Die Folgen einer restriktiven Gesetzgebung sind Mehrlinge


Nein, diesmal ist nicht die Rede vom Embryonenschutzgesetz in Deutschland. Dass in Deutschland die Zahl der Mehrlinge steigend ist, seit die Kosten der Behandlung nur zum Teil erstattet werden und das ESchG dabei auch eine unrühmliche Rolle spielt, kann man hier nachlesen

Diesmal ist die Rede von Italien, wo ähnliche Entwicklungen festzustellen sind, seit die Gesetzgebung dort im Jahre 2003 geändert wurde: So dürfen nicht mehr als drei Eizellen befruchtet werden, Samenspenden sind verboten (Eizellspende ohnehin) und Einfrieren von Embryonen ist auch nicht erlaubt.

Italienische Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen dieses Gesetzes in einer retrospektiven Studie. Es wurde 1.179 Behandlungen vor und 1.860 ICSI-Behandlungen nach der Gesetzesänderung ausgewertet.

Es zeigten sich erst einmal nur geringe Unterschiede:

  • Schwangerschaftsraten pro Zyklus 24,34% vor und 23,11% nach der Änderung
    Schwangerschaftsraten pro Punktion 28,64% vor und 25,65% nach der Änderung
  • Schwangerschaftsrate pro Transfer 31,37% vor und 27,74% nach der Änderung
  • Baby-Take-Home-Rate pro begonnenem Zyklus 19,1% bzw. 18%

Betrachjtet man die ergebnisse jedoch im Detail, dann fällt auf, dass die Schwangerschaftsraten bei schlechten Spermienzahlen (< 1Mio./ml) deutlich schlechter ausfielen: 40,85% bzw. 23,62%. Desgleichen bei Frauen, denen nur zwei Embryonen transferiert wurden (bei denen also auch nur zwei Eizellen befruchtet wurden): 35,71% bzw. 23,53%. Diese Differenz ergab sich vor allem durch die unselektierte Rückgabe von 2 Embryonen bei Patientinnen, die jünger als 36 Jahre waren. Hinzu kamen noch Änderungen durch den Wegfall der Kryokonservierung von Embryonen, die sich ebenfalls auf die Gesamterfolgsrate niederschlug, ohne, dass dies zahlen mäßig exakt erfassbar war.

Diese grundsätzlich sinnvolle Politik der niedrigen Embryozahlen erfuhr nach der Gesetzesänderung jedoch eine drastische Verschiebung: Während vorher nur knapp 4% der Frauen < 36 drei Embryonen zurückerhielten, stieg der Prozentsatz nach der Änderung des Gesetzes auf mehr als 45%.

Die vormals gute, also geringe, Rate von Drillingsschwangerschaften (0,58%) stieg dadurch jedoch drastisch an und erreichte 4,71%.

Die Schwangerschaftsraten konnten also insgesamt annähernd gehalten werden, dies ging jedoch zu Lasten der Mehrlingsrate, die signifikant anstieg. Verantwortungsvoller Umgang mit der Gesundheit von Patienten ist also auch in Italien durch eine Gesetzgebung gefährdet, die sich die Lebenserhaltung auf die Fahnen geschrieben hat. Dabei jedoch dem 4-Zeller den Vorzug vor Müttern und Drillingskindern gibt.

Levi Setti PE, Albani E, Novara P, Cesana A, Negri L
Results of in vitro fertilization in Italy after the introduction of a new law.
Fertil Steril. 2007 Nov 12; [Epub ahead of print]


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ..alle medizinischen und sozialen folgekosten für drillinge sollten solange sie anfallen und erforderlich sind von der banco di vaticano zu 100% übernommen werden, denn da im vatikan ist die ursache für die italienische gesetzesänderung zu lokalisieren – und somit für die häufung an lebensgefährlichen schwangerschaften (für mutter und kinder)..

  2. Elmar Breitbach
    Danny schreibt

    Man kann dem Vatikan sicher in einigen Fällen zumindest moralische Mitschuld vorwerfen, aber in diesem Fall spielt er nun wirklich keine Rolle. Hier spielt einfach nur das schöne Geld die grosse Rolle – nach drei erfolglosen Versuchen sinken die Chancen einer erfolgreichen Behandlung noch weiter ab.

    Man muss an den Mehrlingsgeburten auch den werdenden Müttern eine Mitschuld geben – sie wollen halt den sofortigen Erfolg und lassen (trotz Beratung durch den Arzt) diese Möglichkeiten erst zu. Ich kann den Kinderwunsch vieler kinderloser Paare absolut verstehen, aber sich selbt in Gefahr zu bringen… Da ist auch ein wenig Eigenverantwortung gefragt.

  3. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    also wenn diese gesetzesänderung in italien nicht vatikangefördert (und politisch gesteuert) war, dann weiß ich es auch nicht.
    vergleich doch einfach mal die zahlen, die sprechen für sich.
    intellektuel nachvollziehbares verständnis ist trotzdem was anderes als selbst in der situation zu stecken.
    ich bin mutter eines kindes nach einem 3er kryotransfer..und frag mich oft ob das so wäre, wenn ich mich für die "vernünftige" option entschieden hätte.
    ..eine weitere absolute frechheit dieses italienischen gesetzes: kryos sind verboten..einfach hirnrissig, sorry..

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Nein, das kann man dem Vatikan bzw. der katholischen Kirche sogar ganz konkret vorwerfen, siehe hier

  5. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    nun ja, Verbot von Kryos genauso hirnrissig wie Verbot von Homosexualität oder Verbot von vorehelichem… oder Verbot von Leben jüdischer bevölkerung oder Verbot von Desertion oder Verbot von Nacktheit oder verbot von "Kampfhunden" oder verbot von Häretikertum (gut, das ist inzwischen wieder erlaubt, aber wartet mal ab, wenn die Machtverhältnise sich verschieben…) etc pp…

    Mir gefällt das Wort hirnrissig ausnehmend gut. es sagt ja, daß man vernünftigerweise, wenn man richtig drüber nachdenkt (oder wenigstens ein wenig zu fühlen fähig ist), diese entscheidung nicht getroffen werden könnte…