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Das Immunsystem muss dazu den Embryo als fremd erkennen, ist dann aber durch diese speziellen Antikörper (Fc-blockierende Antikörper) auf diesen “Fremdkörper “vorbereitet und kann eine Schutzreaktion in Gang setzen, also eine Abstoßung vermeiden. Es ist also nicht das Problem, dass das Immunsystem “zu stark” ist oder übersensibel, sondern es ist zu schwach und daher durch unzureichende Auseinandersetzung mit Fremdeiweiß in der Vorgeschichte nicht in der Lage, die Schwangerschaft zuzulassen
In verschiedenen wissenschaftlichen Studien fiel auf, dass bestimmte Oberflächenbeschaffenheiten der Körperzellen (HLA-Antigene) bei Paaren mit wiederholten Fehlgeburten überzufällig häufig übereinstimmen (HLA-sharing). Man nimmt an, dass die Ähnlichkeit zwischen den Partnern dazu führt, dass auf Seiten der Frau das Immunsystem nicht ausreichend aktiviert wird und die Entwicklung schützender Antikörper ausbleibt. Gleiches scheint auch für den HLA-Unterschied zwischen Mutter und Embryo zu gelten.
Nein. Es gibt viele Paare, bei denen ebenfalls eine hohe Übereinstimmung der HLA-Merkmale besteht und dadurch die schützenden Antikörper bei der Frau fehlen, die aber nicht von wiederholten Fehlgeburten betroffen sind. Einen zwangsläufigen Zusammenhang kann man nicht sicher erkennen.
Das Prinzip der aktiven Immunisierung besteht darin, dass dem Immunsystem der Frau durch Gabe von Spenderlymphozyten (Lymphozyten sind eine besondere Form der weißen Blutkörperchen) ein Anreiz gegeben wird, “schützende Antikörper” zu produzieren, das Immunsystem wird also aktiviert (s. o.). Erstmals wurde eine solche Therapie im Jahre 1981 durchgeführt, damals noch mit Infusionen mit weißen Blutkörperchen von Spendern. In allen drei Fällen kam es zu einer problemlosen Schwangerschaft.
Ab 1985 wurden verschiedene kontrollierte Studien durchgeführt (= ein Teil der Frauen erhielt Lymphozyten eines Spenders, die Kontrollgruppe ein Placebo, also Eiweißinfusionen oder Eigenblut. Der Verlauf der folgenden Schwangerschaften wies in den meisten Studien keine signifikanten Unterschiede zwischen den behandelten Frauen und der Kontrollgruppe auf. Die Ethikkommission der amerikanischen Gesellschaft für Fortpflanzungs-Immunologie veranlasste aufgrund der unklaren Datenlage eine Studie, welche den Sinn der aktiven Immunisierung klären sollte. Für Frauen mit primären habituellen Aborten (also ohne ausgetragene Schwangerschaft in der Vorgeschichte) war die Rate ausgetragener Schwangerschaften in der Therapiegruppe gegenüber der Kontrollgruppe signifikant erhöht (”Recurrent Miscarriage Immunotherapy Trialists Group (1994) Worldwide collaborative observational study and meta-analysis on allogenic leucocyte immunotherapy for recurrent spontaneous abortion.” Am. J. Reprod. Immunol. 32 (1994) 55 - 72).
In dem Zentrum mit der meisten Erfahrung auf diesem Gebiet, dem Institut für Immunologie an der Universität Kiel wird bei der Immunisierung wie folgt vorgegangen: Für die Immunisierung werden vom Spender (meist der Partner) ca. 100 ml Blut entnommen und daraus die Lymphozyten mit Dichtegradienten isoliert. Das verbleibende Volumen mit dem Lymphozytenkonzentrat beträgt nach der Aufbereitung ca. 1ml und wird meist in die Haut gespritzt (intracutan), in mehreren Quaddeln. Anschließend wird in einem 4-wöchigen Abstand ein einem EIA-(Erythrozyten-Agglutinations-Inhibitions-)Test geprüft, ob ausreichend “schützende Antikörper” gebildet wurden. Je nach Reaktion des Immunsystems kann dann ein Zeitraum angegeben werden, für den der immunologische Schutz einer Schwangerschaft gilt.
“Passive Immunisierung“: Bei Nierentransplantierten stellte man fest, dass Abstoßungsreaktionen gegenüber dem Transplantat seltener waren, wenn Infusionen mit Immunglobulinen gegeben wurden. Dieser Erkenntnis folgend, versuchte man die Abstoßung einer Schwangerschaft durch die gleiche Maßnahme zu unterdrücken. Auch hier kamen die Wissenschaftler in Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen, in den USA wurde die Behandlung wiederholter Fehlgeburten mit Immunglobulinen inzwischen verboten, da man annimmt, dass die möglichen Risiken den Nutzen überwiegen.
Leukozytenultrafiltrat: Ein aus Spenderleukozyten hergestelltes Medikament (Handelsname: “Leukonorm ®“) ist für die Behandlung des habituellen Aborts zugelassenen und soll ähnliche Mechanismen im Immunsystem auslösen wie die “aktive Immunisierung”. Das Präparat wird in wöchentlichen Injektionen verabreicht.
| Noch ein wenig “graue Theorie”:
Der aktiven Immunisierung und auch der Leukonorm-Gabe schreibt man eine direkte Einflussnahme auf die Immunzellen zu. Bei ungestörtem Schwangerschaftsverlauf ist das Gleichgewicht zwischen TH1- und TH2-Immunantwort zu Gunsten der Th2-Immunantwort verschoben, was durch eine vermehrte Sekretion der TH2- Zytokine wie z.B. IL-4, -5, -6, -10 und TFG-Beta dokumentiert werden kann. Die Sekretion abortiver TH1-Zytokine wie IL-2, TNF-alpha und -beta und Interferongamma wird hingegen unterdrückt. Bei gestörtem Schwangerschaftsverlauf, wie z.B. habituellen Aborten, ist das immunologische Gleichgewicht zu Gunsten einer TH1-Immunantwort verschoben, was sich u.a. in einer gesteigerten Aktivität und höheren Konzentration der “natürlichen Killerzellen” bei habituell abortierenden Frauen dokumentieren lässt. Obwohl in einer Reihe von Studien ein Zusammenhang zwischen immunologischen Parametern wie NK-Zell-Aktivität, Anteil CD-56 positiver Zellen, lymphozytotoxischen Antikörpern und anderen Parametern gefunden wurde, steht derzeit noch keine valides Verfahren zur Verfügung, mit dem die Diagnose “Immunologisch bedingter Abort” eindeutig gestellt werden kann. |
Es gibt leider keinen Test, der schon früh (möglichst vor der ersten Schwangerschaft) anzeigt, ob eine Frau abortgefährdet ist. Erst nach mind. 2 Fehlgeburten ist davon auszugehen, dass den Fehlgeburten ein grundsätzliches Problem zugrunde liegen könnte und nicht nur eine zufällige Ursache ohne erhöhte Wiederholungswahrscheinlichkeit. Vorher sind die Ergebnisse der entsprechenden Untersuchungen nicht ausreichend spezifisch.
Wichtig ist, dass alle anderen möglichen Ursachen für Fehlgeburten im Vorfeld ausgeschlossen wurden, also eine umfassende Abortdiagnostik erfolgte.
Man nimmt an, dass Frauen, welche wiederholt trotz guter Voraussetzungen bei einer Reagenzglasbefruchtung nicht schwanger wurden, möglicherweise ebenfalls immunologische Gründe dafür haben. Die Überlegung dabei ist, dass bei diesen Patientinnen zwar eine Einnistung stattfindet, diese Schwangerschaften aber extrem früh abgestoßen werden, also noch vor dem Schwangerschaftstest. Demzufolge müssten die gleichen Therapien wie bei der Behandlung wiederholter Fehlgeburten erfolgreich sein.
Dies ist jedoch nicht annähernd so gut belegt wie bei der Therapie wiederholter Fehlgeburten. Auch hier sind die meisten Erfahrungen an der Universität Kiel gesammelt worden unter Anwendung der aktiven Immunisierung, welche 2002 in einer Übersicht publiziert wurden. Hier konnte herausgefunden werden, dass eine Steigerung der Schwangerschaftsrate bis zu 10% möglich zu sein scheint, bei Patientinnen < 39 Jahren, guter Embryonenqualität in mind. 3 IVF-Therapien.
Auch die Unterstützung der Einnistung von Embryonen mit Hilfe von Leukonorm ® wurde untersucht. Hier kam es bei allerdings kleinen Fallzahlen in mehreren Studien zu einer Verbesserung der Einnistung. Diese Daten sind zwar interessant, können aber nicht beweisend sein für den Nutzen dieser Behandlung.
Es handelt sich bei der aktiven und auch der passiven Immunisierung um eine Übertragung von Blutbestandteilen, im weitesten Sinne einer Transfusion entsprechend. Demzufolge sind theoretisch auch alle Komplikationen möglich, die bei einer Transfusion auftreten können: Anaphylaktische (allergische) Reaktionen und Übertragung von Infektionskrankheiten. Außerdem können durch versehentliches Einbringen von roten Blutkörperchen oder Blutplättchen (für die Gerinnung zuständig) Antikörper gegen diese Blutbestandteile gebildet werden.
Zur Behandlung immunologischer Gründe von Fehlgeburten stehen verschiedene Methoden zur Auswahl, welche allesamt keine Standardtherapien sind. Am bewährtesten und besten untersucht ist die aktive Immunisierung. Zur Verbesserung der Einnistung bei einer IVF- oder ICSI-Therapie sind diese Methoden ebenfalls anwendbar. Kleinere Studien weisen ermutigende Ergebnisse auf, jedoch kann man auch hier nicht von etablierten Methoden sprechen.
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Kommentare
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wir haben ein Kind,Frühgeburt in 32.SSW. Danach 3 Fehlgeburten! Gentest ergab nichts! Frauenarzt meint, es stimmt was mit den Antikörpern nicht! Würde uns eine Immunisierung helfen? Wie sieht das praktisch aus? Erst schwanger werden, dann immunisieren oder vor der Schwangerschaft? Kann das in jeder gyn. Praxis erfolgen oder müssen wir eine Spezialklinik aufsuchen? Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort!
@ Heike: Eine Immunisierung erfolgt meist vor einer Schwangerschaft. zumindest ist dies bei einer aktiven immunisioerung der Fall. “Antikörper” ist jedoch ein weitgefasster Begriff, denn es gibt auch Antikörper, die eher eine Behandlung mit Gerinnungshemmenden Substanzen erforderlich machen und nicht unbedingt eine Immunisierung.
wir haben zwei normale Schwangerschaften (gleiche Partner)und im Anschluss daran 3 aufeinanderfolgende Fehlgeburten ( 8. 9. und 10. SSW)erlitten, bei denen keine Ursache gefunden wurde. Umfangreiche Untersuchungen(Schilddrüse, Gerinnung usw.)und die genetische Untersuchung ergaben keine Hinweise auf die Ursache der wiederholten drei Fehlgeburten und ein erneutes Wiederholungsrisiko.
1. Wäre eine aktive Immunisierung in dem Fall angesagt?
2. Kann meine Blutgruppe, ich habe B Rh neg, eine Ursache sein, wenn die Resogan-Gabe nicht rechtzeitig erfolgte?
Danke für ihre Bemühungen
@ Sabine. Vermutlich eher nicht, da Sie bereits zwei Schwangerschaften ausgetragen haben. Einige Immunologen halten diese für ein Ausschlusskriterium für enie Immunisierung. In Anbetracht Ihrer fehlgeburten wäre es aber sicherlich sinnvoll, das bei Ihnen gesondert abklären zu lassen.
Es kann bei später Rhesogam-Gabe zu Problemen in der Schwangerschaft kommen, diese treten jedoch später in der Schwangerschaft ein
Guten Tag.
Kann die aktive Immunisierung auch während einer bestehenden Schwangerschaft angewendet werden oder muss dies vor der Befruchtung geschehen?
Eine Diagnose haben wir schon.
Ich danke Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Anja
meine private Krankenkasse will nach 4 Fehlgeburten die Kosten für eine HLA Testung nicht übernehmen. Darf sie dieses verweigern?
@ Anja: Siehe Antwort auf Kommentar N ° 1
@ angel: da die Immunisierung keine etablierte Therapie ist und der Erfolg nicht ausreichend bewiesen, kann sich die Krankenkasse darauf berufen und die Therapie und Diagnostik verweigern
Lieber Dr. Breitbach,
meine NK-Zellen CD56 betragen 37 %, ich werde jetzt von meinem Doc mit Aprednislon und Trenal behandelt - was halten Sie von dieser Therapie. Halten Sie es für sinnvoll beim nächsten Versuch (Kryo) um die Einnistung zu unterstützen Heparin zu geben?
(ICSI im Okt. 07 mit Verlust noch vor den SST). Die BA zur Kontrolle der Werte erfolgte zwar bereits, ich habe aber noch keine Ergebnisse, nehme die Medikation jetzt seit ca. 5 Wochen.
LG, Felis
Hallo,
kann es sein, dass hier etwas sachlich nicht ganz richtig ist? Nach dem, was ich gelesen habe, wird die passive Immunisierung in den USA sehr wohl durchgeführt, nicht aber die aktive. Dies ist zB zu finden in Quellen wie dieser: http://www.rialab.com./miscarriages_immunotherapy.php#igi
Danke fürs Aufklären,
A. Winter
@ Felis: Eine Frage für ´s Forum, dann kommt auch die Antwort schneller. Bei so stark erhöhten NK ist es vermutlich nicht verkehrt, Kortison zu geben, auch wenn diese Behandlung keine bewiesene Wirksamkeit hat.
@ A. Winter: Mein Kenntnisstand ist ein anderer. Vielleicht sollte man es weicher umformulieren: Es wird davon abgeraten.