Vorzeitige Wechseljahre


Definition

Bei jeder Frau stellen die Eierstöcke ab einem bestimmten Alter ihre Tätigkeit ganz ein. Dieser Vorgang ist ganz natürlich und wird allgemein als „Wechseljahre“ bezeichnet. Tritt dieser Funktionsverlust der Eierstöcke jedoch vor dem 40. Lebensjahr auf, dann handelt es sich um vorzeitige Wechseljahre, auch als (primäre) Ovarialinsuffizienz bezeichnet oder auch „Klimakterium praecox“ (engl.: Premature ovarian failure = POF). Diese Erkrankung kann auch bei sehr jungen Frauen Anfang 20 auftreten.

Ursachen

Von diesem Problem sind ca. 1% aller Frauen betroffen. Die Ursachen sind sehr vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Es können genetische Erkrankungen vorliegen, es wird auch darüber spekuliert, ob es sich um eine Autoimmunerkrankung handeln könnte, bei der der Körper durch fehlgeleitete Abwehrmechanismen die Funktion der Ovarien blockiert. In Frage kommen dabei auch Antikörper gegen die FSH-Rezeptoren, so dass die Eierstöcke die Signale der Hirnanhangsdrüse nicht wahrnehmen können. Abgesehen von den genetischen Ursachen, die mit entsprechenden Untersuchungen festgestellt werden können, sind andere Ursachen diagnostisch nicht erfassbar.

Nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung aufgrund einer Krebserkrankung kann die Funktion der Eierstöcke ebenfalls zum Erliegen kommen.

Begünstigende Faktoren

. Hier ist statistisch gesehen ein Zusammenhang herzustellen, wobei die eigentlich Ursache für den Eintritt der vorzeitigen Wechseljahre nicht immer klar ist:

  • Rauchen
  • familiäre Häufung (vermutlich genetischer Ursache)
  • häufige Blutung/kurze Menstruationszyklen
  • Diabetes
  • vegetarische Ernährung
  • Immunologische Erkrankungen wie bestimmte Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, Rheumatoide Arthritis oder Systemischer Lupus erythematodes

Symptome

Der Eintritt der Wechseljahre wird nicht durch den "Verbrauch" von Eizellen bestimmt - auch wenn dies oft so behauptet wird - sondern ist vor allem genetisch vorgegeben. Jede Frau geht mit mehreren hundert nicht genutzten Eizellen in die Wechseljahre. Foto von jlodder

Der Eintritt der Wechseljahre wird nicht durch den „Verbrauch“ von Eizellen bestimmt – auch wenn dies oft so behauptet wird – sondern ist vor allem genetisch vorgegeben. Jede Frau geht mit mehreren hundert nicht genutzten Eizellen in die Wechseljahre.
Foto von jlodder

Die Befunde für diese Erkrankung sind sehr typisch: Die Frauen haben die gleichen Symptome wie in den Wechseljahren (Hitzewallungen, Schweißausbrüche, trockene Schleimhäute, psychische Verstimmungen bis hin zur Depression) Die Regelblutung bleibt aus. Die Östrogene sind deutlich erniedrigt. LH und FSH sind stark erhöht, da die Hirnanhangsdrüse „merkt“, dass die Östrogene erniedrigt sind und versucht durch Erhöhung der Hormonproduktien, also LH und FSH, die Eierstöcke doch noch zu einer Reaktion zu „zwingen“. Mehr zu diesen Zusammenhängen finden Sie unter „hormonellen Grundlagen„.

Prognose

Glücklicherweise besteht dieses Phänomen nicht immer dauerhaft und die Funktion der Eierstöcke kann sich auch (vorübergehend) wieder erholen. Dies wird dann als „intermittant ovarian failure“ bezeichnet.

Eine Behandlung gibt es hinsichtlich des Kinderwunsches nicht. Da diese Erkrankung gelegentlich nur vorübergehend auftritt, sollte man die endgültige Diagnose nicht aufgrund einer einzigen Hormonbestimmung stellen. Eine Stimulation der Eierstöcke mit hohen Hormondosen kann gelegentlich zum Erfolg führen, ist jedoch nur im Ausnahmefall sinnvoll. In Deutschland nicht erlaubt ist die Eizellspende, mit Hilfe derer man eine Schwangerschaft auch bei vorzeitigen Wechseljahren erzielen kann.

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