USA: Wirtschaftskrise trifft IVF-Zentren


Die Behandlung mit Hilfe der künstlichen Befruchtung ist teuer und in Zeiten der Wirtschaftskrise schrecken die Menschen vor großen Ausgaben zurück. Während in Deutschland ein Teil der Kosten von den Krankenkassen übernommen wird, gibt es viele Länder, in denen dies nicht der Fall ist. So z. B. in den USA. Dort sind von dem Paar üblicherweise ca. 15.000 Dollar für eine einzige IVF-Behandlung zu zahlen. Nachvollziehbar, dass sich dies bisher ohnehin nur ein Teil der kinderlosen Paare leisten konnte und ebenso nachvollziehbar ist nun ein deutlicher Rückgang der Behandlungszyklen, wenn Arbeitslosigkeit und finanzielle Engpässe drohen.

Discount-Angebot in den USA
Discount-Angebot in den USA
Viele Kliniken in den USA steuern nun dagegen und bieten den Paaren Preisnachlässe zwischen 2.000 und 6.000 Dollar pro Behandlung an. So bietet das renommierte Columbia University Center for Women einen IVF-Einstiegspreis von 6.950 Euro auf ihrer Webseite an. „Vermutlich werden einige IVF-Zentren ihr Geschäft aufgeben müssen, unter anderem auch, weil die geburtenstarken Jahrgänge (Baby-Boomers) mit ihrer Familienplanung durch sind und ihre Kinder (Echo-Boomers) die Familienplanung noch nicht aufgenommen haben.“ vermutet ein amerikanischer Reproduktionsmediziner.

Pay one, get two

Auch Pauschalangebote für mehrere Behandlungen sollen im umkämpften Markt helfen. So werden von vielen Zentren zwei Behandlungen für den Preis von einer angeboten, oder wie im Fall der Xpert Fertility Care drei Behandlungen für den Zeitraum von zwei Jahren für 25.000 Dollar. Man kann sich darüber hinaus 500 Dollar hinzuverdienen, wenn man Patienten an die Klinik vermittelt.

In solche Programme werden allerdings nur Patienten mit guten Voraussetzungen aufgenommen (jünger als 35 und unauffällige Hormonbefunde), in der Hoffnung, dass eine Schwangerschaft bereits im ersten Behandlungszyklus eintritt. Diese paare hätten dann natürlich im Nachhinein sehr viel mehr bezahlt als notwendig. Wer allerdings nach drei Zyklen nicht schwanger wurde, bekommt sein Geld bis auf einen Einstandsbetrag von 6000 Dollar komplett zurück.:

Once you have delivered your baby during any one of these cycles, XFC has earned its’ fee. In the event treatments have been unsuccessful, you will be refunded the fee less the specified non-refundable enrollment fee. Obviously, couples who successfully achieve pregnancy and deliver during the first cycle will pay more for their care than with traditional fee-for-service medical payments. On the other hand, if you are unsuccessful, XFC assumes the bulk of the cost. That is why this program is called IVF Shared-Risk.

Es handelt sich somit für die Klinik auf eine finanziell lukrative Wette auf den frühen Eintritt einer Schwangerschaft. Womit wir auch wieder bei möglichen Gefahrenszenarios wären: Wird ein Arzt, der eine solche „Wette“ eingegangen ist, wirklich geneigt sein, nur zwei oder gar einen Embryo zu transferieren, obwohl dies medizinisch sinnvoll wäre?

Wer jetzt arüber nachdenkt, dass es trotzdem schön wäre, wenn eine solche Preisgestaltung auch in Deutschland möglich wäre, den muss man enttäuschen: Da deutsche IVF-Zentren sämtlich kassenärztlich geführt werden, müssen sie die Behandlungen auch entsprechend der Kassenrichtlinien durchführen. Eine freiere Preisgestaltung ist lediglich bei Selbstzahlern möglich, also Paaren, die aus bestimmten Gründen (Alter, nicht verheiratet, mehr als drei erfolglose Behandlungen in der Vorgeschichte) aus dem Kassensytem herausfallen. Und für diese sind die Kosten in Deutschland wesentlich geringer als in den USA, wobei wir uns natürlich auch mit Kliniken aus dem benachbarten Ausland messen müssen.

Via New York Post


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Skorllan schreibt

    Das stimmt so nicht ganz. Bei mir wurden 90% der Kosten (bis zu 4 IVFs und 4 Kyros) uebernommen und ich war bereits 40. Es kommt ganz darauf an, welchen Plan die Firma mit der Krankenkasse abgeschlossen hat. Bzw eigentlich ist es in einigen Staaten sogar gesetzlich festgelegt, dass die Kosten uebernommen werden muessen. Aber es gibt wohl doch einige Schlupfloecher.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Skorllan: Stimmt schon. So pauschal kann man nicht sagen, dass die Kosten nicht übernommen werden, aber die meisten Versicherungen haben die IVF ausgeschlossen

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    "Preisnachlässe zwischen 2.000 und 6.000 Dollar pro Behandlung" – da sieht man mal, wie überteuert die Behandlungen in den USA sind. Offensichtlich läßt sich nach so einer Preisreduzierung immer noch gut verdienen.

    Ich würde sagen: Sinkende Preise waren schlicht mal angesagt und sind nun ein positiver Effekt der Wirtschaftskrise.

  4. Elmar Breitbach
    chesire schreibt

    Uh, ich finde das ethisch schwierig und frage mal ganz plakativ:

    Ist der (unerfuellte) Kinderwunsch eine Krankheit?
    Und duerfen bei der Behandlung von Krankheiten solche Rabatte eine Rolle spielen?

    Die Anfrage einer Apotheke, ob man im Rahmen eines Tags der offenen Tuer nicht rezeptfreie Arzneimittel zur "Degustation" anbieten koenne, haben wir mit einem deutlichen NEIN beantwortet. Arzneimittel sollen nur bei entsprechender Indikation eingenommen werden, nicht "zum Spass".

    Wie ist das mit Kinderwunschbehandlungen?

    *smile*
    Oder haette mir mein Gynaekologe ein Rabattheftchen mit dem jede 10. Behandlung gratis ist, anbieten sollen? Ich haett’s vermutlich sogar genommen:)

    Alles eine Sache der Kultur. Soviel zur universellen Weltethik:/

    ches – mit einem Augenzwinkern

  5. Elmar Breitbach
    Steffi schreibt

    Sogenannte ’shared risk‘ Anbieter gabs auch schon vor der Wirtschaftskrise. Aber wie erwaehnt, eben nur fuer Leute mit optimalen Voraussetzungen. Ich verstehe nicht ganz wo der Discount herkommen soll, denn der Verdienst des IVF centers ist nicht so dolle, die Krankenhaeuser fressen da den groessten Anteil auf. Ich hatte ja mal nen detaillierten Kostenvoranschlag eines US centers und der Arzt verdient ganz deutlich unter 6000 Euro. Hm…