Störung der Blutgerinnung


Es ist bekannt, dass bei Frauen mit Blutgerinnungsstörungen und Thromboseneigung Fehlgeburten statistisch häufiger auftreten als üblich. Dies gilt insbesondere für Frauen, die aus immunologischen Gründen oder bedingt durch genetische Veränderungen eine sogenannte “Thrombophilie” aufweisen. Möglicherweise sind Störungen der Durchblutung an der Einnistungsstelle des Embryos dafür verantwortlich.

Faktor V (Leiden)

Besonders häufig sind die Gerinnungsfaktoren II und V von Mutationen betroffen. Am bekanntesten ist die Veränderung des Faktors V (Leiden, benannt nach dem dem Ort der Universität, in der diese Störung entdeckt wurde), welche in der europäischen Bevölkerung mit einer Häufigkeit von ca. 5% auftritt, manche Untersucher fanden diese Genveränderung sogar bei bis zu 15% der untersuchten Personen.

Die Mutation führt zu einer Resistenz gegenüber dem aktivierten Protein C, welches bei der Blutgerinnung eine Balance gegenüber den gerinnungsauslösenden Stoffen ermöglicht und die Gerinnung hemmt. Diese sogenannte APC-Resistenz kann dadurch zu einem erhöhten Risiko für Thrombosen führen. Meist tritt diese Mutation nur auf einem Gen auf und damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose gegenüber der Normalbevölkerung um das 5-10fache. Sind beide Gene einer Person betroffen (=homozygot), dann steigt die Wahrscheinlichkeit auf das bis zu 100fache.

Die Angaben schwanken erheblich, wenn es darum geht, die Auswirkungen der APC-Resistenz auf den Verlauf einer Schwangerschaft einzuschätzen. Von Abortraten bis zu 50% wurde berichtet.

Die Diagnostik kann funktionell erfolgen, das heißt mit bestimmten Funktionstests im Blut. Durchgesetzt hat sich jetzt aber die molekulargenetische Untersuchung, bei der die Mutation des entsprechenden Gens direkt untersucht wird.

Prothrombin-Mutation

Eine weitere genetische Ursache für Gerinnungsstörungen ist die Mutation des Gens, welche für die Herstellung des Prothrombins (Faktor II) zuständig ist. Wie bei der oben beschriebenen APC-Resistenz kommt es auch hier zu einem vermehrten Auftreten von Thrombosen, ca. 3x häufiger als in der Normalbevölkerung. Im Falle einer Schwangerschaft treten Thrombosen mit einer Wahrscheinlichkeit von 15% auf.

Der Zusammenhang mit Fehlgeburten kann auch bei dieser Gerinnungsstörung nachgewiesen werden, eine Steigerung um den Faktor 5 gegen über der natürlichen Fehlgeburtsrate wird berichtet.

Auch hier erfolgt die Diagnostik durch eine molekulargenetische Untersuchung des beteiligten Gens.

MTHFR-Mutation

Bei der MTHFR-Mutation handelt es sich um den häufigsten angeborenen Defekt im Folsäurestoffwechsel. Die Methylentetrahydrofolatreduktase ist ein Enzym, welches im Homocysteinstoffwechsel von Bedeutung ist. Homocystein ist ein schädliches Zwischenprodukt des Aminosäurestoffwechsels. Es wird aus der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin gebildet und entweder unter Beteiligung der MTHFR in einer Folsäure- und Vitamin B12-abhängigen Reaktion in Methionin zurückverwandelt oder unter Beteiligung von Vitamin B6 in L-Cystein umgebaut.

Durch einen Basenaustausch in Position 677 des MTHFR-Gens entsteht eine thermolabile Enzymvariante, die aufgrund des dadurch bedingten Funktionsverlustes einen verminderten Abbau des Homozystein verursacht. Die hohen Homocystein-Spiegel im Blut gelten als eine vom Gerinnungssystem unabhängiger Risikofaktor für Thrombosen und koronare Herzerkrankungen. Die MTHFR-Variante kommt häufig vor und bei etwa 9-11% der europäischen Bevölkerung sind beide Gene betroffen (homozygot) und bei 30-40% nur eines der beiden Gene (heterozygot).

Autoimmunerkrankung

Autoimmunerkrankungen gibt es in großer Zahl, am bekanntesten ist z. B. das Rheuma. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Erkrankungen, welche dadurch bedingt sind, daß das Immunsystem Antikörper gegen körpereigenes Gewebe bildet, welches dadurch in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört wird. Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die vorwiegend junge Frauen betrifft. Dabei kommt es zu Entzündungen in verschiedenen Organen (in erster Linie Haut, Blutgefäße, Nieren und Gelenke).

Das Antiphospholipidsyndrom ist ebenfalls eine Autoimmunerkrankung und wie der Lupus erythematodes zeichnet es sich durch Antikörper gegen körpereigenes Gewebe (das Phospholipid Cardiolipin; ein Stoff, der in der Zellwand vorhanden ist) aus.

Es gibt auch Patienten, die keine sonstigen Zeichen eines SLE zeigen (also keine Organschäden), bei denen aber trotzdem Lupus-Antikörper im Blut nachweisbar sind und die dadurch Thrombosen erleiden. Häufig fallen solche Frauen zuerst durch häufige Fehlgeburten auf. Dies wird durch Thrombosen der Placenta, meist nach dem 3. Schwangerschaftsmonat, verursacht und ist eine wichtige Differentialdiagnose von häufigen Fehlgeburten.

Die Diagnostik beinhaltet die Untersuchung von Cardiolipinantikörpern und Luopusantikoagulanz aus dem Blut. Oft werden auch andere mit SLE vergesellschaftete Antikörper untersucht, wie z. B. Antinukleäre Antikörper (ANA).

Warum kommt es bei Thromboseneigung zu Fehlgeburten?

Schon in der frühen Einnistungs- und Embryonalphase können bei Frauen mit Thromboseneigung kleine Thrombosen auftreten, welche die Durchblutung stören können und dadurch die Einnistung verhindern oder später zu Fehlgeburten führen können. Beim Antiphospholipid-Syndrom wird auch ein direkter Einfluss beim Einnistungsprozess vermutet.

Therapie

Da diese Erkrankungen die Fehlgeburten durch eine erhöhte Neigung des Blutes zur Gerinnung hervorruft, ist bei Bekanntwerden einer Schwangerschaft oder bei einer geplanten Schwangerschaft während der Kinderwunschbehandlung eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten angezeigt. Üblicherweise wird hierzu (niedermolekulares) Heparin verabreicht.

Bei immunologisch bedingter Gerinungsstörung wird auch Acetylsalicylsäure eingesetzt (bekannter als Aspirin oder ASS), wobei 100 mg pro Tag ausreichend sind. Oft wird dies ergänzt durch die Gabe von Heparin.

Bei Vorliegen einer MTHFR-Mutation sollte durch eine Homocystein-Kontrolle das individuelle Thromboserisiko eingeschätzt werden. Mit Hilfe von Folsäure, Vitamin B6 und B12 können die Risiken deutlich gemindert werden. Bei wiederholten Fehlgeburten wird ebenfalls über eine Heparingabe nachzudenken sein.

Darüber hinaus sollte eine betroffene Person auch unabhängig von einer Schwangerschaft in Risikosituationen (z. B. operative Eingriffe) Medikamente zur Blutverdünnung bekommen.


Zuletzt bearbeitet am: 19. Sep 2010 @ 00:53

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