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Alter als Ursache

Autor: E. Breitbach (Erstellt am 07.11.2003 | zuletzt geändert am 25.02.2006)

In der Zeitung steht, daß 60jährige Frauen Kinder bekommen können. Wo ist also das Problem???

Nachdem immer wieder Berichte durch die Presse gehen, daß Frauen mit > 60 Jahren noch Kinder bekommen, stellt sich in der Tat die Frage, wieso dann auf der anderen Seite behauptet wird, daß die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter sinkt?

Das “Geheimnis “dieser älteren Frauen ist immer die Eizellspende, eine Methode, die in Deutschland nicht erlaubt ist. Dabei werden Eizellen von jüngeren Frauen verwendet und mit dem Samen des Mannes der Eizellempfängerin befruchtet. Die Erfahrung zeigt, daß die Gebärmutter bis ins hohe Alter die Fähigkeit hat, Schwangerschaften auszutragen, wenngleich die Komplikationen in diesem Alter deutlich höher sind als bei jüngeren Frauen.

Es sind also die Eizellen, die das Problem darstellen……

Was macht das Alter mit dem Eierstock?

  • Es vermindert die Zahl der Eizellen. Aktive und ruhende Follikel nehmen mit zunehmendem Alter ab, wodurch die Reaktion auf Hormone geringer wird und nicht mehr so viele reife Eizellen stimuliert werden können. Im unstimulierten natürlichen Zyklus treten häufiger Zyklen ohne Eisprung auf.
  • Die Durchblutung der Eierstöcke nimmt ab, was zu einer verlangsamten Follikelreifung führen kann und insbesondere zu einem vermehrten Auftreten von Gelbkörperschwäche, da hier die Gefäßbildung und Durchblutung von großer Bedeutung ist.
  • Die Alterung der Eizellen (welche ja im Gegensatz zu den Spermien nicht immer neu gebildet werden) führt zu chromosomalen Veränderungen, die zu einer ausbleibenden Befruchtung oder Einnistung führen können oder später zu Fehlgeburten.

totgeburten.gif aborte.gif
Altersabhängige Zunahme von Spätaborten und Totgeburten(Adams CE, 1984. Mod. nach Leidenberger, 1998)Altersabhängige Zunahme von Fehlgeburten (Koller S, 1983. Mod. nach Leidenberger, 1998)
trisomie.gifAlterabhängie Zunahme von Chromosomenanomalien in Promille

Hat das auch Auswirkungen bei der Kinderwunschbehandlung?

alter_ivf.gif Das Alter erhöht also die Raten an Fehlgeburten und auch ausbleibenden Einnistungen durch genetische Veränderungen und vermindert die Chancen auf Ausbildung einer gesunden Eizelle aufgrund nachlassender Tätigkeit der Eierstöcke. Das vermindert dann leider auch die Chancen auf eine Schwangerschaft ob nun mit oder ohne medizinische Hilfestellung.

Dies schlägt sich auch bei der Reagenzglasbefruchtung nieder, wie aus der Tabelle links zu ersehen ist: Die Daten wurden aus dem Deutschen IVF-Register (Jahrbuch 2000) entnommen und zeigen deutlich eine abnehmende Wahrscheinlichkeit für das Eintreten einer Schwangerschaft in Abhängigkeit vom Alter der Frau. Diese Tendenz zeigt sich in ähnlicher Form auch bei anderen Methoden der Kinderwunschbehandlung, seien es einfache Hormontherapien, Inseminationen oder gar eine ICSI. Wenn man dann noch berücksichtigt, daß der Verlauf der Schwangerschaften im Vergleich zu jüngeren Frauen oft problematischer ist (Fehlgeburten), dann ist die sogenannte “Baby-Take-Home-Rate” noch geringer als bei jüngeren Frauen.

Warum sind Fruchtbarkeitsstörungen häufiger bei älteren Frauen?

Neben den oben bereits erwähnten Gründen gibt es noch weitere Probleme, welche dazu führen, daß bei älteren Frauen der Anteil unerwünschter Kinderlosigkeit größer ist. Z. B. treten Endometriose und Myome, aber auch chronische Erkrankungen, welche die Fruchtbarkeit einschränken können (Schilddrüsenstörungen, immunologische Erkrankungen) erst im Verlauf des fruchtbaren Alters der Frau auf, nicht selten sogar erst, wenn diese >35 sind. Bei jungen Frauen bestehen diese Erkrankungen oft noch nicht oder zumindest ist der prozentuale Anteil der Betroffenen geringer, zum Vorteil der Fortpflanzungsfähigkeit.

Ich bin Ende 30. Soll ich es also lieber gleich bleiben lassen?

Natürlich nicht. Es muß einem aber klar sein, daß die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nicht so hoch ist wie bei jüngeren Frauen, auch wenn man subjektiv den Eindruck hat, noch sehr “fit” zu sein für sein Alter und biologisch deutlich jünger. Am Alter der Eizellen ändert das leider nicht viel.

Wichtig ist es, daß man mit realistischen Erwartungen in eine Kinderwunschbehandlung hineingeht und daß man das Tempo nicht “verschleppt”. Diagnostik und Therapie müssen zwar nicht unter dem Eindruck von Zeitmangel in Hektik erfolgen (diese ist nie eine gute Beraterin), aber mit klarer Zielrichtung und Konsequenz.

Einfaches Beispiel: Wenn bei einer 25jährigen innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eingetreten ist, dann würde man z. B. dazu raten, zunächst einmal ein paar Monate die Basaltemperatur zu messen, um zu sehen, ob überhaupt ein Eisprung besteht. Vielleicht würde man auch ein Spermiogramm veranlassen. Bei einer älteren Frau würde man sicherlich eher dazu raten, sich sofort in einem spezialisierten Kinderwunsch-Zentrum vorzustellen, wo dann mit Hormonbestimmungen und Ultraschalluntersuchungen den Ursachen schneller auf den Grund gegangen wird. Und dann aus den gewonnenen Erkenntnissen eher therapeutische Konsequenzen gezogen werden.

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12 Antworten auf “Alter als Ursache”

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Kommentare unserer Besucher zum Artikel

  1. M.Werzl schreibt:

    Hallo

    Ich bin 41 Jahre und mein Mann 36. Vor Jahren hatte ich zwei Eileiterschwangerschaften und es wurde festgestellt das meine Eileiter verglebt sind. Ich möchte gern das man mir die Eileiter durchgängich macht durch eine Operation weil wir noch den großen Wunsch haben ein Kind zu bekommen. Bin ich für so eine Operation schon zu alt?
    Ich möchte noch dazu sagen ich habe zwei erwachsene Kinder aber mein Wunsch nach einen weiteren Kind ist sehr groß und mein jetziger Mann hat noch keine eigenen Kinder.

  2. E. Breitbach schreibt:

    @ M.: Man wird sich zumindest schwer tun, Ihnen eine solche Operation anzubietenm, denn auch bei Ihnen ist die Möglichkeit für eine Schwangerschaft zumindest reduziert, wenngleich noch realistisch, ajedoch eine solche Operation sehr aufwednig und mit entsprechenden Risiken verbunden

  3. Sarah schreibt:

    ich bin 19 mein mann 33
    heißdas jetzt ich muss 6 jahre warten bis wir ein kind bekommen können und mein mann dann
    schon 39 jahre alt ist, und unser kind dann opa zu ihn sagen wird??
    oder kann man das mit 19 auch schon machen???
    ps wir sind 3 jahre zusammen 1 jahr verheiratet haten nbie geschützen geschlechtsverkehr vom urologen bestätig mein mann ist nicht kinderzeugungsfähig

    hilfffeeeeee würde mir jetzt gut bekommen

  4. clau schreibt:

    Hallo,
    ich bin 40, mein Mann 46, wir haben eine fünfjährige Tochter. Nach einer Fehlgeburt in der 10 SW in Sommer 04 habe ich seit Oktober 05 drei IVF und fünf Kryo-Rückführungen hinter mir. Problemtatisch sei mein Endometrium, nur 6 mm (mit und ohne Stimulierung). Kann das der entscheidende Grund sein oder bin/sind ich/wir doch zu alt?

    Vielen Dank für Ihre Antwort.
    CK

  5. Tina schreibt:

    Es ist unglaublich,dass es immer noch Seiten gibt und natürlich viele Menschen, die glauben, dass es nur eine von Geburt an vorgegebene Eizellenanzahl gibt. Tatsächlich ist es aber so, dass wie bei den Männern auch bei Frauen neue Eizellen produziert werden. Auch ist bekannt, dass Gendefekte und Fehlgeburten durch ältere Männer genauso wie bei Frauen verursacht werden. Gott sei Dank wurde mal in diese Richtung ein wenig geforscht!

  6. E. Breitbach schreibt:

    @ Tina: Diese Forschungsergebnisse sind leider falsch, wie sich gerade herausstellte:
    http://www2.netdoktor.de/nachrichten/index.asp?id=126834&D=10&M=5&Y=2007
    Erfreulicherweise ist Forschung im Idealfall meistens emotionslos, das gilt auch für die Rezeption der Forschungsergebnisse. Nicht jedoch für Ihren Kommentar. Das mit den gendefekten bei älteren Männern stimmt zwar, hat jedoch längst nicht den Stellenwert wie bei den Eizellen.

    @ Clau: Mit 40 ist man noch nicht zu alt, um erfolgreich behandelt zu werden oder/und schwanger zu werden. Die niedrige Schleimhaut ist jedoch möglicherweise wirklich ein Problem. Hier steht mehr dazu

    @ Sarah: Leider ist es so, dass die Kassen die Behandlungen erst ab dem vollendeten 25. Lebensjahr teilweise bezahlen. Das ist sicherlich sehr willkürlich, aber leider gibt es da auch praktisch keinen Ermessensspielraum

  7. Christel schreibt:

    Hallo,
    ich bin jetzt 47 Jahre alt, mein Mann ist 36. Nun hat er gehört, daß es in Tschechien durch Blastozystenn möglich ist, daß ich noch schwanger werde.
    Ich habe schon zwei Inseminationen und ausreichend Hormonbehandlungen (vor 7 Jahren)hinter mir. Außerdem weiß ich, daß ich seit mindestens drei Jahren eine Schilddrüsenunterfunktion habe. Nun hat mein Mann aber wieder übergroße Hoffnungen, daß es dieses Mal klappt. Er ist auch sofort dazu bereit, einen Kredit dafür aufzunehmen, weil ihm gesagte wurde “daß das 100% klappt”. Was kann ich tun. Ich wünsche mir immer noch sehnlichst ein Kind, aber nicht um jeden Preis. Außerdem habe ich Angst davor, ein behindertes Kind zu bekommen.

  8. Anonymous schreibt:

    meine partnerin ist 49 und bekommt regemaessig ihre regel, wie sind die chansen einer schwangerschaft ?

  9. E. Breitbach schreibt:

    @ Christel: Es mag sein, dass andere Methoden bei Ihnen hilfreicher sind als die übliche Behandlung. Aber auch durch den Blastozystentransfer werden sich Ihre Chancen nicht sehr deutlich steigern lassen.

    @ Anonymus: Die Chancen bewegen sich leider nur im unteren einstelligen Bereich.

  10. Miriam schreibt:

    Nach der Geburt meines vierten Kindes hab ich mich sterilisieren lassen. Jetzt bin ich 40, habe einen neuen Partner (39), der sich auf Druck seiner Ex auch sterilisieren hat lassen, und wir hätten gern ein gemeinsames Kind. Keine Chance, oder doch?

  11. E. Breitbach schreibt:

    @Miriam: Theoretisch schon. Man kann Spermien aus dem Hoden entnehmen (STichwort TESE) und eine künstliche Befruchtung durchführen. Das müssten Sie aber komplett selbst bezahlen. Die Chancen mit 40 sind nicht besonders gut, aber andererseits auch ausreichend, um es zumindest zu wagen. Wenn man sich traut und as nötige Geld hat ;-)

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