Auslandsadoption mit Gesetzeslücke


Das Kinderhilfswerk Terre des hommes fordert strengere Regeln für Auslandsadoptionen. Ziel ist, dass deutsche Eltern Kinder im Ausland nur noch unter Einbeziehung einer in Deutschland anerkannten Stelle adoptieren können. Bisher ermöglicht eine Gesetzeslücke die Umgehung der Behörden. Diese Problematik betrifft nach Schätzungen der Hilfsorganisation rund ein Drittel der in 2005 stattgefundenen Auslandsadoptionen, also etwa 300 Fälle.

„Selbstbeschaffungsadoptionen“, wie Privatadoptionen von ausländischen Kindern auf eigene Faust auch genannt werden, sind im Adoptionsvermittlungsgesetz nicht anerkannt. Nur staatlich anerkannte Vermittlungsstellen dürfen deutschen Eltern ihren ausländischen Kinderwunsch erfüllen – und das auch nur nach eingehender Prüfung.

Allerdings existiere eine Gesetzeslücke. So könnten deutsche Eltern, die ihr Kind im Ausland unter Umgehung aller deutschen Stellen adoptiert haben, mit einer nachträglichen Anerkennung durch deutsche Gerichte rechnen. Einzige Bedingung sei die Genehmigung der Adoption durch ein Gericht im Heimatland des Kindes. „Wir behaupten nicht, dass diese Adoptionen auf kriminellem Wege geschehen“, so Bernd Wacker, Adoptionsexperte von Terre des hommes, doch man mache sich Sorgen um das Kindeswohl. Außerdem würden andere Eltern, die es mit Hilfe offizieller Stellen versuchten, benachteiligt.

Der Terre des hommes Experte wies auch darauf hin, dass Deutschland einer von 70 Staaten sei, die das Haager Übereinkommen unterzeichnet haben. In dem Dokument verpflichten sich die Beitrittsländer das Kindeswohl bei Auslandsadoptionen sicherzustellen. Für Wacker eine Absurdität: „Deutschland unterzeichnet ein Abkommen, aber hat ein Gesetz mit dem man dieses dann wieder aushebelt.“

Aktuell erschienen zum Thema „Auslandsadotion“: B. Gilli-Riedle, H. Riedle: 270 Seiten – Tivan-Verlag, Auflage: 2., vollst. überarb. u. erw. Aufl. [hier mehr Infos zum Buch]


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