Wieso polycystisch?
Das Syndrom der polyzystischen Ovarien (=PCO-Syndrom) ist kein eigenständiges Krankheitsbild, auch wenn viele Gynäkologen dies gerne vereinfachend behaupten. Polyzystisch heiß”viele Zysten” und damit wird der Zustand der Eierstöcke beschrieben. Diese “Zysten” der Eierstöcke sind jedoch keine echten Zysten. Es handelt sich hierbei um viele kleine Eibläschen, die nicht heranreifen können und vorzeitig verkümmern. Im Ultraschall (Bild) kann man diese kleinen “Zysten” dann meist sehr gut erkennen.
Dies ist ein typisches Bild, so wie sich das PCO-Syndrom oft im Ultraschall erkennen läßt. Der Eierstock ist insgesamt vergrößert (die weiße Linie wurde nachträglich hinzugefügt, um auch dem ungeübten Betrachter den Eierstock erkennbar werden zu lassen). Innerhalb des Eierstocks finden sich viele kleine Follikel; einige davon wurden markiert. Die flüssigkeitsgefüllten Eibläschen stellen sich im Ultraschall dunkel dar. |
Ursachen, hormoneller Hintergrund
Das Heranreifen der Follikel wird durch erhöhte Spiegel männlicher Hormone verhindert, wie dies auch im Kapitel “erhöhte männliche Hormone” beschrieben wird. Das PCO-Syndrom ist also kein neues Syndrom, sondern lediglich eine etwas ausgeprägtere Form der in diesem Kapitel beschriebenen Problematik. Es kommt fast immer zu einem völligen Ausbleiben der Regelblutung oder zumindest deutlich verlängerten Zyklen, weil der “Taktgeber”, nämlich Eizellreifung und Eisprung nicht mehr vorhanden sind. Die Eierstöcke sind meist vergrößert und es lassen sich weitere hormonelle Besonderheiten feststellen. Bei einem ausgeprägten PCO-Syndrom ist der Wert des eisprungauslösenden Hormons (LH) regelmäßig erhöht. Aufgrund der in dem Kapitel “erhöhte männliche Hormone” beschriebenen “Zweizelltheorie” kommt es dadurch zu einer verstärkten Synthese von männlichen Hormonen auch im Eierstock. Diese werden bei den oft (nicht immer!) übergewichtigen Frauen im Fettgewebe zu Östrogenprodukten umgewandelt, welches dann wieder zu einer erhöhten LH-Produktion führt, da die Hirnanhangsdrüse wegen der Östrogene nun meint, den Eisprung auslösen zu müssen. Es entsteht also ein Kreislauf, aus dem ohne medikamentöse Therapie kein Ausweg gefunden werden kann (es sei denn, durch Gewichtsreduktion, falls ein Übergewicht besteht).
Störung des Insulinstoffwechsels ist oft ein Grund
Es gibt auch Hinweise darauf, daß eine Störung im Insulinstoffwechsel ein Grund für die Entstehung des PCO sein könnte. Bei der sogenannten Insulinresistenz wirkt dieses von der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon nicht ausreichend an den Rezeptoren der zuckerverarbeitenden Gewebe. Wegen der Ähnlichkeit des Insulins mit dem “Insulin-like Growthfactor (IGF)”, der maßgeblich an der hormonellen Steuerung des Eierstocks beteiligt ist, kommt es bei einem Insulinüberschuß zu Störungen der Eierstocksfunktion.
Der Überschuß des Insulins entsteht, weil das zuckerverarbeitende Gewebe ja nicht ausreichend auf das Insulin reagiert und die Bauchspeicheldrüse zum Ausgleich mehr von diesem Hormon ausschüttet. Solche Zusammenhänge entstehen ebenfalls bei übergewichtigen Patientinnen häufiger als bei schlanken Frauen.
Die Therapie des PCO kann daher auch in der Verabreichung insulinsenkender Medikamente bestehen.
Definition
In der NICHD-PCOS Konsensuskonferenz in den USA 1990 wurde das PCO-Syndrom erstmals definiert:
- Zyklusstörungen (seltener oder ausbleibende Blutung)
- einen männlichen Behaarungstyp (Hirsutismus)
- und/oder vermehrte männliche Geschlechtshormone im Blut (Hyperandrogenämie)
Zusätzliche mögliche Probleme sind der Definition zufolge: unerfüllter Kinderwunsch und bei etwa 70% der Patientinnen PCO-typische Zysten an den Eierstöcken.
Eine neuere Definition erfolgte 2003 in Rotterdam. Demnach liegt ein PCO-Syndrom vor, wenn zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sind:
- Zyklusstörung
- Erhöhung der männlichen Hormone und/oder äußere Zeichen der erhöhten männlichen Hormonbildung
- Polyzystische Ovarien im Ultraschall
Erstmals wurde auch ein Konsens darüber gefunden, wie die Eierstöcke aussehen müssen, um im Ultraschall als solche befundet zu werden: Polyzystische Ovarien liegen demnach vor, wenn bei der Sonographie mindestens ein Eierstock ein Volumen von mindestens zehn Milliliter und/oder mindestens zwölf “Zysten” von mit einem Durchmesser von jeweils zwei bis neun Millimeter aufweist.
Mögliche Therapie-Konzepte
Auf die Therapie wird in einem gesonderten Kapitel eingegangen. Eine komplette Beseitigung des PCO-Syndroms ist oft nicht möglich. Ziel der Therapie ist es, die männlichen Hormone abzusenken und anschließend einen Eisprung herbeizuführen. Die Behandlung besteht zunächst oft darin, die Eierstöcke und die Hirnanhangsdrüse außer “Gefecht” zu setzen und regelmäßige Blutungen herbeizuführen. Dies geschieht meist mit einer Pille, obwohl dies für Frauen mit Kinderwunsch schwer nachvollziehbar ist. Aber oft ist diese Maßnahme zur Unterbrechung des oben beschriebenen Kreislaufs notwendig. Weitere Details zu möglichen Therapiekonzepten, auch z. B. der Insulinresistenz finden Sie bei den unten aufgeführten Links.

Dies ist ein typisches Bild, so wie sich das PCO-Syndrom oft im Ultraschall erkennen läßt. Der Eierstock ist insgesamt vergrößert (die weiße Linie wurde nachträglich hinzugefügt, um auch dem ungeübten Betrachter den Eierstock erkennbar werden zu lassen). Innerhalb des Eierstocks finden sich viele kleine Follikel; einige davon wurden markiert. Die flüssigkeitsgefüllten Eibläschen stellen sich im Ultraschall dunkel dar.
Mr Wong
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Yigg
Montag, 14 April 2008 um 22:12
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