Bei Kinderwunsch ist Masern-Impfschutz wichtig

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Prof. Klaus Friese, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass für Frauen, die eine Schwangerschaft planen, ein ausreichender Impfschutz gegen Masern notwendig ist. „Ausreichenden Impfschutz haben nur diejenigen, die in der Kindheit zweimal geimpft wurden.“

Und da mag das Problem liegen. Während in vielen Ländern Masernimpfungen zuverlässig wahrgenommen werden, liegt die Impfrate in Deutschland bei zweijährigen Kindern zwischen 1996 und 2003 allerdings konstant bei nur etwa 70 Prozent. Daher liegt Deutschland mit Rumänien, Großbritannien, Italien und der Schweiz an der Spitze der Neuerkrankungen, in diesen Ländern finden 85% der Infektionen in Europa statt (incl. Türkei). Und aktuell zeigt sich, dass die fehlende Durchimmunisierung Folgen haben hat: Allein in Deutschland sind von Januar bis Oktober 2011 über 1.500 Fälle aufgetreten, doppelt so viele wie 2010.

Für Schwangere, die keinen ausreichenden Impfschutz aufweisen sind das schlechte Nachrichten. Denn so kann es zu einer Infektion in der Schwangerschaft kommen. In der Folge kommt es in bis zu 25 Prozent der Fälle zu einer Frühgeburt. Tritt die Infektion sehr spät in der Schwangerschaft auf, kann das Kind mit Masern geboren werden. Da Neugeborene noch kein ausgereiftes Immunsystem haben, können diese Erkrankungen laut DGGG lebensbedrohlich verlaufen.

Leider reflektieren die schlechten Impfraten in Deutschland eine (aus wissenschaftlicher Sicht) völlig unnötige Diskussion über die Nebenwirkungen der gut verträglichen Masernimpfung. Die Eltern werden jedoch durch Fehl- und Falschinformationen so unsäglicher Seiten wie z. B. impfschaden.info verunsichert. Ein Problem, mit dem sich Kinderärzte zu ihrem Leidwesen oft herumschlagen müssen. Man kann verstehen, dass die Eltern für ihre Kind nur das Beste möchten. Das Beste wäre jedoch, die durchaus lebensbedrohliche Erkrankung durch eine sachgerechte Durchimpfung gemäß den Vorgaben der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu vermeiden.

Dies verhindert nicht nur den Ausbruch der Erkrankung beim Geimpften selbst, sondern schützt auch Personen in seiner Umgebung. So z. B. werdende Mütter, die keinen ausreichenden Impfschutz haben.

Plant man noch eine Impfung vor einer Kinderwunschbehandlung, sollte ein Abstand von drei Monaten zwischen Impfung und Eintritt der Schwangerschaft eingehalten werden.


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Kommentar

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13 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Crazymuffin schreibt

    Interessanter Artikel! Jedoch wird auch dieser nichts daran ändern, daß die superschlauen Impfgegner ihre oft verbohrte Meinung ändern!

  2. Elmar Breitbach
    PikaBuh schreibt

    Werde gleich mal gucken, ob bzw. wie oft ich gegen Masern geimpft wurde; kannte bislang nur die Keuchhustenvariante und Röteln bei Kiwu.
    @Dr. Breitbach: Wie kurz vor einer geplanten ICSI könnte man denn noch gegen Masern impfen??

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ PikaBuh drei Monate. Ich werde es oben nochmal ergänzen

  4. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Das Problem ist aus meiner Sicht, dass inzwischen ein Haufen Impfungen empfohlen wird, der nicht notwendig ist (z.B. FSME-Imfung in FSME-freien Gebieten) oder so eine geringe Wirkung hat, dass man z.B. durch gute Vorsorge mehr erreichen würde (z.B. "Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs"). Würde man sich auf die wirklich wichtigen Impfungen konzentrieren, dann wäre aus meiner Sicht auch weniger Verunsicherung da. Und da ich ab und an in den Tropen unterwegs bin, kenne ich die Problematik aus diesem Kontext auch – zu viele Empfehlungen für Impfungen, die nicht notwendig sind, da gehen dann die wirklich wichtigen Sachen (in dem Fall z.B. Cholera und Gelbfieber) auch unter. Das Phänomen tritt übrigens nicht nur bei Menschen auf, sondern auch z.B. bei Haustieren, die gegen total unsinnige Sachen geimpft werden sollen, wo dann auch mehr Verunsicherung entsteht als dass Klarheit herrscht.

    Ich bin übrigens keine Impfgegnerin und natürlich gegen Masern, Röteln, Tetanus, Polio etc geimpft. Aber ich setze mich auch kritisch mit dem Thema auseinander und würde mich z.B. nie gegen (Schweine-) Grippe (von dem einen Ausrutscher vor ewig langer Zeit mal abgesehen), Hepatitis etc impfen lassen.

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Deswegen sind ja auch die STIKO-Empfehlungen Grundlage und diese beschränken sich auf das Wesentliche.

    Dass es auch unsinnige oder tatsächlich nicht notwendige Impfungen gibt, sollte niemanden davon abhalten seine Kinder, sich selbst und seine Umgebung gegen diese Erkrankungen zu schützen.

  6. Elmar Breitbach
    Yaya schreibt

    Ich denke auch, ein anderer Grund ist oft die starre Haltung der Kinderaerzte. Wenn die Eltern Unsicherheiten gegenueber den Impfungen, ihrer Frequenz, Zeitpunkt, und Inhaltsstoffe (Formaldeyd, Quecksilber, Aluminium, etc.) haben, werden diese oftmals nicht ernst genug genommen. Ich habe schon Kinderaerzte erlebt, die ein ungeimpftes oder nur teil geimpftes Kind nicht in die Praxis aufnehmen. Ich bin froh, dass unsere Kinderaerzte mit uns einen individuellen Impfplan entworfen hat, mit der die Kleine fast alle Impfungen erhaelt, ohne dass sechs verschiedene Impfungen auf einmal gespritzt werden. Ein wenig mehr Arbeit fuer uns – aber auch ein besseres Gefuehl. Und das Ziel eine – fuer die wichtigen Impfungen – durchgeimpfte Bevoelkerung zu haben, ist auch erreicht. Also, etwas mehr Flexibiltaet und Einfuehlungsvermogen auf der Aerzteseite koennte einigen Eltern sehr helfen.

  7. Elmar Breitbach
    Yaya schreibt

    Soweit ich den Artikel verstehe, wird hier empfohlen eine Maserimpfung durchzufuehren, wenn nur eine Maserimpfung in der Kindheit gemacht wurde und ein Kinderwunsch besteht.

    Aber warum? Wuerde eine Titer nicht ausreichen, um zu sehen, ob ausreichend Immunitaet vorliegt?

    (Ich bin prinzipiell fuer Impfungen. Aber nicht Einheitsblau. Ich bin kritischer geworden, nachdem sie hier in den USA meinem kleinen, nur ein paar Stunden alten Baby eine Hepatitis B Spritze geben wollten … aeh? – fuer ein neugeborenes Baby?)

  8. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    was hat die impfung mit kinderwunsch zu tun??? masern kann kinder TÖTEN. es macht unfruchtbar bei jungs/männern. sorry – masernimpfung ist auch bei homosexuellen männlichen jugendlichen ohne kinderwunsch eine unabdingbare impfung.

    wer masern hatte – wie ich selber – wird seine kinder (spätere erwachsene!) immer impfen lassen.

    eine derartig schwere erkrankung, die 100 % vermeidbar ist, braucht KEINER. nicht mit, und auch nicht ohne kinderwunsch.

    und hier gilt nicht: mach ma´ selber die erfahrung, dann impste dich näxtes mal… wer die erfahrung gemacht hat, braucht nicht mehr impfen. manche KÖNNEN es dann auch nicht mehr 🙁

    MMR (Rötelnimpfung bitte nicht vergessen!)ist eine der wichtigsten impfungen, die es für in deutschland lebende kleinkinder ab 12 monaten gibt.

    jeder sollte sie nutzen.

    vor allem die, die nicht mal so schnell eben schwanger werden können… *sorry*

  9. Elmar Breitbach
    Nauka schreibt

    Ich hatte in der Kindheit die Masern, bin ich damit immun?

  10. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Leider sind es gerade auch die Empfehlungen der STIKO, die zur Unsicherheit beitragen, weil genau diese sich eben nicht auf das Wesentliche beschränken (siehe z.B. die von mir oben genannte HPV-Impfung).

    @Nauka: normalerweise ja.

  11. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Masern, Mumps und Röteln werden ja heute zusammen geimpft. Und wer sich an den Impfplan hält, kann da kaum noch was falsch machen.

    Noch vor Jahrzehnten war das offenbar nicht so. Wir haben diesen Fall in der Familie. Einer meiner Cousins ist behindert, da die Geschwister die Röteln aus der Kita mitbrachten, als Mama schwanger war. Er ist heute erwachsen und lebt in einem Heim, da er nie für sich selber sorgen könnte.

  12. Elmar Breitbach
    Yaya schreibt

    @ greta: War das ein Kommentar zu meinem Warum Impfung und nicht Titer?

    Ich habe gefragt, warum eine _zweite_ Impfung notwendig ist, wenn durch einen Titer festgestellt werden kann, dass genug Abwehrkoerper vorhanden sind. Das erschloss sich mir nicht aus dem Artikel.

    Und die Roetelimpfung, ist die nicht schon lange _PFlicht_? Ich erinnere mich, dass ich als Jugendliche nicht um die Impfung rumkam (obwohl ich wollte 😉 – aus Angst vor der Spritze), da wurde in der Schule geimpft.

  13. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    nein, yaya, das war ein kommentar an impfgegner. wer sich die mühe macht, den titer zu bestimmen, braucht ggf. keine zweite impfung, richtig. aber die meisten mögen blutabnahmen noch weniger als impfen 😉