroht und würden dagegen stimmen. Schade.

    rozi

  3. Elmar Breitbach
    Hilland schreibt

    Ganz zutreffend ist die Aussage zur Schweiz nicht, denn die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg hat nichts mit EU-Recht zu tun; für das EU-Recht ist der EuGH in Luxemburg zuständig.

    Die Schweiz als Mitgliedsstaat des Europarats und Unterzeichner der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention)ist von der Entscheidung des EGMR sehr wohl betroffen.