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Hoden-Krampfader

Autor: E. Breitbach (Erstellt am 10.03.2008 | zuletzt geändert am -)

Die Varikozele ist eine Hoden-Krapfader, also eine Venenerweiterung, die am Nebenhoden in der Nähe des Samenleiters befinden. Diese Krampfadererkrankung tritt meist linksseitig, gelegentlich aber auch auf beiden Seiten auf. Die Erkrankung ist häufig: ca. 15% der Männer sind davon betroffen.

Meist bleiben die Varikozelen von den betroffenen Männern unbemerkt, bei ausgeprägteren Befunden kann es zu einer Schwellung des Hodens sowie Spannungsgefühlen kommen. Ursache ist eine Behinderung des Blutflusses in die Nierenvene. Dadurch kommt es zu einer Druckerhöhung in diesem Bereich und zu einer Aussackung des Gefäßes.

Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch den Tastbefund und Ultraschall. Dabei werden verschiedene Ausprägungsgrade unterschieden:

-Subklinische Varikozelen können nicht getastet werden und sind meist nur durch den Ultraschall nachweisbar.
-Varikozelen Grad I können getastet werden, jedoch lediglich, wenn der Druck im Bauch erhöht ist (Bauchpresse)
-Varikozelen Grad II können problemlos auch ohne Pressen getastet werden, sind jedoch nicht mit dem bloßen Auge erkennbar
-Bei Varikozelen Grad III werden die Krampfadern durch die Haut des Hodensacks gesehen und getastet.

Symptome und Folgen
Die Krampfader am Hoden wird oft für eine verminderte Spermienqualität verantwortlich gemacht. Durch die verminderte Durchblutung und den Blutstau kann es zu einer Überhitzung des Hodengewebes kommen und in Folge davon zu einer Verminderung der Hodenfunktion. Der Zusammenhang zeigt sich auch statistisch: 25-40 Prozent der Männer, die in die Fruchtbarkeitssprechstunde kommen, haben eine Varikozele.

Diese Krampfadern können bei stärkerer Ausprägung Schmerzen verursachen und das sollte immer eine Indikation für eine operative Bestigung sein.

Die Therapie kann mikrochirurgisch durchgeführt werden, die gebräuchlichste Methode ist jedoch die Sklerosierung, wobei eine Flüssigkeit in die Vene gegeben wird, welche diese verschließt.

Sollte man jedoch auch bei einer schlechten Spermienqualität die Varikozele entfernen?

Dazu gibt es viele Studien, die jedoch bedauerlicherweise zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ziel der Behandlung sollte die Schwangerschaft sein. Eine Verbesserung der Spermienqualität alleine ist nicht ausreichend. Daher sind auch nur Studien zur Klärung dieser Frage hilfreich, die den Einfluss auf die Schwangerschaftsrate untersuchen und nicht nur das Spermiogramm.

Schwangerschaftswahrscheinlichkeit nach Varikozelenoperation
Eine sogenannte Metaanalyse, also eine systematische Zusammenfassung mehrerer Studien wurde 2004 in der Cochrane Database publiziert1, konnte zeigen, dass die Verbesserung der Chancen auf eine Schwangerschaft durch die Beseitigung der Krampfadern nicht erzielt werden kann.

Im gleichen Jahr wurde jedoch eine kritische Würdigung dieser Arbeit publiziert2, die aufzeigte, dass die Ergebnisse sehr wohl für die Operation sprechen, wenn man nur Männer mit einer eingeschränkten Spermienqualität und einer erkennbaren Krampfader einem solchen Eingriff unterzieht. Eine Studie deutscher Wissenschaftler bestätigten widerum die Ergebnisse der Cochrane-Analyse3: Die Behandlung der Varikozelen war im Hinblick auf eine Schwangerschaft nicht erfolgreicher als regelmäßige Untersuchungen und eine intensive andrologische und gynäkologische Betreuung der Paare.

Ist eine Insemination geplant, dann kann die Operation die Schwangerschaftsrate verbessern4. In anderen Studien konnten diese Ergebnisse jedoch nicht bestätigt werden.

Fehlende Spermien: Azoospermie kann verbessert werden
Bei Männern mit einem annäherenden oder vollständigen Fehlen von Spermien im Ejakulat kann die Operation die Spermienqualität gelegentlich deutlich verbessern. Voraussetzung ist, dass sich im Hoden noch Inseln intakter Spermienproduktion finden und durch den Eingriff angeregt werden können5.

Bei sehr ausgeprägter Oligozoospermie (geringer Spermienzahl) ist eine Verbesserung der Spermienqualität nach einer Operation bis hin zu spontanen Schwangerschaften möglich, wobei es sich bei diesen Berichten meist um beidseitige Varicozelen handelte6.

Ja wie den nun?
Die Behandlung der Varikozele ist immer eine Einzelfallentscheidung, denn klare Aussage sind aus den wissenschaftlichen Publikationen nicht zu entnehmen. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass eine Behandlung erfolgen sollte bei:

  • Beschwerden
  • Kindern und Heranwachsenden mit einem verringerten Hodenvolumen

Den Empfehlungen des Arbeitskreis Andrologie der Deutschen Gesellschaft für Urologie sind zusätzlich weitere Behandlungsempfehlungen zu entnehmen:

  • Kinderwunsch und schlechtem Spermiogramm (Infertilität)
  • Schlechtem Spermiogramm ohne Kinderwunsch (mögliche Infertilität)

Den Studienergebnissen weiter oben kann man entnehmen, dass die subklinischen Varikozelen (Stadium I und II) eher nicht als Ursache für eine beeinträchtigte männliche Fruchtbarkeit anzusehen sind und daher auch keine Operationsindikation darstellen7.

[1] Evers JL, Collins JA. 2004. Surgery or embolisation for varicocele in subfertile men. Cochrane Database Syst Rev 2004:CD000479.

[2] Ficarra V, Cerruto MA, Liguori G, Mazzoni G, Minucci S, Tracia A, Gentile V
Treatment of varicocele in subfertile men: The Cochrane Review–a contrary opinion.
Eur Urol. 2006 Feb;49(2):258-63

[3] Nieschlag E, Hertle L, Fischedick A
Update on treatment of varicocele: counselling as effective as occlusion of the vena spermatica. Hum Reprod 1998 13:2147-2150.

[4] Daitch JA, Bedaiwy MA, Pasqualotto EB
Varicocelectomy improves intrauterine inseminationsuccess rates in men with varicocele
J Urol 2001 165:1510-1513.

[5] Kadioglu A, Tefekli A, Cayan S
Microsurgical inguinal varicocele repair in azoospermatic men
Urology 2001 57:328-333.

[6] Gat Y, Bachar GN, Everaert K
Induction of spermatogenesis in azoospermatic men after internal spermatic vein embolization for treatment of varicocele
Hum Reprod 2005 20:1013-1017.

[7] Nagle,H.M.
Editorial Comment: Varicocele: where , why and, if so, how?
J. Urol. 172,1239-1240,2004

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3 Antworten auf “Hoden-Krampfader”

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Kommentare unserer Besucher zum Artikel

  1. Frank73 schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Breitbach,

    wegen einer beidseitig stark ausgeprägten Varikozele testis wende ich mich an Sie.
    In mehreren Ultraschalluntersuchungen sind an meinen Hoden Krampfadern (Varikozelen) festgestellt worden.
    Links eine höhergradige Varikozele (Grd. II-III) und rechts eine Varikozele der Grade subklinisch bis II.
    Die Varikozelen kann ich aber auf beiden Seiten deutlich tasten - links stärker als rechts.
    Die Ultraschalluntersuchungen haben nun Hodenvolumina von 8+10ml, 12+14ml, 10+20ml, 21+22ml, 10+10ml, 15+16ml und 13+14ml ergeben, also je nach Untersucher recht unterschiedliche Werte.
    Mir ist aber schon eine deutliche Hodenschrumpfung aufgefallen.
    Mittlerweile bin 35 Jahre alt, und die linke Varikozele wurde bereits mit 16 Jahren diagnostiziert ohne eine klare Therapieempfehlung damals.
    In den Untersuchungen mit 7,5-9,5 MHz-Schallköpfen sind keine Auffälligkeiten im Hodengewebe gefunden worden. Allerdings wurden bei einer Ultraschalluntersuchung mit einem 12 MHz-Schallkopf stake Mikroverkalkungen im linken und mäßige Mikroverkalkungen im rechten Hoden festgestellt.
    Einerseits liest man immer wieder, dass Varikozelen mit Hodenkrebs nicht im Zusammenhang stünden, andererseits wiederum von einem erhöhten Krebsrisiko bei diesen Mikroverkalkungen!
    Außer den Varikozelen hatte ich nie eine andere Erkrankung der Hoden, auch nicht im Kindesalter. Auch sind keine Chromosomenanomalien u. dergl. bei mir bekannt.
    Besteht denn jetzt durch die beidseitigen Varikozelen ein erhöhtes Hodenkrebsrisiko?
    Bei der letzten Untersuchung sind keine erhöhten Tumormarker festgestellt worden.
    Auch die Werte der Hormone FSH, LH, Inhibin-B und Testosteron waren im Normbereich, wobei aber Testosteron bei der letzten Untersuchung nur einen Wert von 3,85 ng/ml aufwies.
    Es wurden mehrere Spermiogramme von vier verschiedenen Untersuchern angefertigt, wobei die Ergebnisse untersucherabhängig stark schwanken:
    Zwei Untersucher (Urologen) stellten eine Oligozoospermie fest mit jeweils 5-10 Mio Spermien/ml und 5-20 Mio. Spermien/ml.
    Die anderen beiden Untersucher (KiWu-Praxen) stellten eine Asthenoteratozoospermie mit normalen Spermienkonzentrationen (ca. 60-80 Mio. Spermien/ml) fest bei mäßig eingeschränkter Motilität und hoher Fehlformenrate im Kopfbereich.
    Außerdem wurde eine erhöhte Viskosität festgestellt.

    Mir stellt sich nun die Frage nach der weiteren Vorgehensweise.
    Bitte verweisen Sie jetzt nicht auf Studien, die keinen Effekt auf die Schwangerschaftsrate nach Varikozelenbeseitigung nachweisen!
    Zum Einem sind mir sowohl diese Studien als auch entgegensetzte Erfolgsberichte von Patienten bekannt, zum Anderen geht es mir aber auch in erster Linie darum, eine weitere Verschlechterung im Sinne einer Azoospermie und fortschreitenden Hodenatrophie zu vermeiden.
    Dabei ist mir nicht klar, welches nun in meinem Falle das geeignete Vorgehen wäre, also welche Operations-/Verödungstechnik angewendet werden sollte und die geringsten Komplikationen birgt.
    Bei den operativen Verfahren besteht das Risiko einer Hodenatrophie durch ein versehentliches Verletzen der Arterie, und bei den Verödungsverfahren kann das Verödungsmittel selbst durch Entzündungen oder Verschluss sämtlicher Venen zu einem Hodenverlust führen.
    Um nicht beide Hoden gleichzeitig zu verlieren, bin ich gegen ein beidseitiges Verfahren wie bei der Laparoskopischen Varikozelenligatur.
    Aber welches Verfahren wäre denn jetzt geeignet?
    Gibt es da ein spezialisiertes Zentrum?
    An wen soll ich mich noch wenden?
    Bitte entschuldigen Sie meine lange Anfrage, aber ich bin mittlerweile total verzweifelt und weiss nicht mehr weiter.

    Mit freundliche Grüßen

    Frank

  2. E. Breitbach schreibt:

    @Frank73: Ein erhöhtes Hodenkrebsrisiko ist mir nicht bekannt im Zusammenhang mit der Varicozele. Die Verkalkung kann auch unabhängig davon aufgetreten sein, letztlich auch durch eine Traumatisierung. Aber ich bin kein Urologe und kann da leider auch nciht viel mehr zu sagen.

    Ein Testosteronwert von 3,x wäre z. B. am Nachmittag abgenommen sogar gut, sonst an der unteren Norm.

    “Bitte verweisen Sie jetzt nicht auf Studien, die keinen Effekt auf die Schwangerschaftsrate nach Varikozelenbeseitigung nachweisen!”

    OK ;-)
    Zu den Operationsverfahren kann ich als Gynäkologe leider nicht viel sagen, da ich die Techniken nicht ausreichend kenne. Was ich jedoch weiß, ist das alleine für eine Verbesserung des Spermiogramms die operative Behandlung einer Varikozele I-II° nicht sinnvoll ist. Nun ist sie erstens bei Ihnen ausgeprägter und zweitens scheint eine atrophie die Folge zu sein, aobei auch hier die unterschiedlichen Untersucher durchaus eine Mitursache sein können. aber wenn Sie es selbst auch so nachvollziehen können, dann ist die Wahrscheinlichkeit ja groß, das es auch wirklich der Fall ist.

    Über die Techniken, kann ich Ihnen leider auch nichts sagen, was Sie offenbar nicht schon selbst wüssten.

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