Eizellspenderin in der Zwickmühle


Wenn ich nur einen Punkt im deutschen Embryonenschutzgesetz ändern könnte, dann würde ich die Eizellspende erlauben. Nicht, dass ich der Meinung bin, dass andere Änderungen nicht auch wichtig wären. Wenn man jedoch Patienten bereits eine geraume Zeit behandelt und dann feststellt, dass nur eine Eizellspende helfen kann, ist es unschön, diese Patientinnen ins Ausland schicken zu müssen.

Worüber ich mir jedoch bisher wenig Gedanken gemacht habe, ist die Situation der Eizellspenderinnen. Natürlich habe ich mich unengagiert ein wenig über den Handel mit Eizellen aus Rumänien aufgeregt, bin aber bisher der Meinung gewesen, dass ein vor- und umsichtiger Umgang mit Eizellspenderinnen mein Gewissen gegebenenfalls nicht so sehr belasten würde, wenn ich der Auffassung sein kann, dass die Spenderinnen nicht ihre gesamte Familie mit den Spenden ernähren müssen und idealerweise auch von einem gewissen Altruismus getrieben werden, ihre Eizellen zur Verfügung zu stellen.

Auf der Seite von Tertia Albertyn (einer Frau, die nach 9 IVF-Versuchen schwanger wurde und ein Buch darüber geschrieben hat, englisch, lesenswert, wenngleich ich es noch nicht durchhabe), berichtet eine Eizellspenderin über eine Zwickmühle, in der sie sich befindet:

Sie hat bisher 7 mal innerhalb von zwei Jahren ihre Eizellen gespendet. Nun, da sie berufstätig und geschieden ist, braucht sie eine Auszeit und hat gelegentliche Anrufe der Kinderwunsch-Klinik abschlägig beschieden. Nun aber wandte sich ein Paar erneut an sie, welches bereits ein Kind mit ihren Eizellen bekommen hat und sich nun ein Geschwisterchen wünscht, welches dem ersten genetisch gleicht.

Sie sagte zu, alle freuten sich, nur ihr selbst kommen ernsthafte Zweifel, die hier nachzulesen sind. Hat die Familie einen Anspruch auf eine erneute Eizellspende durch sie? Ist es ok, egoistisch zu sein und abzulehnen, weil man ausgelaugt ist und einfach Angst vor einer weiteren Stimulation und Punktion hat? Dies wird in den Kommentaren diskutiert und ist spannend zu lesen. Man möchte nicht in ihrer Haut stecken…


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Kommentar

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15 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ute schreibt
  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Schön, ein happy end.

    Die Kommentare beim ersten Posting sind interessant zu lesen, zeigen sie auch die Ansprüche der Eizellempfänger, wenn man die Spenderinnen wie aus dem Katalog aussuchen kann:

    […]I certainly had to hear our patients complain that the donors they were being offered were unacceptable for a variety of reasons. Overweight sister, brother with ADD, under 5′ 5", etc. It must be terrible to have to deal with someone who thinks you would be willing to raise a child with such defective genes (ICSI‚d with your 5‘ 7", pudgy nearsighted husband’s backwards-limping sperm).

    Ein Grund, die Auswahl dem Zentrum zu überlassen, welches diese an wesentlichen biologischen Daten orientiert (Blutgruppe, Haar- und Augenfarbe, Körpergröße, ethnische Zugehörigkeit), wie es in Deutschland bei Spermienspendern üblich ist.

  3. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Ja, Shamhats Ironie hatte es mir auch angetan. *g*

    Nun hat die Empfängerin im obigen Fall ja schon ein Kind von dieser Spenderin, daher gibt es für die Klinik an sich vermutlich wenig Gründe, die selbe Spenderin für ein zweites Mal abzulehnen. Selbst wenn das Zentrum die von Ihnen genannten Kriterien anlegt, kommt am Ende doch auch immer wieder die ursprüngliche Spenderin mit in die Ergebnismenge der Datenbankabfrage?

    Aber man könnte überlegen, ob man die Anzahl der insgesamt möglichen Spenden pro Person nicht einfach auf (… ja, wieviel? Fünf evtl.?…) begrenzt. Oder auch die Anzahl von Spenden von einer Person an eine bestimmte Familie.

    Hier hat die Spenderin Glück gehabt; die Eltern des ersten Kindes sind verständnisvoll, daß sie es sich anders überlegt hat. Aber aus den Kommentaren bei Tertia wird ja auch ersichtlich, daß einige Empfängerfamilien aus der genetischen Zusammensetzung des ersten Kindes in der Tat fast schon eine Art "Anrecht" auf eine zweite Spende ableiten. Da ist von "am Boden zerstört sein" die Rede, falls diese Spenderin dann nicht noch einmal antreten will. Es wird lamentiert, als sei das eine absolute Katastrophe; eine Kommentatorin setzt eine Ablehnung gar gleich mit einer Fehlgeburt oder dem Tod eines bereits geborenen Kindes, was ich abslout krank finde.

    Manche wollen sich überhaupt nur behandeln lassen, wenn die Spenderin quasi garantiert, daß sie irgendwann später wieder für neue Versuche zur Verfügung steht. Was für mich persönlich inzwischen ein Grund mehr wäre, mich gar nicht erst als Spenderin registrieren zu lassen. Der moralische Druck wäre mir zu groß. Die Angst, an ein Paar zu geraten, das so denkt und dann womöglich die Krokodilstränen fließen läßt, falls ich nein sage.

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Nein, Shamhats Beschreibung des Auswahlsvorgangs war für mich das Problem.

    Ansonsten ist es ja auch so. Ich kann jetzt nur von Spermienspenden sprechen: Man wird versuchen, für ein zweites Kind, die Spermien des gleichen Spenders zu verwenden. Was bei Spermien weniger ein Problem ist,d a sie sich einfrieren lassen im Gegensatz zu unbefruchteten Eizellen, bei denen das zwar auch geht, aber nur schlecht.

    Und die Reduktion auf eine bestimmte Zahl gezeugter Kinder ist auch üblich.

    Dieser Anspruch, der in dem Vergelch mit einer Fehlgeburt gipfelt, spiegelt in meinen Augen auch nicht zuletzt die Konsumdenke und die Reduktion der Spenderin auf die Stufe einer bezahlten Dienstleisterin.

    Erfreulich, dass es die Eltern in diesem Fall nicht so sahen

  5. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    "Nein, Shamhats Beschreibung des Auswahlsvorgangs war für mich das Problem."

    Ähm… *grübel* Ich hatte das als Ironie verstanden. Shamhat (eine US-Amerikanerin) karikiert doch die nölenden Ei-Empfängerinnen, denen die von der Klinik in den USA zugeteilten Spenderinnen nicht gut genug sind. Die sich dann beschweren, die Spenderin hätte eine übergewichtige Schwester, einen Bruder mit ADS und sei außerdem keine 1,80 groß. Dann anschließend Shamhats eigener ironischer Kommentar, daß es ja furchtbar sein muß, ein Kind mit so furchtbaren Genen großzuziehen – zu denen der eigene kurzsichtige, fettleibige Ehemann aber auch nur seine rückwärts humpelnden Spermien hinzugeben kann.

    Der Auswahlprozeß an sich wird von Shamhat doch gar nicht beschrieben? Oder mißverstehen wir uns hier auf ganzer Linie?

  6. Elmar Breitbach
    Andra n.e schreibt

    Erst mal eine Frage:
    Wieso haben die Leute sie kontaktiert? Ist die Eizellenspende, anders als die Spermaspende, nicht anonym?
    Tja, dass Geschwisterchen von derselbe Frau sein müßen sehe ich auch nicht so ein "muß".
    Dann:
    Ich kann die Zwickmühle verstehen:
    Auf der eine Seite braucht man das Geld, auf der andere denkt man auch an sich und das eigene Körper

    "vor- und umsichtiger Umgang mit Eizellspenderinnen"
    Und Doc, wie genau würden sie das mit der Eizellenspende machen?
    Wie könnte man die Risiken verbunden mit der Spende vermeiden?
    Ein Weg würde die Benützung der gesamten Embryos die bei alle IVS/ICSI übrig bleiben (sie zu spenden.
    Künstliche Eizellen vielleicht? (Habe irgendwo gelesen Sperma kann man schon künstlich)produzieren.
    Wieder die Frage mit der vorzeitige( also in junges Alter) Einfrierung der Eizellen.
    Zur Zeit ist es leider eine Realität dass: auch Zellenspende (ob Sperma oder Eizellen) ein Weg aus dem Armut ist und dass es manche Risiken birgt.
    Man könnte theoretisch gesetzlich regeln dass man das unentgeltlich machen soll, aber wer würde seine Gesundheit und Privatsphere umsonst riskieren?
    Es wäre da noch eine Möglichkeit: die Spende von Verwandten/Freunden, die es einmalig und ohne Geld tun würden.
    Und wegen den Auswahlkriterien:
    Auf der eine Seite, verstehe ich dass reiche Leute sich Katalogkinder suchen/wünschen und auch leisten, aber auf der anderen Seite, wenn man bei einer Adoption ein Kind annimmt egal von wo und wie, wieso denkt man bei eine Spende anders?

  7. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    1. Der Kontakt wurde über die Klinik hergestellt.
    2. Das Geld ist, wie der Text klar darlegt, diesmal eben gerade kein Thema und daher kein Bestandteil der Zwickmühle.

    Die Zwickmühle bestand einzig und allein aus der vorschnell gegebenen Zusage auf der einen Seite und dem Widerwillen auf der anderen Seite, sich dieser ganzen Prozedur nochmals zu unterziehen – aus persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Gründen.

  8. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Die Frage: "Hat die Familie einen Anspruch auf eine erneute Eizellspende durch sie?" ist ganz einfach zu beantworten. Selbstverständlich nicht! Die Familie darf anfragen, ob sie denn noch einmal spenden würde, ja! Aber ein Anspruch? Wie bitte?

    Bei uns war´s übrigens ähnlich. Der erste Spender war nicht mehr verfügbar. Wir haben anfragen lassen, keine Antwort bekommen – Tja, dann war´s eben so. Was soll´s? Heute übrigens: Zum Glück! Denn unseren "Kleinen" würde ich nie und nimmer tauschen!

  9. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Ute: nein, ja, doch, ich habe Shamhats Beitrag auch als Ironie verstanden, jedoch als persiflierte Widerspiegelung (kann mir mal jemand sagen, ob es "widerspiegeln oder "wiederspiegeln" heißt?) tatsächlich stattfindender Vorgänge in den Kliniken, die ich als problematisch ansehe, wenn sie so ähnlich stattfinden.

    Und sie beschreibt doch (trotzdem danke für die Übersetzung :-D) eben die Ansprüche und Auswahlkriterien der Eizellempfänger,die letztlich mehr über die Spenderinnen zu wissen scheinen, als ihnen gut tut

  10. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Widerspiegelung. Mit kurzem i. :o)

    Solange man auch private Datenbanken anzapfen kann, um Spenderinnen zu finden, wird sich die Informationsvielfalt wohl leider nicht vermeiden lassen. Letztendlich gewinnen dann halt die Anbieter, die am meisten über ihre Spenderinnen in der Datenbank preisgeben, schätze ich. :o/

  11. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    PS: "The founder of Renew Fertility, Robin Newman, interviewed by telephone from her base in California, says she prefers working in South Africa because in the US the business has become “borderline prostitution”. Donors have been known to be paid “$8000 and even $50 000 in an unregulated market”, with payment according to “skin colour, hair colour and attractiveness.” The prettier and more intelligent you are, the more you get paid, says Newman."

    ( http://www.vuvuzelaonline.com/index.php?option=com_content&task=view&id=880 )

  12. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Danke 🙂

    Ich denke, dass das auch eine Frage der gesetzlichen Regelungen ist, wobei mir in solchen Fällen der deutsche hang zur Regelungswut zupasse käme, sollte die Eizellspende je erlaubt werden.

  13. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Zitat: "die Ansprüche und Auswahlkriterien der Eizellempfänger,die letztlich mehr über die Spenderinnen zu wissen scheinen, als ihnen gut tut."
    Ich kann das aus Erfahrung aus dem HI-Forum bestätigen. Bei uns war es z.B. 1998 so, dass wir in keiner Weise Einfluß auf die Auswahl des Spenders hatten. Fand ich zwar auch nicht so gut, da uns einige Dinge doch wichtig schienen, aber wir waren ja damals froh, überhaupt Hilfe zu bekommen. Daher war es schon o.k.
    Heute gibt es bei einigen deutschen Samenbanken die Möglichkeit, aus einer Liste mit wirklich wenigen Merkmalen auszuwählen (Hobbys, Beruf, Augenfarbe, Haarfarbe, Blutgruppe, Körpergröße). Und ihr glaubt gar nicht, WIE schwer vielen Paaren diese Auswahl fällt. Da kann ich fast sagen: Hatten wir das gut!

    Trotzdem finde ich es gut, dass es jetzt diese eingeschränkte Auswahlmöglichkeit gibt. …

  14. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    Auch bei Ado gibts solche Auswüchse, nur mal am Rande einfach erwähnt…

  15. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Übrigens hat die Spenderin wohl auch ein Blog, seit 2004, in dem ihre Erfahrungen und Spendezyklen beschrieben sind:

    http://eggdonor.blogspot.com/