Großbritannien: Lesbische Frauen sind begehrt

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Vor einigen Jahren waren lesbische Paare in den Kinderwunschkliniken nicht immer gern gesehene Gäste. Dass sich dies in der letzten Zeit merklich geändert hat, liegt nicht (nur) an der vermehrten Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen.

Vielmehr liegt es daran, dass eine künstliche Befruchtung bei lesbischen Frauen deutlich höhere Erfolgsraten hat als bei heterosexuellen Frauen. das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass bei diesen Frauen meist keine echte Sterilitätsursache vorliegt. Natürlich kann auch eine lesbische Frau eine Endometriose und andere fruchtbarkeitsmindernde Erkrankungen haben, meist ist die Kinderlosigkeit jedoch lediglich darauf zurückzuführen, dass die Herbeiführung einer Schwangerschaft auf natürlichem Wege ausscheidet.

Im Durchschnitt liegen die Schwangerschaftsraten ca. 20% höher als bei heterosexuellen Frauen. Die Qualität der Eizellen scheint also sehr gut zu sein und deshalb werden lesbische Frauen vermehrt und bevorzugt in sogenannte „Eggsharing“-Programme aufgenommen.

Was ist Eggsharing?

Der Bedarf an Eizellen, die für eine Eizellspende verwendet werden können, stieg in den letzten Jahren so deutlich an, dass er durch Spenderinnen nicht mehr gedeckt werden konnte. Normalerweise werden die Eizellen von Frauen gespendet, die ausschließlich dafür hormonell behandelt werden und denen die Eizellen dann entnommen werden.

Beim Eggsharing werden Frauen, die sich in einer Kinderwunschbehandlung befinden, mehr Eizellen stimuliert und entnommen, als es für den für den eigenen Bedarf notwendig wäre. Überschüssige Eizellen werden dann an Paare abgegeben, die diese benötigen, weil die Frauen selbst keine Eizellen mehr bilden können.

Die Spenderin bekommt dann einen deutlichen Preisnachlass für die Kosten ihrer Behandlung, der von den Empfängerinnen der Eizellen bezahlt werden. Der Nachteil: Natürlich haben die Frauen, die selbst eine IVF benötigen, oft zusätzliche Sterilitätsfaktoren, die sich auch in der Qualität ihrer Eizellen wiederfinden.

Gerade in Großbritannien, wo konventionelle Eizellspenderinnen nicht für ihre Spende bezahlt werden dürfen, ist das Eggsharing eine sehr gute Alternative. Kliniken in England bewerben daher diese Methode offensiv und speziell zur Rekrutierung lesbische Paare mit Kinderwunsch.

Werden Spendering und Empfängerin der Eizellen schwanger, dann ergibt sich daraus 18 Jahre später ein seltsames Szenario: Das Kind der lesbischen Mutter kann dann in Erfahrung bringen, wer der Samenspender war, dem Kind der Empfängerin der Eizellen wird das gleiche Recht hinsichtlich der Eizellspenderin eingeräumt.

Leider ergeben sich in Deutschland solche Probleme nicht, da eine Eizellspende verboten ist.

Via Evening Standard


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Kommentar

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14 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Pat schreibt

    Und lesbische Paare sind hierzulande in KiWu Kliniken alles andere als begehrt. Eher im Gegenteil, den meisten wird eine Behandlung vorenthalten, wenn sie die Wahrheit sagen und nicht den Spender oder einen Freund als angeblichen Partner präsentieren.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Pat: Schon klar. Das ist für Deutschland nicht relevant. Die Aussage ist jedoch, dass die Chancen bei lesbischen Paaren (im Durchschnitt) besser sind als bei heterosexuellen Frauen. Das fand ich in dieser Deutlichkeit erstaunlich, wenngleich die Gründe auf der Hand liegen. Sorry übrigens für die platte Überschrift, mir fiel aber auf die Schnelle nichts Besseres ein…

  3. Elmar Breitbach
    jule schreibt

    Schön wärs! Hier sind wir alles andere als begehrt! Ich habe Endometriose und meine Frau ist mit 40Jahren auch nicht mehr die Jüngste, so benötigen wir wohl so wie es aussieht früher oder später eine IVF und finden hier kein KiWuZ.

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Pat und Jule: Ich habe die Überschrift mal editiert.

    Nein, in Deutschland ist es für lesbische Paare extrem schwierig bis unmöglich, sich behandeln zu lassen, insbesondere, wenn eine IVF notwendig ist.

  5. Elmar Breitbach
    snowqueen schreibt

    @ Doc. Naja, EXTREM schwierig ist es nun auch nicht, man findet schon die ein oder andere KiWu Klinik in Deutschland, die uns auch behandelt. Ich habe gerade meine erste H-ICSI hinter mir, meine Frau ihre 10. HI.
    Insofern gehören wir leider nicht zu den besonders fruchtbaren der lesbischen Frauen, aber zumindest wird uns die Behandlung nicht verwehrt.
    P.S. Wenn ich irgendwann mal schwanger wäre, hätte ich übrigens kein Problem mit Egg-Sharing. Besser so, als die armen "Kleinen" wegzuschmeißen. Schade, dass Deutschland immernoch so hinterherhinkt.

  6. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    Hm – in MEINER Praxis, eine der größten in Berlin, sitzen REGELMÄSSIG Frauen mit ihren Partnerinnen, neulich durfte ich ein süßes kleines Baby bewundern – und man bastelt am zweiten 🙂

    Also das scheint nun noch von Bundesland zu Bundesland und von Praxis zu Praxis verschieden zu sein.

    Das mit der EZS ist natürlich richtig – in D geht nix, wenn man Knickeier hat 🙁

  7. Elmar Breitbach
    Pat schreibt

    Ja Berlin. Nur leider ist Deutschland etwas größer und ja hier und da gibt es Zentren, die auch Lesben behandeln. Das scheint aber zur Zeit mehr Ausnahme als Regel zu sein.

  8. Elmar Breitbach
    jule schreibt

    Tja, wie Pat schon schrieb, Deutschland besteht aus mehr als nur Berlin. 😉
    Hier in BaWü habe ich leider noch kein KiWuZ aufgetan das uns eine H-IVF machen würde.Unsere 2Zentren hier im Ort weigern sich ja sogar eine eine HI bei uns zu machen.

  9. Elmar Breitbach
    Pat schreibt

    @jule: Also manchmal denken wir wirklich synchron. Ist schon lustig oder und das trotz der Distanz zwischen uns.

  10. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Ba-Wü? Die haben auch mit Heteros ein Problem.
    Wenn ich hier so lese dass man in andere Bundesländer auch ältere Paare behandelt(über 40), HI und so und in Ba-Wü nicht…
    Na ja, jedes Bundesland, jede Praxis, jedes Arzt…

  11. Elmar Breitbach
    Zuckerschnute1408 schreibt

    @ich: Wir machen HI in BaWü und das ohne Probleme. Ach ja, wir sind nicht mal verheiratet. Aber das spielt da nicht mal ne Rolle, weil die Kasse eh nichts zahlt und der Notarvertrag für uns und auch für die PraxiPflicht ist!!!
    Nur mal so als Bemerkung.

    @Pat+Jule: Schreibt ihr im Hi-forum? Steh gerade aufm Schlauch. Wenn nicht, dann kommt mal rüber, vielleicht kann man euch da Tips geben.

  12. Elmar Breitbach
    Pat schreibt

    @Zuckerschnute1408: Danke, aber nein ich schreibe nicht im HI-Forum. Es hat ja per Heiminsemination geklappt. Das jedoch ändert nichts an der gegebenen Situation. Dazu muss ich ja nicht zwingend selbst betroffen sein.

  13. Elmar Breitbach
    jule schreibt

    @Zuckerschnute
    Ja, ich schreibe im HI-Forum. Danke für Dein Angebot, aber eurer NICHT-verheiratet sein ist kein Argument, dass die Klink dann auch uns behandeln würde. Es ist die KiWuZ schon ein entscheidender Unterschied ob es ein nicht verheiratetes Heteropaar ist oder ein Frauenpaar. Letzters wird ihnen von ihren Ärtzteverbänden mit angeblich drohenden Sanktionen madig gemacht.
    Aber wir wollen ja sowieso grundsätzlich keine HI in der Praxis. Eine reine HI nutzt uns nix. Wir brauchen wohl früher oder später für mich eine H-IVF und das macht in erreichbarer Nähe zu uns KEINE Klinik in BaWü.

  14. Elmar Breitbach
    Zuckerschnute1408 schreibt

    @jule: Das ist mir schon bewußt, daß eure Situation eine völlig andere ist. Ich meinte mit der Antwort auch mehr @ich und nicht euch.
    Ich finde es völlig bekloppt, daß die Kliniken da so einen Aufstand machen. Man kann doch sicherlich alles schriftlich absichern, also warum? Diese Frage können die Praxen ja nicht mal selber beantworten.
    "Verboten" kann es ja wohl nicht sein, denn dann wäre es wohl auch in Berlin untersagt.

    Ich drücke euch die Daumen, daß ihr irgendwann die richtige Klinik findet.