Debatte um Mehrlinge in Österreich


Nachdem kürzlich in Östereich Fünflinge zur Welt gekommen sind, wurde eine Debatte zur Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften losgetreten. Die Fünflinge entstanden durch eine hormonelle Stimulation, weshalb der Chef der Wiener Universitätsfrauenklinik Peter Husslein in einem Interview mit dem Kurier fordert, dass für solche Hormonbehandlungen ein besonderes Zertifikat notwendig sein sollte.

Aber auch bei der künstlichen Befruchtung scheint Handlungsbedarf zu bestehen. Den Statistiken des IVF-Fonds* zufolge wurden in Österreich im Jahre 2009 bei 38 Frauen sogar vier Embryonen eingesetzt. Die Limitierung auf drei Embryonen ist in Österreich nicht bindend wie in Deutschland, sondern lediglich eine Empfehlung der Gesellschaft für Reproduktionsmedizin.

Husslein fordert darüber hinaus, dass auch privat bezahlte IVF-Behandlungen in der Statistik berücksichtigt werden müssen, denn während in Deutschland sämtliche Behandlungen durch das Deutsche IVF-Register erfasst werden, sind es in Österreich nur die durch den IVF-Fond unterstützen Behandlungen.

Gesetzliche Regelungen werden von den Ärzten der Privatkliniken abgelehnt, wohingegen Husslein darauf hinweist, dass es neben den verantwortungsvoll arbeitenden privaten Instituten auch jene gibt, bei denen die Schwangerschaftsrate im Vordergrund steht und aus deren Behandlungen der Großteil höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften entstanden sind.

„Es ist völliger Unsinn zu behaupten, dass Drillinge kein Problem sind. Bei Drillingen sterben 40 Prozent aller Kinder oder sind behindert.“ Husslein bezieht sich auf ein Interview von IVF-Mediziner Mohamed Zaghlula von der Privatklinik Währing in der ORF-Sendung Thema. Es sei inakzeptabel, dass die Gesellschaft für die Folgen, die dadurch entstehen, aufkommen müsse. „Erst dieser Tage haben wir eine Sechslingsschwangerschaft aus diesem Institut auf Zwillinge reduzieren müssen.“
Prof. Peter Hernuss, Leiter der betroffenen Klinik verteidigt sich: „Wir haben immer die Empfehlungen der Fachgesellschaften beachtet. Wir haben gleich viele oder sogar weniger Drillinge wie die anderen. Die Vorwürfe entstehen aus reinem Neid, weil wir mit gleich vielen eingesetzten Embryonen doppelt so viele Schwangerschaften haben wie die anderen.“

Nun ja. Wenn man doppelt so viele Schwangerschaften bei gleicher Embryonenzahl hat, dann kann man sich natürlich auch überlegen, nur halb so viele Embryonen zu transferieren, um höhergradige Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden. Erfolg zwingt in diesem Fall auch zur Verantwortung.

Und bevor man sich nun aus deutscher Sicht entspannt zurücklegt: Die hormonelle Stimulation ist auch in Deutschland in einigen Praxen ein risikoreiches Unterfangen. Einer PCO-Patientin Clomifen ohne Ultraschallüberwachung zu verabreichen, kommt häufiger vor, als einem lieb sein kann.

Und bei der IVF wird sich der eigentlich erstrebenswerte Single Embryo-Transfer nicht durchsetzen, so lange die Kostenübernahme nicht geändert wird, wie ich in einem ausführlichen Artikel dazu erläuterte

*der IVF-Fond übernimmt in Österreich 70% der Kosten , wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, die im Wesentlichen denen entsprechen, die bei den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland gelten


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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Wichtig, daran zu erinnern. Durch hormonelle Stimulation entstehen nämluich noch mehr Mehrlingsschwangerschaften als nach IVF.

    Ich vermitte übrigens den Daumen zur Bewertung des Artikels für Facebookverweigerer. 🙂