Egghunter: Kinderwunsch im Internet


Viele Bereiche der „Kinderwunsch-Industrie“ zieht es vermehrt in das Internet. „Aber das birgt Risiken für die Nutzer dieser Angebote“, sagt Professor Deborah Spar von der Harvard Business School, welche eine verstärkte Regulierung der Kinderwunsch-Behandlung in den USA befürwortet. „Es ist nicht verwunderlich, das vieles in diesem Geschäft in das Internet abwandert, den niemandem macht es etwas aus, Kleidung in einem Laden zu kaufen. Eizellen in der Öffentlichkeit zu erstehen ist dagegen dann schon ein wenig merkwürdig“.

Einfach aber riskant
Wenngleich auch im Internet dieser Handel etwas mehr erfordert als einen Klick, so machen sich viele Leute nicht klar, wieviel Aufwand normalerweise erforderlich ist, um die Spender auszuwählen, zu untersuchen und schließlich mit den Empfängern von Eizellen und Spermien zusammenzubringen.

Abgesehen von diesem medizinischen Aufwand, der möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt wird, gibt es auch finazielle Risiken: Nicht selten wird hoffnungsvollen Empfängern einer Spende zunächst ein Einstiegsentgeld abverlangt, nur um Einsicht in die Spender-Kataloge zu bekommen und letztlich nach monatelanger Wartezeit mit leeren Händen dazustehen.

Eizellen als Geldanlage: Die Egghunter
Die Preise für Eizellen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Während vor einigen Jahren noch ca. 2.500$ ausreichend waren, werden nun bis zu 35.000$ verlangt. Dies ist nicht zuletzt auf einen neuen Berufszweig zurückzuführen, der umgangssprachlich „Egghunter“ genannt wird. Diese Leute treten als Makler zwischen Spender/in und Empfängerin auf und treiben damit die Preise in die Höhe. Gibt man bei Google „Egg donor“ als Suchbegriff ein, dann erscheinen fast 1,2 Millionen Suchergebnisse, darunter so vielversprechende wie „Hot & Smart Egg Donors„, wo man fast den Eindruck gewinnen könnte, dass hier ein Ersteller freizügiger Internetseiten beruflich umgesattelt hat und es steht zu befürchten, dass er sein altes Personal ebenfalls umgeschult hat.

Es gibt Richtlinien, es hält sich nur nicht jeder daran
Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) reguliert den Umgang mit menschlichem Gewebe und zwei medizinische Organisationen (American Society of Reproductive Medicine und Society for Assisted Reproductive Technologies) sind zuständig für die Standards in der Kinderwunschbehandlung. Bei der Eizellspende sind verschiedene Schritte notwendig:

  • Das Paar wird psychologisch, rechtlich und genetisch beraten
  • Diese Beratung erfolgt auch bei der Spenderin
  • Die Spermien des Mannes werden untersucht und ebenso die Empfängerin auf ihre Fähigkeit, eine Schwangerschaft auszutragen
  • Die Spenderin wird ebenfalls medizinisch untersucht, insbesondere auf Infektionen wie HIV und Hepatitis

Shelley Smith, Direktorin einer Eizellbank in Los Angeles, gibt an, dass die 5.500$ Gebühren, die von den Paaren als Einstiegsgebühr zu entrichten sind, auch Versicherungen, Anwaltgebühren und die die Kosten der genetischen und psychologischen Beratung enthalten. Bis zum Beginn der Behandlung vergehen daher in der Regel 2-3 Monate.

Schwarze Schafe lassen sich erkennen
Smith weist darauf hin, dass alle Alarmglocken klingeln sollten, wenn auf den Webseiten der Eizell-Makler keine gültige Adresse aufweisen oder offenbar keine Reproduktionsmediziner involviert sind.

„Es gibt Webseiten, die von Menschen gemacht wurden, die von der Verzweiflung unfruchtbarer Paare leben und die Behandlung mittendrin abbrechen“. Sie weiß von Paaren, die auf diese Weise mehr als 25.000$ verloren haben.

Eine weitverbreitete Taktik ist es, besonders makellose Eizellspenderinnen auf den Webseiten zu präsentieren, die dann auf Anfrage nicht mehr existieren und vermutlich auch nie Eizellen gespendet haben. Vorgehensweisen, wie sie bei halbseidenen Partneragenturen ebenfalls vorkommen.

Deborah Spar, auch Autorin des Buchs „The Baby Business: How Money Science and Politics Drive the Commerce of Conception“ stellt einen dringenden Regulationsbedarf fest. „Es ist absurd, dass in einem Geschäft, welches mit dem Entstehen von Leben einher geht, keinerlei Überwachung erfolgt. Dies wäre zum Vorteil aller Beteiligten unbedingt anzustreben“.

Wer nun meint, dass dies ein Problem der USA ist, der sei darauf hingewiesen, dass man bis zur Befruchtung der gespendeten Eizellen sämtliche Kontakte mit den Egg-Huntern auch per Internet abwickeln kann. Von überall in der Welt. Je seriöser das Angebot ist, desto beschwerlicher wird es, da die Zahl der notwendigen Besuche im Ausland zunimmt.


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