Gender balancing


Ist neudeutsch und bedeutet „Mädchen oder Junge„. Der Begriff darf aber auch ruhig neudeutsch bleiben, erstens weil „Geschlechter-Ausgleich“ oder Geschlechtswahl nicht schön klingt und zweitens, weil es in Deutschland verboten ist. Wie in dem eingangs erwähnten Artikel gibt es nur wenige zuverlässige Methoden. Die zuverlässigste ist natürlich eine künstliche Befruchtung durchzuführen und mit Hilfe einer genetischen Untersuchung der Embryonen (PID) herauszufinden, ob der Embryo männlich oder weiblich ist.

In den USA lassen sich (wohlgemerkt fruchtbare) Paare diese Geschlechtswahl bis zu 20.000 Dollar kosten. Kein Pappenstiel aber offenbar ist es manchen Paaren das wert. Methoden zur Spermiensortierung werden ebenfalls verwendet, sind jedoch längst nicht so zuverlässig.

Nun hat sich in den USA das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) dazu geäußert: Sprecher halten „die gezielte Auswahl des Geschlechts von Kindern in der In-vitro-Fertilisierung nur bei begründeter medizinischer Indikation für ethisch vertretbar. In Ethics in Obstetrics and Gynecology (Ausgabe Februar 2007) werden die Gynäkologen aufgerufen, sich „sexistischen“ Wünschen der Eltern zu verweigern.

Mehr zu Methoden und der ethischen Debatte gibt es in der online-Ausgabe des Ärzteblatts


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211 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    fassi schreibt

    @ Dr. Dahl, der link findet sich im Beitrag # 26 von Dr. Wischmann

    es handelte sich um ein Sondervotum des Dr. Hennecke bei d.
    Bioethik-Kommission Rheinland-Pfalz, Bericht 12/2005:
    Fortpflanzungsmedizin und Embryonenschutz
    Medizinische, ethische und rechtliche Gesichtspunkte zum Revisionsbedarf von
    Embryonenschutz- und Stammzellgesetz
    und …Dr. Platteau/Belgien berichtet über deutsche PID-“Touristen“

    @ interessierte Mitleser, diese Forderung wars
    Quelle: Sondervotum Dr. Hennecke / Ethikkommission RLP
    link s.o Beitrag # 29 (Seite 130 ff im verlinkten pdf-Dokument ) Zitat :
    „… Wer sich in einen entgrenzten Raum begibt, dem können die herkömmlichen Begründungen von Rechtund Moral nicht mehr helfen.
    .. Desgleichen bleibt es dem ethischen Diskurs originär und dauerhaft aufgegeben, einen deutungsoffenen Begriff der Menschenwürde inhaltlich zu begründen.
    … Die These hat dem laufenden Duktus und den Folgerungen des Kommissionsberichtes wie ein Mahnzeichen zum Innehalten, gleichsam „katechontisch„, entgegengestellt werden sollen.
    …. Das Sondervotum empfindet es als einen Mangel, dass die Kommission eine Kapitulation der Verfassungsrechtswissenschaft vor der pluralistischen Inter-pretation des Begriffs der Menschenwürde (Art. 1 GG) ohne weiteres hinnimmt.
    … aus einem konstatierten „Pluralismus„ der Auslegung ohne weiteres auf eine Leere des Begriffes zu schließen. So lässt sich leicht eine Freiheit des Gesetzgebers zu „liberalen„ Regelungen ableiten.
    … Es wird dann aber vergessen, dass eine Inhaltsleere der Verfassungsnorm gerade auch gegenläufige Freiheiten des Gesetzgebers eröffnet: Er könnte ja die Leere durch positives Recht füllen und etwa den Embryonen-schutz noch strenger regeln als bisher. “

  2. Elmar Breitbach
    fassi schreibt

    hier eine Gegenposition von Dr. Dieter Birnbacher, Zitat :

    „…Es gibt mehrere Gründe, mit dem Begriff der Menschenwürde in der Bioethik sparsam umzugehen. Ein Grund ist der Verdacht, daß die Emphase und das Pathos dieses Begriffs vielfach dazu herhalten, die Blöße mangelnder Argumente gegen eine ungeliebte Praxis zu bedecken. In der Tat sind die Schwierigkeiten, rationale Gründe etwa gegen die Leihmutterschaft oder die Embryonenforschung geltend zu machen, nicht zu unterschätzen. Die Tatsache, daß diese Praktiken von einer großen Mehrheit der Bevölkerung – und wahrscheinlich auch der Intellektuellen – spontan abgelehnt werden, ist ja für sich genommen kein hinreichender Grund, sie für moralisch unzulässig zu halten, geschweige denn – wie im Embryonenschutzgesetz von 1990 geschehen – sie strafrechtlich zu verbieten. In einer solchen Situation des Argumentationsnotstands muß das Menschenwürde-Argument als "knock-down"-Argument besonders willkommen sein…“
    Quelle: Gesellschaft f. kritische Philosophie , Singer-Heft, Artikel:
    "Mehrdeutigkeiten im Begriff der Menschenwürde“ http://www.gkpn.de/singer2.htm

  3. Elmar Breitbach
    Dr. Edgar Dahl schreibt

    @ rebella – # 196

    Es allein den ELTERN zu überlassen, ob sie die gesundheitliche Gefährdung des Kindes in Kauf nehmen wollen, lässt uns natürlich sogleich fragen: „Und was ist mit den Kindern? Sollen die gar nicht gefragt werden? Schließlich sind sie es, die mit den möglichen Gesundheitsschäden leben müssen!“ Doch wie unter # 150 bereits erwähnt, kann man Kinder nun einmal nicht fragen, ob sie zur Welt kommen wollen. Wir können nur uns selbst fragen, ob es im Interesse unseres Kindes ist, geboren zu werden. Wenn absehbar ist, dass es aufgrund seiner Fehlbildungen bereits kurz nach der Geburt sterben wird, ist es sicher nicht in seinem Interesse, auf die Welt zukommen. Was aber, wenn es nur moderate Fehlbildungen erleiden wird und ein weitgehend normales Leben führen kann? Ich denke, diese Frage müssen die Eltern jeweils für sich selbst entscheiden, und zwar so, dass sie sie vor ihrem Kind verantworten können. Wer sonst sollte auch entscheiden? Da man das betroffene Kind selbst nicht fragen kann, bleiben nur der Staat und die Eltern. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass irgend jemand wieder den Staat darüber entscheiden lassen wollte, wessen Leben „lebenswert“ ist und wessen nicht nicht. Die einzige Alternative ist daher die elterliche Entscheidung. Gewiss, einige Eltern werden eine Entscheidung treffen, die viele von uns als unverantwortlich betrachten werden. Doch dies ist immer noch das geringere Übel als eine staatlich verordnete Eugenik.

  4. Elmar Breitbach
    Dr. Edgar Dahl schreibt

    Eine andere interessante Frage: Warum ist es moralisch unzulässig, dass sich Paare, die eine IVF-Klinik in Anspruch nehmen, das Geschlecht ihres Kindes aussuchen, aber moralisch zulässig, dass sich Paare, die eine Adoptionsagentur in Anspruch nehmen, das Geschlecht ihres Kindes aussuchen? Ich weiß gar nicht, wie es hierzulande ist, doch in den USA können sich Paare, die ein Kind adoptieren wollen, sowohl das Geschlecht als auch die Rasse aussuchen. Muss man den Adoptionsagenturen folglich „Sexismus“ und „Rassismus“ vorwerfen?

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Fassi:

    Die Aussage des Herrn Dr. Birnbacher zur Menschenwürde werde ich in meine Sammlung aufnehmen. Vielen Dank für das Zitat.

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @ Dr. Dahl:

    Ihre philosophische Frage passte jetzt gerade nicht zu dem, was ich meinte. Wie Frau Dr. Lenzen-Schulte in #109 und #146 schrieb, soll die Zulässigkeit von IVF und Co. sich trotz der (bisher noch nicht eindeutig bewiesenen) möglichen Fehlbildungen nur auf einer Güterabwägung begründen. Das heißt, man würde dies eigentlich auch alles nicht zulassen, tut es aber, weil damit eigentlich unfruchtbaren Paaren zum eigenen Kind verholfen werden kann. Im Falle der PID wäre aufgrund einer Güterabwägung diese im Fall schwerer Erbkrankheiten trotzdem zulässig, obwohl zu befürchten ist, dass dadurch noch zusätzliche Fehlbildungsrisiken entstehen. Für irgendwelche Luxusgüter wie Geschlechtsbestimmung jedoch wäre die Methode abzulehnen. Das kann ich so weit auch nachvollziehen. Ich kann auch die Aussage nachvollziehen, dass man sagt, dem bereits in der Petrischale vorhandenen Embryo sollte man nicht unnötigerweise eine weitere Technik zumuten, die dazu führen kann, dass er nicht gesund, sondern mit irgendwelchen Handicaps geboren wird. Das jedenfalls kann nicht im Interesse des Kindes sein.

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @Dr. Dahl [2]

    Meine Kritik an der Aussage besteht lediglich darin, dass es sich hier zu einem großen Teil um reine Spekulation handelt. Die Zahl der festgestellten Fehlbildungen ist so niedrig, dass man bisher trotz verschiedener Untersuchungen nicht zweifelsfrei sagen kann, ob das wirklich eine Folge der ICSI ist. Im Fall der PID scheint es schon erst recht keine Studien zu geben. Da ist die Spekulation, die Frau Dr. Lenzen-Schulte ins Spiel führte, ein möglicher Schaden aufgrund der Verringerung der Zellmasse (da ja dem Mehrzeller einige Zellen entnommen wurden). Dies ist für mich erstaunlich, dass man so spekuliert, da es dann ja auch erhöhte Fehlbildungsraten bei eineiigen Zwillingen geben müsste.
    Auch hat man anscheinend nicht untersucht, ob vielleicht bestimmte andere Krankheiten nach ICSI seltener auftreten. Und so lange dies Spekulation ist, reicht das meines Erachtens nicht für ein Verbot. Das Beziehen auf Folgeschäden ist dann nur ein vorgeschobener Grund, hinter dem eigentlich was ganz anderes steckt.
    Wenn – wie Sie schreiben – bisher herausgefunden wurde, dass nach der Spermienselektion Fehlbildungsraten sogar geringer waren, dann gibt es für diese Methode das Argument „Fehlbildungen“ ja auch nicht. Außerdem entfällt dabei der Eingriff an dem bereits existierenden Embryo.

  8. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @ Dr. Dahl:

    Ihre Frage aber: „Wenn wir Paaren, die Träger einer genetischen Erkrankung sind, erlauben, Kinder zu haben, die mit einer Fehlbildung geboren werden, wie können wir dann Paaren, die auf eine IVF, ICSI oder PID angewiesen sind, verbieten, diese Technologien zu nutzen?“ kann ich nur so beantworten, dass wir grundsätzlich keinem Paar – egal, wie ihre genetische Vorbelastung ist – die Fortpflanzung an sich verbieten dürfen. Fortpflanzung ist unser Grundrecht und dafür trete ich hier auch im Besonderen ein. Ich habe mich übrigens auch mit einer Petition für das Inzest-Geschwisterpaar eingesetzt und in meiner Begründung u.a. den Vergleich mit Paaren mit Erbkrankheiten gestellt. Und wenn es technische Möglichkeiten gibt, die unfruchtbaren Paaren zum Kind verhelfen können, dann dürfen die meines Erachtens ebenfalls nicht verboten werden, da dies ein unzulässiger Eingriff des Staates in die Fortpflanzungsrechte der Menschen ist. Das Recht auf Fortpflanzung (bzw. das Recht, sich um Fortpflanzung zu bemühen) ist ein Grundrecht (obwohl hierzulande ja auch nicht als solches anerkannt). Das explizite Recht auf ein Mädchen oder einen Jungen ist kein Grundrecht.

  9. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @ Dr. Dahl:

    Zu den Adoptionsagenturen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in Deutschland das Geschlecht des zu adoptierenden Kindes wählen darf. Letzten Endes bliebe es aber immer dem Paar vorbehalten, das Kind wieder abzugeben. Die Kinder kommen ja eh erstmal nur probeweise in die Familien. Allerdings kann ich mir wieder kaum vorstellen, dass ein Paar, das das Glück hat, endlich ein Kind zur Adoption angeboten zu bekommen, dies wegen dem falschen Geschlecht ablehnen wird. Ich weiß aber, dass man wählen darf, ob man ein gesundes oder ein behindertes Kind adoptiert. Das aber ist im Interesse des Kindes. Ein zu adoptierendes Kind ist eben erstmal nicht das eigene Kind, das man so annimmt, wie es ist. Die Vermittlungsentscheidungen sollen ja immer im Interesse des Kindes erfolgen. Da sich 13 Wunschadoptiveltern hierzulande auf ein zu adoptierendes Kind bewerben, glaube ich eher nicht, dass da Paare mit allzu expliziten Wunschvorstellungen überhaupt zum Zuge kommen. Anders wäre es sicher, wenn es mehr Kinder gäbe als Paare, die eins annehmen wollen. Da müsste man die Kinder dann ja notgedrungen unterbringen und könnte nicht so viel an den potentiellen Eltern herummäkeln.
    Die Adoptionsagenturen in den USA kann man sicher hier nicht ins Feld führen, da ja in den USA auch PID zur Geschlechtsbestimmung erlaubt ist. Somit geht man dort ja konform.

  10. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @ Doc Breitbach:

    Auf meinem Rechner dauert das jetzt schon ca. 5 Minuten, bis sich nach Absenden eines Kommentars die Seite wieder vollständig aufgebaut hat. Ich weiß nicht, wie schwierig das inzwischen bei den anderen Teilnehmern geworden ist.

    Wäre es nicht möglich, für eine weitere Diskussion hier einen neues Thread aufzumachen oder eine zweite Seite hierzu?

  11. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Hier geht es weiter mit der Diskussion. Technisch geht es auch noch anders, aber dazu müsste ich ein neues Plugin installieren und dazu fehlt mir gegenwärtig die Zeit. Die Kommentare hier schließe ich, damit es kein Durcheinander gibt.

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