Infektionen

Infektionen als Ursache für Spätaborte

Infektionen können einen Abort bewirken, sind jedoch nur selten Ursache für wiederholte Fehlgeburten. Eine Ausnahme stellen Spätaborte dar, bei denen durch eine Besiedlung der Scheide und des Gebärmutterhalses mit Bakterien eine Eröffnung des Muttermundes mit oder auch ohne Wehentätigkeit resultiert. Aufgrund unklarer Ursachen (verminderte Immunabwehr?) neigen einige Frauen zu solchen Infektionen. Letztlich kann jeder Erreger, der in die Scheide gelangt, einen Abort auslösen. Die natürliche Besiedlung der Scheide mit Milchsäurebakterien verhindert aber meist eine Ausbreitung. Wenn die normale Scheidenflora jedoch geschädigt ist, dann ist diese natürliche Infektabwehr ebenfalls vermindert und Aborte können resultieren.

Diagnostik

Der/die Frauenarzt/ärztin wird bei entsprechendem Verdacht oder Vorgeschichte Abstriche entnehmen und in einem speziellen Labor auf Erreger untersuchen lassen. Eine direkte Untersuchung unter dem Mikroskop lässt eine Abschätzung der bakteriellen Besiedlung sofort zu. Die Messung des Säuregehaltes der Scheide (pH < 4 ist der angestrebte Wert) ist mit speziellen Indikatorstäbchen möglich. Bei einem hohen Säuregehalt (=niedriger pH) fühlen sich die schützenden Milchsäurebakterien besonders "wohl" und andere Erreger finden schlechtere Bedingungen vor.

Therapie

Cerclage:
cerclage.jpgDieser Eingriff wird in einer kurzen Narkose ausgeführt und benötigt ca. 15 Minuten. Dazu wird der Gebärmutterhals mit Fasszangen nach vorne gezogen und zunächst ein kleiner Schnitt bei 12 Uhr (Patientin liegt auf dem Rücken) durchgeführt. Der untere Teil der Harnblase wird vorsichtig weggeschoben, um Verletzungen zu vermeiden. Anschließend wird in diesem Schnitt eingestochen und in der Muskelschicht des Muttermunds eine sogenannte „Tabaksbeutelnaht“ gelegt. Nach Abschluss dieser Naht kommen die beiden Enden des Fadens an dem Einschnitt wieder zu Vorschein. Sie können dann miteinander verknotet werden und der Gebärmutterhals wird dabei zugezogen. Vor der Entbindung muss dieser Faden wieder entfernt werden. Meist geschieht dies nach 36-37 abgeschlossenen Schwangerschaftswochen.
Die Behandlung der Infektion kann durch Antibiotika erfolgen, die in der Schwangerschaft ohne Risiko gegeben werden können (z. B. Penicillin, Erythromycin oder Cephalosporine). Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie auch die Milchsäurebakterien abtöten. Diese Maßnahme ist daher nur bei besonders hartnäckigen Erregern zu empfehlen. Ansonsten reicht auch oft eine Desinfektion der Scheide (z. B. Betaisadonna-Scheidenzäpfchen) und anschließend eine Wiederansiedlung der schützenden Milchsäurebakterien. Diese „Laktobazillen“ gibt es als Scheidenzäpfchen (z. B. Vagiflor vag. supp.). Die prophylaktische Behandlung mit Milchsäurebakterien sollte bei entsprechender Vorgeschichte regelmäßig über die ganze Schwangerschaft durchgeführt werden (alle 2-3 Tage ein Zäpfchen). Auch Spülungen mit Essigsäure oder Milchsäure werden zur Erhaltung eines niedrigen pH empfohlen.

Verschluss des Muttermunds

Wenn diese Maßnahmen nicht dauerhaft helfen, dann muss man darüber nachdenken, ob man den Muttermund verschließt. Dies geschieht üblicherweise mit einer sogenannten „Cerclage“ . Diese operative Umschlingung des Muttermunds hat weniger den Sinn, die Gebärmutter unten „zuzubinden“, damit das „Kind nicht herausfällt“, sondern der anerkannte Zweck dieser Maßnahme liegt vielmehr darin, dass der Gebärmutterhals verschlossen wird, um den Aufstieg einer Infektion zu erschweren und damit das Risiko einer Muttermundserweichung zu vermindern. Eine Steigerung dieser Maßnahme besteht in dem kompletten Verschuss des Muttermundes. Dabei wird eine Cerclage gelegt und außerdem mit einigen Nähten der Eingang zu Gebärmutterhals verschlossen. Durch diese komplette Abdichtung sind Erreger noch weniger in der Lage, in die Gebärmutter vorzudringen. Für diese Operationen muss die Scheide vorher aber unbedingt frei von pathogenen Keimen sein, da sonst der Infekt nur noch verstärkt wird.

Zuletzt bearbeitet am: 19. Sep 2010 @ 01:15

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