Kampf um Embryonen verloren


Vor gut einem Jahr hatte eine 35jährige Britin vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt, eingefrorene Embryonen eingesetzt zu bekommen, der Expartner hatte zuvor dagegen geklagt und vor einem englischen Gericht gewonnen. Erstinstanzlich wurde diese Entscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof bestätigt und nun erneut in einem abschließenden Urteil.

Für die Patientin ist dies ein endgültiges Urteil in jeder Beziehung: Sie und ihr Partner begannen im Juni 2000 eine künstliche Befruchtung in einer Klinik in Bath. Alsbald stellten die Ärzte jedoch eine Krebsgefahr für Evans’ Eierstöcke fest und empfahlen, diese zu entfernen. Zuvor führten sie jedoch einen In-Vitro-Fertilisations-Zyklus durch und stellten dabei sechs Embryonen her, die sofort tiefgefroren wurden. Anschließend wurden die Eierstöcke der Frau entfernt. Nach zwei Jahren gaben die Ärzte Natallie Evans grünes Licht für die Einpflanzung eines der Embryonen. Inzwischen hatte sich jedoch ihr Partner von ihr getrennt und auch seine Zustimmung zur Einpflanzung der Embryonen zurückgezogen. Nach englischem Recht mussten die Ärzte deshalb untätig bleiben.

Der Straßburger Gerichtshof erklärte nun, dass er große Sympathie für Evans’ Anliegen habe, die Klage aber dennoch abweisen müsse. Der Fall liege leider so, dass kein Kompromiss zwischen ihren Interessen und denen ihres Expartners möglich sei. Die englische Rechtslage, die bei der Einpflanzung eines Embryos die Zustimmung beider genetischer Eltern erfordere, müsse akzeptiert werden. Sie stelle eine „faire Balance“ der verschiedenen Interessen dar.

Schließlich werde auch J.’s Wunsch, kein gemeinsames Kind mit Evans zu haben, vom Recht auf Privatleben geschützt. Außerdem habe die strenge englische Regel den Vorteil, dass sie Rechtssicherheit schaffe und lange Interessensabwägungen vermeide. Evans ihrerseits habe gewusst, dass ihr Partner jederzeit das Einverständnis zurückziehen kann, als sie sich auf die künstliche Befruchtung einließ. Sie könne im übrigen immer noch Mutter werden, etwa indem sie ein Kind adoptiere. Die Entscheidung fiel mit 13 zu vier Richterstimmen. Sie bestätigte in zweiter Instanz eine Straßburger Entscheidung vom März 2006. Ein weiteres Rechtsmittel ist nicht möglich. Die Embryonen werden nun voraussichtlich vernichtet.


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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    fassi schreibt

    Sehr tragisch, was Fr. Evans passiert ist, da sie ja nach früherem Stand der Technik keinerlei Chance hatte unbefruchtete Eizellen einzufrieren, was nun möglich scheint.
    Aber die juristische „Fairness“gebietet, Rechte beider Partner zu achten – kann nicht biologisch relativiert werden, weil es „biologisch unfair“ ist.
    Entweder hätten sie einen Zusatzvertrag machen müssen, dass befruchtete Eizellen auf jeden Fall ohne zeitliche Begrenzung eingesetzt werden dürfen, oder bis zu einem best. Termin – bleibt fraglich, ob das juristisch zulässig wäre, künftige Fortpflanzung so abzusichern.

    Eine absurde Variante: Sie hätte zur "Sicherheit" ,da sie durch die O.P. ihre Fruchtbarkeit sicher verliert, einige Eizellen durch Samenspende befruchten lassen müssen – keine reale Idee – man lässt sich ja als Paar behandeln, wobei das gemeinsame Entschliessen u. Durchstehen eigentlich ein hoher Vertrauensbeweis ist.

    Aus Paarsicht ist die dtsche Gesetzes-Unterscheidung Kryo-Embryo oder Kryo-PN sowieso völlig egal.
    Kryos stehen immer für zukünftige Chancen auf Kinder.
    Vermutlich auch daher findet man dies in einem dtsch. Kryovertrag ( Quelle: IVF-Augsburg ):
    „Falls aus irgendwelchen Gründen einer der Ehepartner die Vernichtung der Eizellen wünscht, werden die Eizellen bzw. Vorkernstadien aufgetaut und verworfen. Kündigungen müssen schriftlich mit Datum und Unterschrift beider Partner an das Labor der Gemeinschaftspraxis gerichtet werden.
    Bei Trennung, Tod eines oder beider Partner, Vertragsablauf oder Vertragsbruch werden die Eizellen bzw. Vorkernstadien aufgetaut und verworfen."

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich fühle mit Frau Evans. …

  3. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Ich auch. Es ist halt ein sehr spezieller Fall und keine Alternativen sind möglich. In Deutschland ist es in der Tat so geregelt, wie Fassi es bereits erwähnte, das Problem wäre also das gleiche gewesen

  4. Elmar Breitbach
    Andra n.e schreibt

    Einfach unmenschlich! Leben durch solche Verträge und Gesetze zu regeln!
    Und das einer Frau antun die niemals Kinder kriegen kann. So ein Mann!
    Und ja – man muß sich sehr gut informieren und man muß beraten sein wenn man Kryo macht und bei solche Krankheiten.
    Was ich nicht verstehe: EU-Gerichtshof hat keine eigene Regeln, benützt die eines Landes? Tja, was nützt es dann einem dort zu klagen?

  5. Elmar Breitbach
    Kunstkoma schreibt

    Das nenne ich ein Drama. So ein Schicksal geht mir wirklich ans Herz. Ich brauche jetzt erst mal ein Taschentuch… Die arme Frau. 🙁

  6. Elmar Breitbach
    Sabine schreibt

    Diese Frau kann einem wirklich nur Leid tun. Schon der Schicksalsschlag Krebs zu haben und damit leben muessen, dass er immer wieder ausbrechen kann und dann auch noch auf eigenes Leben verzichten muessen. Mich hat sich inzwischen auch die Frage gestellt, fremde Eier oder dann gar kein Kind. Noch hoffe ich selber Schwanger zu werden, aber die Hoffnung ist sehr gering. Aber ich glaube ich wuerde einem Kind von einem fremd Ei nicht gerecht werden koennen. Da ich diese Zweifel habe, sage ich, dann lieber keine Kinder. So ein Fall wie der von Frau Evans nimmt micht daher umso mehr mit. 🙁