Polkörperdiagnostik: Bauchschmerzen


m Baby Blog ist ein Artikel eingestellt, der sich mit der ersten Schwangerschaft nach Polkörperchen-Diagnostik (PKD) in Österreich beschäftigt, die kürzlich auch in der Laienpresse Beachtung fand. Und den damit verbundenen Bauchschmerzen des Autors des Blog-Artikels. Völlig richtig stellt Markus Niesen fest, dass der an diesem medizinischen Ereignis beteiligte Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger „ein ganz ausgezeichneter Selbstdarsteller“ ist.

Völlig richtig beschreibt er auch meine selbstdarstellerischen Fähigkeiten:

Er ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Niemand in Deutschland kann komplexe medizinische Sachverhalte so schön verständlich erklären wie er.

😉 Diese Einschätzung kann ich nur gutheißen. In diesem speziellen Fall bezieht sie sich auf den Artikel zur PKD im Theorie-Teil.

Nun zu dem Bauchschmerzen

Eine genetische Untersuchung, sei es vor der Einnistung oder aber auch während der Schwangerschaft (Fruchtwasseruntersuchung) ist selbstverständlich immer problematisch, da es in jedem Fall darum geht, die „Guten“ von den „Schlechten“ zu trennen. Mit absehbaren Konsequenzen für diejenigen, die bei dieser Untersuchung durchs Raster fallen.

Während bei der Fruchtwasseruntersuchung und bei der Präimplantationsdiagnostik am Embryo (PID) der genetische Code eines fertig „programmierten“ und entstehenden Lebens untersucht wird, ist dies bei der PKD nicht der Fall. Diese Untersuchung greift einen Schritt früher, nämlich vor der Verschmelzung des mütterlichen und väterlichen Erbmaterials. Die Konsequenz dieser Untersuchung ist daher nicht die Vernichtung von Embryonen oder Feten, sondern von Eizellen. Und die Vernichtung von Eizellen ist im Programm der Natur für die menschliche Fortpflanzung auch ohne menschliches Dazutun ein häufiges Phänomen.

Für den einen oder anderen mag dies kein wesentlicher Unterschied sein, er ist aber groß genug, um mit den österreichischen und deutschen Gesetzen zur Reproduktionsmedizin vereinbar zu sein.

Soviel zur medizinisch-juristischen Seite.

Ethische Problematik

Zur ethischen Problematik hat sich der nationale Ethikrat Deutschlands bereits geäußert und sieht die PKD eher nüchtern. Er verweist zu recht darauf, dass man die Erwartungen an diese Technik nicht zu hoch setzen darf und gegenwärtig auch noch nicht geklärt ist, inwieweit sich Vorteile für die Patienten ergeben.

Ist die Mutter Trägerin einer Erberkrankung, dann könnte man durch diese Diagnostik bereits im Vorfeld die „richtigen“ Eizelle“ auswählen. Ebenso wäre die Indikation bei älteren Frauen (> 35? >38?) gegeben. Beiden würde man eine Fruchtwasseruntersuchung in der Schwangerschaft ersparen können. Und vor allem die Entscheidung, wenn diese nicht zum erwünschten Ergebnis führt. Auch die Zahl von Fehlgeburten wäre geringer, da diesen oftmals genetische Ursachen zugrunde liegen. Möglicherweise wäre auch die Zahl der Embryonen, die man bei einer IVF der Frau zurückgibt durch die genetische Voruntersuchung zu vermindern und dadurch die Häufigkeit von Mehrlingsgeburten.

Man kann also die ethische Problematik der PKD nicht isoliert betrachten. Gegen eine PKD zu sein, bedeutet auch, gegen medizinisch indizierte Abtreibungen zu sein. Nüchtern betrachtet kann man durch eine PKD diese induzierten Aborte vermeiden. Was in meinen Augen für diese Technik sprechen könnte (den Konjunktiv wähle ich aufgrund des ausstehenden Nachweises dafür, dass dies wirklich im erhofften Umfang der Fall ist).

Links

Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Präimplanationsdiagnostik

Stellungnahmen verschiedener Organisationen zur PID

Stellungnahme des nationalen Ethikrates [PDF]


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