Feminismus und Reproduktionsmedizin

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Passen ganz offenbar nicht zusammen. Jogan (Unerfüllter Kinderwunsch aus Männersicht) hat einen – tja wie soll man es nennen – merkwürdigen Artikel ausgegraben, den man auch hier finden kann.

In ihrem Programm nimmt die feministische Partei „Die Frauen“ auch Stellung zur Reproduktionsmedizin.

Reproduktionstechnologien sind die Fortsetzung der Aneignung des weiblichen Körpers und der Kontrolle der Fruchtbarkeit von Frauen durch ein männlich dominiertes frauenfeindliches Wissenschaftssystem.

Reproduktionstechnologien sind „Technologien“ für die Fruchtbarkeit, in denen der weibliche Körper ein lnstrumentarium ist, der funktional in schulmedizinisch meßbare Einheiten zerstückelt wird. Die Frau wird auf den meßbaren Teil des Körpers reduziert, die Person, der Mensch und die komplexen psychosozialen, ökonomischen, ökologischen, historischen usw. Bedingungen und Erscheinungsformen werden außer Acht gelassen.

Die Feministische Partei DIE FRAUEN sieht in den neuen Reproduktionstechnologien keine reale Erweiterung der Entscheidungsfreiheit für Frauen, z.B. zunächst Karriere zu machen und später Kinder zu bekommen, oder als lesbische Paare Kinder zu bekommen.

Schulmedizin wird aus Sicht dieses Parteiprogramms generell verteufelt, nicht zuletzt weil sie aus Sicht der Partei patriarchalisch geprägt ist:

Die von Männern dominierte Schulmedizin befindet sich im ständigen Kampf gegen Krankheitssymptome.

Ich frage mich da, ob die Schulmedizin das Problem ist oder eher der geringe Anteil von Frauen in der Ärzteschaft. Ziel sollte dann aus Sicht der Partei die Erhöhung der Fauenquote sein. Der Satz legt nahe, dass sich die Herangehensweise von Frauen an die Medizin von der der Männer unterscheidet, eine Erfahrung, die ich bisher nicht machen konnte. Und diese Auffassung pauschal zu vetreten ist sexistisch, was von Seiten des Feminismus auch nicht besser erträglich ist als von männlicher Seite.

Update: Da dieser Artikel auf größeres Interesse stößt, als ich zunächst dachte, möchte ich hier noch die Webseite „Reprokult“ erwähnen, die mit den oben genannten Auffassungen eine sehr große Schnittmenge aufweist.

Beide implizieren grundsätzlich, dass Medizin männlich und daher gegen Frauen gerichtet ist.


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Kommentar

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16 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Hara schreibt

    Ich finde es sehr gut, dass das hier mal thematisiert wird,
    da von der Seite dieser Partei die Reproduktionstechnologien sehr PAUSCHAL in Grund und Boden verdammt werden. Leider nehmen sie auch noch für sich in Anspruch, im Interesse von Frauen zu handeln/denken.

    Man könnte es aber auch genau andersrum sehen. Viele Frauen bedauern es, dass ihnen bestimmte Möglichkeiten/Verfahren der Reproduktionstechnologien in Deutschland vorenthalten werden. Da wäre z.B. das Verbot der Eizellspende oder die offizielle Ablehnung von Insemination bei lesbischen Paaren. Ich würde es eher als „Erweiterung der Entscheidungsfreiheit“ betrachten, diese Verfahren offiziell zuzulassen.

  2. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    "Reproduktionstechnologien sind die Fortsetzung der Aneignung des weiblichen Körpers und der Kontrolle der Fruchtbarkeit von Frauen durch ein männlich dominiertes frauenfeindliches Wissenschaftssystem."

    ..da muss frau sich mal ganz langsam reinziehen: du bist steril, aber ein problem ist das gar nicht; nur die dich behandelnden ärzte machen eins draus um dich zu "instrumentalisieren"….wenn das keine hirnwäsche ist, dann weiß ich es auch nicht 😀

    die von seiten dieser "feministinnen" angebotene lösung des problems liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen ‚ganzheitlich‘ und ’spirituell‘ und kommt vermutlich zu dem schluss: zu selbstverwirklichung braucht frau eigentlich gar keine kinder 😉

  3. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Richtig frech finde ich, dass uns die Möglichkeit zur Selbstbestimmung offensichtlich nicht zugetraut wird. Als wären wir armen Patientinnen nur unmündige labile Wesen, die den Onkel Doktor machen lassen. Eigentlich besteht darin die wirkliche Entwertung der Frau, die jedoch von den Autorinnen vorgenommen wird.

  4. Elmar Breitbach
    Tauchpüppchen schreibt

    Wie kann man nur so voller Ablehnung sein?!?! Und das auch noch öffentlich kund tun?! Für mich als Frau einfach nur peinlich und dumm!

  5. Elmar Breitbach
    Kathrinchen schreibt

    Interessanterweise werden die Möglichkeiten, die die Reproduktionsmedizin bietet, meistens zunächst von den betroffenen Frauen recherchiert. Immerhin sind die Frauen hier in den Foren in der Überzahl. Und ich vermute mal, dass bei den meisten Paaren die Frauen die Termine in der Kinderwunschpraxis vereinbaren. Es sind nicht die "bösen" Männer, die sie in die Fänge der ausschließlich kapitalistisch orientierten Reproduktionsmediziner treiben (Tschuldigung, Herr Breitbach!). Nein, wir Frauen sind selbstbestimmt und wollen Kinder mit Hilfe aller zur Verfügung stehenden Mittel. Eigentlich sind wir ja die "Bösen", die unsere Männer in die andrologischen Kabinen der Kinderwunschpraxen zerren, um ihren Beitrag für unseren Egoismus einzufordern 😉
    (Soll nur mal ein Versuch sein, in solchen Kategorien zu denken.)

  6. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    wenn man das so liest… beschleicht einen echt der verdacht…. diese bratzen sind nicht unverdient feministinnen, ich meine, mit SO EINER MEINUNG kriegt man bestimmt keinen Kerl in die wohnung…. oder sonstwohin. Und schon gar nicht wird man schwanger.

    da aber in D den meisten alleinstehenden frauen kiwubehandlung versagt bleibt, ist schon klar, warum DIE BRATZEN gerad so draufhauen 😉

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich war gerade mal auf der Webseite dieser Frauenpartei. Ich meine, da findet man viel zu wenige Informationen über diese Partei. Wieviele Mitglieder? Wer sind die Frauen, die dort im Vorstand arbeiten? Mit welchen Organisationen arbeitet man zusammen? Wieviele Stimmen gab es auf der letzten Wahl?

    Könnte ja sein, das ist nur so eine Handvoll alter Weibsen, die sich darüber ärgern, dass sie in jungen Jahren keine Repromedizin bekommen konnten. Nee, meine Vermutung dazu, was hinter solchen Äußerungen steckt, kennt ihr ja: christliche Ideologie!

  8. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo rebella,

    also diesmal sehe ich da keine religiösen dinge im hintergrund, sondern einfach..man findet kaum einen begriff dafür..falschverstandene emanzipation gepaart mit wissenschaftsfeindlichkeit und dogmatismus..platter gesagt: komplette, realitätsbefreite verblendung 😀
    ist eher was, was auf der öko-schiene läuft, zumal deren Bundessprecher (!!!) gleichzeitig auch was mit tierschutz zu tun hat…und der ist den "men in black" nun wirklich ziemlich egal.
    irgendwer hat da mal eine tolles wort bezüglich der ablehnerfront von reproduktionsmedizin gefunden: ÖKU-mene…finde ich immer noch überaus zutreffend.

  9. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    @Rebella – ich verstehe zwar nicht was reaba meint, ist so philosophisch-abstrakt geschrieben, aber ich sage auch dass es nichts mit Christentum zu tun hat, sondern im gegenteil.
    Wie schon bekannt, ist die Religion (fast alle ihrer Richtungen) gegen Feminismus und die Frau ist nicht so gut gesehen.Da habe ich auch so meine Probleme.
    Ansonsten habe ich zum Thema kein Kommentar.
    Die Frauen kämpfen. Schade es gibt keine Oposition aka "Maskulinismus".

  10. Elmar Breitbach
    Viktoria1 schreibt

    Ich sehe aber in den Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin die Entscheidungsfreiheit für Frauen, vielleicht überhaupt Kinder zu bekommen.
    Muss man sich für diesen Wunsch rechtfertigen?
    Was ist das für ein Unsinn!!!!1

  11. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Hallo reaba,

    "falschverstandene emanzipation gepaart mit wissenschaftsfeindlichkeit und dogmatismus..platter gesagt: komplette, realitätsbefreite verblendung" mag irgendwie auch mit zutreffen, aber für mich ist das irgendwie zu wenig, um diese wirklich in den feministischen Gruppen extrem enthaltene Ablehnng der Reproduktionsmedizin zu erklären.

    "Emanzipation" heißt doch eigentlich, dass die Frau über sich selbst bestimmen will, sich von Bevormundung los lösen. "Wissenschaftsfeinlichkeit" – Abtreibungen brauchen doch auch die Medizin, die Wissenschaft. Und die werden doch von dieser Gruppe befürwortet. "Dogmatismus" dann schon eher.

  12. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo rebella,

    feminismus hat mich mal sehr interessiert. habe darüber auch einiges an literatur gelesen.
    was du beschreibst hat mich auch immer irritiert:
    selbstbestimmung wird gefordert, aber nur in eine richtung, das heißt: materielle unabhängigkeit vom mann, so etwas wie autarkie des eigenen körpers (-> daher ist abtreibung wohl in deren augen eine art behandlung von parasiten 🙁 , weil ja durch männlichen einfluss verursacht).
    frauen, die sich bewußt für familie (auch als alternative zum job), kinder und erst recht repromedizin entscheiden, gelten in deren denke, als "noch zu befreien" durch die "reine lehre" der femministischen ideologie.
    …..kommts dir bekannt vor..?!

    soviel der femminismus für viele frauen wohl unterm strich "gutes" bewirkt haben mag (auch darüber kann man sich letztlich trefflich streiten 🙂 ), so destruktiv und ins gegenteil verkehrt wirkt er, wenn man die "reine lehre" zum maß der dinge für die weibliche allgemeinheit erhebt…wie bei jedem anderen dogma eben auch.

    femministinnen, wie du sie bei DIE FRAUEN findest, würden nicht mal im traum darauf kommen, dass sie mit ihren ansichten ebenso bevormundend auf frauen wirken wie reaktionärste männerzirkel.

  13. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Darf ich was fragen?
    Ich sehe bei Jogan viele Berichte die genau so (auch die Titeln sind dieselben) sind wie die hier.
    Wer kopiert und was ist der Sinn dazu?

    Wegen Feminismus:
    Ich denke da niemand so allein auf dieser Welt ist, kann keiner einfach selbst alles bestimmen, sondern man müßte alles zusammen bestimmen.
    Extremen haben nie einem genüzt.
    Im Sache Kiwu, kann eine Frau auch nicht alles allein bestimmen, weil da auch der Mann teilnehmen muß und ein Wort zu sagen.
    Wer nun die für die Kinder bestimmt (im Bereich PID, Abtreibung usw.), bleibt noch eine offene Frage.
    Nun denke ich auch, weiß aber nicht genau, ob das Problem mit Kiwu hier eigentlich auch so gemeint wird dass es fast nur Männer im Bereich Kiwu arbeiten und sie Entscheidungen für die Frauen und ihren Kiwu treffen (was, wie und ob behandelt wird usw.)

  14. Elmar Breitbach
    Jogan schreibt

    hallo Ich,

    da ich in meinem Blog immer mal wieder, wenn es mich überfällt etwas zu unserem Kinderwunsch schreibe, liegt es nahe dass ich auch dieses blog hier lese und Themen aufgreife, die hier beschrieben werden. Die Frage nach dem Sinn ist die Frage nach dem Bloggen generell. Kannst du hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Blog

    Das hat nichts mit Kopieren zu tun, wenn der Doc meine Themen hier aufgreift bzw. umgekehrt. So funktioniert das mit dem Bloggen halt und es freut mich natürlich, wenn mein "Fundstück" hier auch Beachtung findet. Danke für den Link @ Doc

  15. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Hallo reaba,

    das klingt für mich plausibler. Feminismus also als Ideologie. Die Verpackung sieht ganz gut aus. Wegen der Forderung nach Unabhängigkeit vom Mann fühlen sich Frauen von dieser Ideologie angezogen. In die Tiefe wird nicht weiter geblickt. Stattdessen alles nachgeplappert, was sonst noch so in deren Bibel steht.

    Wenn du dich näher für den Feminismus interessiert hast, kannst du was zu dessen zahlenmäßiger Entwicklung sagen? Wie viele Anhänger gab es vor ein paar Jahrzehnten, wie viele sind es jetzt noch? Wie weit reicht der Einfluss dieser Strömung auf die Politik und wie hoch ist damit die Gefahr der Blockierung von Selbstbestimmungsrechten, verursacht durch den Feminismus? Gibt es vielleicht doch noch Möglichkeiten, die Denkblockade dieser Frauen zu durchbrechen? Ist es wirklich so, dass der Feminismus auch die Familie verteufelt, weil sich da Frauen doch immer in gewisser Weise von Männern abhängig machen? Oder belassen sie es bei der Forderung: „Frauen in den Job“, um ihre gesellschaftspolitische Akzeptanz nicht zu gefährden?

    Letzten Endes würden sie mit einer allzu starken Forderung: „Verzicht auf Kinder“ doch auch ihren eigenen Untergang einläuten. Die Evolution und die Logik zeigen, dass Ideologien / Religionen, die nicht um Familie bemüht sind, bereits damit ihren Untergang einläuten.

    Andererseits wird es wohl immer Frauen geben, deren persönliches Idealbild ein Leben ohne Mann und ohne Kinder ist. Die sich also aufgrund ihrer persönlichen Präferenzen vom Feminismus angezogen fühlen. Dummerweise sind das gerade solche Frauen, die in die Politik einsteigen und „im Namen des Volkes“ politische Entscheidungen treffen.

  16. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    "Andererseits wird es wohl immer Frauen geben, deren persönliches Idealbild ein Leben ohne Mann und ohne Kinder ist. Die sich also aufgrund ihrer persönlichen Präferenzen vom Feminismus angezogen fühlen. Dummerweise sind das gerade solche Frauen, die in die Politik einsteigen und „im Namen des Volkes“ politische Entscheidungen treffen."

    hallo rebella,

    dem letzten statement kann ich mich nur voll anschließen und im prinzip beantwortest du die wichtigsten fragen somit auch selbst.
    sieht man auf die historische entwicklung des feminismus in den anfängen der industrialiserung, dann ging es vordergründig um die erlangung von bürgerfreiheiten, wahlrecht etc…zeitgleich wurde aber auch in unteren schichten ein völliger neuer marktfaktor geschaffen: die weibliche arbeitskraft jenseits haushaltlicher tätigkeiten im industriellen umfeld (in einer zeit echten bedarfes an arbeitskraft).
    wie ich es sehe und wahrnehme, ist die ganze sache "schichtengeteilt": die gebildeteren frauen bekamen ihre eher abstrakten rechte, die einfachen frauen "durften" arbeiten, vereint sind wieder beide schichten in der persönlichen auffassung: sie empfinden diese neuerungen als persönliche freiheiten oder befreiung.
    was ist bis heute vom feminismus für die allgemeinheit der gesellschaft aus seinen anfängen übrig geblieben? familiäre strukturen haben sich gravierend verändert. die gesellschaft ist insgesamt individualisierter geworden. alles wirkt sich zwangsläufig generativ aus und somit auch gesellschaftlich, ob prospektiv kann wieder nur im historischen rückblick bewerten. und ob es letztlich die "bürgerlichen freiheiten" die man so meint als frau zu haben, wert sind ein ganzes arbeitsleben "doppelbelastet" zu verbringen, das ist eine subjektiv persönliche bewertung für jede einzelne frau.
    aus den "resten" des kerns der feministischen bewegung jedenfalls hat eine frau, die die femminsteischen "must-haves" nicht bedient und auch noch reproduktionsmedizin nutzen muss in der tat eher schlechte karten, bzw gilt als noch "zu befreien".

    aus dem blickwinkel prüfe man einfach mal , was in letzter zeit so auf politikerinnen-ticket an "verbesserungen" für frauen im allgemeinen angekommen ist……und man kommt wieder zum eingangszitat dieses eigentlich viel zu langen beitrags 😉

    mein fazit ist: wer als frau gewisse "freundinnen" hat, der sieht eher milde auf die vermeindlichen "feinde", weil man sie eigentlich nicht braucht. 🙂