Mehrlingsdiskussion in den USA


Nirgendwo in der westlichen Welt gibt es häufiger Mehrlinge nach Kinderwunschbehandlungen als in den USA. Die Octomum stellt da nur die Spitze des Eisbergs. Auch sonst kann man den Eindruck bekommen, dass in den USA die Auffassung gilt „viel hilft viel“. In der Online-Ausgabe der „New York Times“ finden sich aktuell einige Stellungnahmen namhafter Experten unterschiedlicher Fachrichtungen, die zu dieser Problematik Stellung nehmen.

Ein Grund sind die Kosten, so Mark I. Evans. In Anbetracht der hohen Kosten für eine Kinderwunschbehandlung in den USA ist es den Paaren schwer vermittelbar, auf einen Embryo zu verzichten oder sich gar für einen „Single Embryo Transfer zu entscheiden. Eine Problematik, die auch in Deutschland auf deutlich niedrigerem Niveau eine Rolle spielt, wie ich hier schon ausführte.

Der Reproduktionemdiziner Robert Stillman entwirft ein 5-Punkte-Programm, um die BEreitschaft für einen Single Embryo Transfer zu erhöhen und letztlich auch die Auffassung zu bestärken, dass Mehrlinge kein Therapieerfolg sind. Neben der allgemeinen Aufkklärung zu diesem Thema verlangt er auch medizinische Verbesserungen und rechtliche Regelungen.

Sein Kollege James A. Grifo wendet sich gegen solche Richtlinien und setzt auf Eigenverantwortlichkeit. Immerhin habe er die Drillingsrate in seiner Klinik von früher 15% (!!!) auf jetzt 1,6% senken können (was immer noch recht viel ist).

Der Bioethiker Arthur Caplan hat Bauchschmerzen, vermutet aber deutlich größere Beschwerden in diesem Bereich bei Politikern und geht davon aus, dass sich an diesem heiklen Thema niemand die Finger verbrennen möchte. Rechtliche Regelungen sieht er daher nicht kommen, auch weil eine Lobby dafür fehlt.

Die Juristin Josephine Johnston sieht das Problem für eine vernünftige Regelung ebenfalls in den Kosten. Ein kostengünstiger Zugang zur Reagenzglasbefruchtung wäre der erste und möglicherweise einzig notwendige Schritt, um die Mehrlingsraten deutlich zu senken.

Alle Kommentare kann man hier nachlesen.


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1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Hier sei an eine Statistik aus den USA erinnert (SART Kliniken): https://www.sartcorsonline.com/rptCSR_PublicMultYear.aspx?ClinicPKID=0

    Diesen Link hatte ich aus einem Artikel dieses Blogs. Danach hatten zumindest die SART Kliniken in 2007 das Problem schon ganz gut im Griff. Und das bei vorbildlichen Erfolgsraten. Gewiss liegt das an einigen wenigen USA Kliniken. Die gilt es zur Vernunft zu bringen.

    Der Vorschlag von Robert Stillmann, eine Mehrlingsschwangerschaft im Erfolgsregister nicht als Erfolg zu melden, hat was.