Der Einfluss der erhöhten männlichen Hormone und des sogenannten PCO-Syndroms auf den weiblichen Zyklus werden ausführlich in anderen Kapiteln beschrieben. Die Ursachen, weshalb Frauen mit erhöhten Werten für männliche Hormone mehr Aborte haben als Frauen mit normalen Hormonparametern, ist letztlich ungeklärt. Zu diesem Thema gibt es viele klinische Untersuchungen, jedoch können sie den Zusammenhang nicht schlüssig erklären.
Ist das erhöhte LH verantwortlich für Fehlgeburten?
Möglicherweise: Eine der populärsten Theorien begründet die erhöhte Abortrate mit den oft gleichzeitig erhöhten Werten für das eisprungauslösende Hormon (LH). Durch die vermehrte Produktion dieses Hormons kommt es zu einer chronischen Belastung der reifenden Eizelle mit diesem Hormon, welches eigentlich nur bei dem reifen Follikel wirken soll (und den Eisprung auslösen). Die Eizelle erfährt sozusagen eine vorzeitige Alterung und der resultierende Embryo neigt aufgrund dieser schlechten Ausgangsbasis zu Aborten. Ob diese Vermutungen stimmen, weiß niemand genau, aber diese Hypothese wird unterstützt von der Erfahrung, daß Frauen mit erhöhten LH-Spiegeln im Blut tatsächlich vermehrt Aborte erleiden. Da diese hormonelle Veränderung ein häufiges Phänomen bei Frauen mit einem PCO-Syndrom ist, erscheint dieser Zusammenhang plausibel. Möglicherweise ist die Abortneigung aber auch nur durch die erhöhten männlichen Hormone bedingt, die oft im Zusammenhang mit dem PCO-Syndrom auftreten.
Übergewicht und Fehlgeburten
Übergewicht scheint ein weiterer Faktor zu sein, der zumindest im Zusammenhang mit Hormonstörungen wie dem PCO-Syndrom das Auftreten von Fehlgeburten begünstigt. In Studien, welche den Zusammenhang zwischen PCO-Syndrom und Fehlgeburten untersuchten [1], fiel auf, daß Fehlgeburten bei PCO-Patientinnen häufiger waren als bei Frauen mit einem normalen Hormonhaushalt. Signifikant höher war die Zahl der Aborte jedoch nur bei übergewichtigen Frauen mit PCO, nicht bei denen mit einem normalen Gewicht. Man kann daraus schließen, daß der Faktor Übergewicht eine wesentliche Ursache darstellt.
Hat nun jede übergewichtige Frau ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten?
Wahrscheinlich nicht. Das Zusammentreffen von PCO-Syndrom und Übergewicht dürfte die problematische Konstellation sein. Und auch hier nicht in jedem Fall. Besteht darüber hinaus eine sogenannte Insulinresistenz, dann scheint das Risiko erhöht, sonst nicht zwangsläufig. In Studien, welche sich mit Schwangerschaftsverläufen bei PCO-Syndrom beschäftigten [2,3], wurde festgestellt, daß eine Absenkung der Abortrate auftrat, wenn eine Therapie der erhöhten Insulinspiegel erfolgte. Dies lässt darauf schließen, daß die unbehandelte Insulinresistenz ein wesentlicher Faktor für das Auftreten von Fehlgeburten sein könnte.
Als Therapie ist bei vorhandener Insulinresistenz sicherlich zu einer Behandlung des gestörten Insulinhaushaltes zu raten und zu einer Reduktion des Übergewichts, da dieses ursächlich mit der Stoffwechselstörung in Zusammenhang steht. Erhöhte LH-Spiegel lassen sich im Rahmen einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke durch eine Unterdrückung der Funktion der Hirnanhangsdrüse (Downregulation) beseitigen.
[1] Polycystic ovarian syndrome and the risk of spontaneous abortion following assisted reproductive technology treatment
Wang JX, Davies MJ, Norman RJ.
Hum Reprod 2001 Dec;16(12):2606-9
[2] Continuing metformin throughout pregnancy in women with polycystic ovary syndrome appears to safely reduce first-trimester spontaneous abortion: a pilot study
Glueck CJ, Phillips H, Cameron D, Sieve-Smith L, Wang P
Fertil Steril 2001 Jan;75(1):46-52
[3]Should patients with polycystic ovary syndrome be treated with metformin?: Benefits of insulin sensitizing drugs in polycystic ovary syndrome-beyond ovulation induction
Stadtmauer LA, Wong BC, Oehninger S.
Hum Reprod 2002 Dec;17(12):3016-26

Mr Wong
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