angeboren


Hodenhochstand

Die häufigste angeborene Ursache ist der sogenannte Hodenhochstand. Die Hoden werden in der Entwicklung des männlichen Embryos im Bauchraum gebildet und wandern bis zur Geburt durch den Leistenkanal in den Hodensack. Machmal kommt es erst im frühen Säuglingalter zum endgültigen Eintritt. Gelegentlich ist dieser Ablauf gestört und die Hoden bleiben im Leistenkanal oder gar im Bauchraum „stecken“. Das führt fast regelmäßig zu einer Störung der Spermienproduktion, denn zum ungehinderten Ablauf der Hodenfunktion ist eine Temperatur nötig (idealerweise ca. 32 °C), die sich unterhalb der inneren Körpertemperatur befindet und nur im Hodensack erreicht wird.

Bei Jungen, die zeitgerecht am Termin geboren wurden, ist in 3% der Fälle der/die Hoden noch nicht vollständig in den Hodensack eingetreten. Drei Monate später sinkt dieser Anteil auf 1%; nach Abschluss des ersten Lebensjahres ist ein spontanes Runterrutschen des Hodens nicht mehr zu erwarten.

Verschiedene Studien zu diesem Thema ergaben, dass eine entsprechende Behandlung zum Erhalt der Fruchtbarkeit bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres abgeschlossen sein sollte. Erste negative Veränderungen am Hodengewebe lassen sich bereits nach dem ersten Lebensjahr nachweisen.

Heute sind solche Fälle seltener, da bei den üblichen Kindervorsorgeuntersuchungen auch auf die Lage der Hoden geachtet wird und evtl. eine Hormonbehandlung oder eine Operation durchgeführt wird. Jedoch hat eine aktuelle Studie zur Behandlung des Hodenhochstandes ergeben, dass nur 13,4% der Kinder wurden rechtzeitig vor Abschluss ihres zweiten Lebensjahres behandelt wurden, 46,4% zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr und 40,2% nach dem 5. Geburtstag. Es besteht also weiterhin erheblicher Informationsbedarf hinsichtlich dieser Problematik.

Varikozele (Hodenkrampfader)

Eine ähnliche Problematik kann durch eine Krampfader am Hoden hervorgerufen werden (Varicozele). Man nimmt an, dass diese verdickte Ader die Temperatur des Hodens ebenfalls erhöht und die Spermienproduktion negativ beeinflussen kann. Zur Beseitigung einer solchen Krampfader gibt es verschiedene operative Techniken. Manche Urologen spritzen ein Medikament in die Ader, welches zu einem Verschluß führen soll. Es sei hier bemerkt, dass all diese Methoden umstritten sind, da viele Urologen überzeugend behaupten, dass eine Verbesserung der Spermienqualität dadurch nicht zu erzielen ist. Klinische Studien konnten den Vorteil der Krampfaderbeseitigung bisher auch nicht zweifelsfrei nachweisen.

genetische Ursachen

Genetische Ursachen für eine männliche Unfruchtbarkeit sind zwar selten, sollten aber bei ausgeprägten Einschränkungen der Spermienqualität unbedingt abgeklärt werden. Als Beispiel sei hier das Klinefelter-Syndrom genannt. Diese Männer haben ein X-Chromosom zuviel. Normalerweise hat jeder Mann ein 46 Chromosomen inklusive eines X-Chromosoms und ein Y-Chromosoms. Männer mit Klinefelter-Syndrom haben 47 Chromosomen (47, XXY). Dies führt zu einer verminderten Ausschüttung männlicher Hormone und zu einer verminderten Qualität der Samenfäden, meist sogar zu einem kompletten Ausfall der Spermienproduktion. Die möglicherweise vorhandenen Restfunktionen des Hodens nehmen mit zunehmendem Alter ab.

Abgesehen von diesen Veränderungen der Zahl der Chromosomen gibt es zahlreiche Veränderungen der einzelnen Chromosomen. In großen Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei ca. 10% der Männer mit Spermienzahlen unter 10 Millionen/ml genetische Auffälligkeiten bestehen. Eine Therapie der Chromosomenveränderungen ist nicht möglich, bei erhaltener Restfunktion der Hoden wird man dem Paar nach ausführlicher Beratung durch einen Genetiker eine ICSI-Therapie anbieten müssen.

Sertoli-Cell-Only-Syndrom

Keine bekannte Ursache hat das ebenfalls angeborene „Sertoli-Cell-Only-Syndrom“. Wie der Name schon sagt, befindet sich dabei im Hoden nur noch Sertoli-Zellen. Diese bilden das Stützgewebe des Hodens und sind an der Spermienproduktion nur hormonell beteiligt. Die Zellen, die in den Hodenkanälchen die Spermien bilden, fehlen bei dieser Erkrankung. Bei manchen Männern mit diesem Syndrom lassen allerdings noch erhaltene „Inseln“ mit funktionierenden Hodenkanälchen finden. Dies muß man durch eine Gewebsentnahme am Hoden untersuchen. Sind noch vereinzelt Spermienvorstufen zu finden, kann man auch hier eine ICSI -Therapie (in Verbindung mit einer TESE) erwägen.

Globozoospermie

Eine letzte hier erwähnte angeborene Störung geht nicht mit einer Verminderung der Spermienzahl einher sondern mit einem Verlust der Spermienfunktion. Die „Globozoospermie“ zeichnet sich durch das Fehlen des “ Akrosoms “ aus. Das Hütchen am vorderen Ende des Samenfadens beinhaltet wichtige Enzyme, mit deren Hilfe das Spermium in die Eizelle eindringen kann (Ein Bild eines Samenfadens finden Sie hier). Ohne diese Stoffe ist ein Befruchtung unmöglich. Eine Behandlung ist auch hier nur durch eine ICSI möglich, wenngleich mit eher schlechten Erfolgsaussichten.

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Zuletzt bearbeitet am: 19. Sep 2010 @ 01:22

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