Frau wird durch Viagra schwanger

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Es ist schon interessant: In dem Bemühen, die Erfolgsraten bei der Kinderwunschbehandlung zu verbessern, werden immer mal wieder neue Tricks ausprobiert. Oder salopp formuliert: Mindestens quartalsweise wird eine neue Sau durchs reproduktionsmedizinische Dorf getrieben.

Nun berichtet die britische Sun über eine „völlig neue Therapie“. Nach mehreren IVF-Behandlungen und einer Fehlgeburt fiel dem behandelnden Arzt einer britischen Frau wiederholt eine niedrige Gebärmutterschleimhaut auf, für die er die bisherigen Misserfolge verantwortlich machte.

Die Sun berichtet nun, dass der Arzt Dr George Ndukwe daraufhin einen ganz neuen Weg beschritt: Er behandelte die Patientin mit Viagra, um die Durchblutung der Gebärmutterschleinhaut zu verbessern, und diese besser aufzubauen.

Die Behandlung war offenbar unangenehm, wie die Patientin berichtete:“Ich war erst geschockt, als der Arzt mir das Medikament vorschlug, aber bereit, alles zu versuchen. Sofort, als ich es eingenommen hatte, wurde mein Körper rosa und mein Gesicht rot. Ich nahm Viagra für neun Tage und es war keine schöne Erfahrung.“

Es lohnte sich jedoch, denn anschließend war die Schleimhaut gut aufgebaut und es konnte ein erfolgreicher Transfer durchgeführt werden. Die Tochter Grace wurde im Dezember geboren. Die Sun berichtet (vermutlich stützt sie sich auf die Aussage des Arztes), dass diese Geburt die erste nach einer Viagra-Therapie einer Frau war.

Das ist jedoch mitnichten der Fall, sondern ein Fall schlechter Recherche. In unserem Artikel aus dem Theorie-Teil, der sich der niedrigen Gebärmutterschleimhaut als Problemfall bei der Kinderwunschbehandlung widmet, wird bereits seit langem auf zwei Studien hingewiesen. Diese sind aus dem Jahr 2000 und 2002. Und wenig aussagekräftig, um das vielleicht auch hinzuzufügen. Jedoch wurden in diesen Studien selbstverständlich einige Frauen auch schwanger.

Abschließend sei es erlaubt, darauf hinzuweisen, dass ich diese Therapie auch einige Zeit durchgeführt habe. Eine von mir durchgeführte erfolgreiche Behandlung wurde sogar in dem Buch „Alles für ein Kind“ von Birgit Schork beschrieben. Und das liegt auch schon einige Jährchen zurück. Ach ja: Wer es von den mitlesenden Kollegen auch mal testen möchte: Damit die Patientin nicht rosa wird und einen roten Kopf bekommt, sollte man das Medikament lieber als vag. supp. verabreichen. Der Apotheker Ihres Vertrauens sollte der Herausforderung gewachsen sein, den Wirkstoff in ein wenig Hartvaseline zu verpacken. (4×25 mg /die).


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    ich dachte, die steckt man so rein *pfeif* ohne apotheker des vertrauens ?!?

    und – nen roten kopf kriegt man doch nur, wenn einem die "folgen" peinlich sind… oder das teil an den mandeln kleben blieb *lol*

    sorry, wenn einer schon so schlecht recherchiert, dann muss er auch hohn und spott aushalten 😉

    stimmt übrigens, "damals" zu meiner behandlungszeit war das sehr hip(p), det blaue ding zu verschreiben. wie auch immer angewendet 😉 und das ist ja schon ein paaaar jahre her 🙂

  2. Elmar Breitbach
    Schäfchen schreibt

    Naja.. Mmh.. was soll man dazu sagen..
    Ich muss da an einer Szene aus Sex and the City denken..

    Also lass ich das lieber- kein Selbstversuch 😉

  3. Elmar Breitbach
    tellima schreibt

    tipp von der front: statt viagra/sildenafil cialis/tadalafil: das wirkt 48 stunden. dann muß der herr apotheker nicht so oft ran…wobei: welche patientin, die crinone-erfahren ist, muß wen anders in sachen schmierage konsultieren???

    aber vielleicht gibts es ja einen günstigen nebeneffekt, sozusagen mit wirkung für zwei: intravaginale absorption mittels glans penis für den zweiten durchgang.. ;-))

  4. Elmar Breitbach
    Kathrinchen schreibt

    Im Ausland ist es durchaus üblich, Viagra für einen besseren GMS-Aufbau zu verschreiben. Was ist daran so ungewöhnlich, ein Medikament zu nehmen, das eigentlich für was anderes gedacht ist?
    Das wird mit anderen Medikamenten zur Unterstützung der Kiwu-Behandlung doch auch gemacht, angefangen beim Utrogest, das vaginal verwendet wird, obwohl im Beipackzettel oral steht, bis hin zum Heparin oder ASS, die auch nicht in direktem Zusammenhang zur Kiwu-Behandlung stehen.

    @ Dr. Breitbach

    Und warum führen Sie die Therapie mit Viagra nicht mehr durch? Zuviel Schamgefühl und rote Köpfe bei den Patientinnen oder doch kein Unterschied bei den Erfolgsraten?

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Weil´s nichts bringt, deswegen. Mal abgesehen von sehr seltenen Ausnahmefällen, wo man halt alles versucht, sogar Viagra. Es mehr oder weniger routinemäßig einzusetzen, halte ich für (um´s noch mal ganz deutlich zu sagen) ganz großen Kokolores.

    Das hat mit Ausland nichts zu tun. Ich probiere gerne mal etwas aus, aber zumindest die Chance auf Wirksamkeit sollte dann schon bestehen. Wie bei Heparin und ASS z. B.

  6. Elmar Breitbach
    hasenohr schreibt

    Als ich die Überschrift las, dachte ich: Is ja interessant – mal sehen, was Doc Breitbach dazu schreibt.

    …und hab mich geirrt!
    Denn ich las kürzlich in einem anderen themenverwandten Forum, dass Viagra so hervorrangend einer zu hohen Killerzahlanzahl entgegenwirken soll!? Das ist dann ja doch nochmal was anderes.

    Haben die Mädels da was verwechselt oder ist da auch was dran?

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Nein, von einer Beziehung zu den NK ist mir nichts bekannt. Ob es sich da um eine Verwechslung handelt oder einen Zusammenhang, der mir nicht bekannt ist, vermag ich nciht zu sagen.

    Wissenschaftlich ist dieser Beitrag wenig erhellend, das stimmt. Allerdings gehen solche Stories aus der Laienpresse meist direkt den Weg in die Foren. Dieser Artikel war sozusagen präventiv.

  8. Elmar Breitbach
    hasenohr schreibt

    Danke für die schnelle Antwort – gut interpretiert.

    Na ja – ich hab die Mädels ohnehin virtuell damit aufgezogen und auch keinen Protest geerntet 🙂 Wer weiß, woher die Info stammt…