Alter als Ursache


In der Zeitung steht, dass 60jährige Frauen Kinder bekommen können. Wo ist also das Problem???

Nachdem immer wieder Berichte durch die Presse gehen, dass Frauen mit > 60 Jahren noch Kinder bekommen, stellt sich in der Tat die Frage, wieso dann auf der anderen Seite behauptet wird, dass die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter sinkt?

Das „Geheimnis „dieser älteren Frauen ist immer die Eizellspende, eine Methode, die in Deutschland nicht erlaubt ist. Dabei werden Eizellen von jüngeren Frauen verwendet und mit dem Samen des Mannes der Eizellempfängerin befruchtet. Die Erfahrung zeigt, dass die Gebärmutter bis ins hohe Alter die Fähigkeit hat, Schwangerschaften auszutragen, wenngleich die Komplikationen in diesem Alter deutlich höher sind als bei jüngeren Frauen.

Es sind also die Eizellen, die das Problem darstellen……

Was macht das Alter mit dem Eierstock?

  • Es vermindert die Zahl der Eizellen. Aktive und ruhende Follikel nehmen mit zunehmendem Alter ab, wodurch die Reaktion auf Hormone geringer wird und nicht mehr so viele reife Eizellen stimuliert werden können. Im unstimulierten natürlichen Zyklus treten häufiger Zyklen ohne Eisprung auf.
  • Die Durchblutung der Eierstöcke nimmt ab, was zu einer verlangsamten Follikelreifung führen kann und insbesondere zu einem vermehrten Auftreten von Gelbkörperschwäche, da hier die Gefäßbildung und Durchblutung von großer Bedeutung ist.
  • Die Alterung der Eizellen (welche ja im Gegensatz zu den Spermien nicht immer neu gebildet werden) führt zu chromosomalen Veränderungen, die zu einer ausbleibenden Befruchtung oder Einnistung führen können oder später zu Fehlgeburten.
totgeburten.gif aborte.gif
Altersabhängige Zunahme von Spätaborten und Totgeburten(Adams CE, 1984. Mod. nach Leidenberger, 1998) Altersabhängige Zunahme von Fehlgeburten (Koller S, 1983. Mod. nach Leidenberger, 1998)
trisomie.gif Altersabhängige Zunahme von Chromosomenanomalien in Promille

Hat das auch Auswirkungen bei der Kinderwunschbehandlung?

alter_ivf.gif

Das Alter erhöht also die Raten an Fehlgeburten und auch ausbleibenden Einnistungen durch genetische Veränderungen und vermindert die Chancen auf Ausbildung einer gesunden Eizelle aufgrund nachlassender Tätigkeit der Eierstöcke. Das vermindert dann leider auch die Chancen auf eine Schwangerschaft ob nun mit oder ohne medizinische Hilfestellung.

Dies schlägt sich auch bei der Reagenzglasbefruchtung nieder, wie aus der Tabelle links zu ersehen ist: Die Daten wurden aus dem Deutschen IVF-Register (Jahrbuch 2000) entnommen und zeigen deutlich eine abnehmende Wahrscheinlichkeit für das Eintreten einer Schwangerschaft in Abhängigkeit vom Alter der Frau. Diese Tendenz zeigt sich in ähnlicher Form auch bei anderen Methoden der Kinderwunschbehandlung, seien es einfache Hormontherapien, Inseminationen oder gar eine ICSI. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Verlauf der Schwangerschaften im Vergleich zu jüngeren Frauen oft problematischer ist (Fehlgeburten), dann ist die sogenannte „Baby-Take-Home-Rate“ noch geringer als bei jüngeren Frauen.

Warum sind Fruchtbarkeitsstörungen häufiger bei älteren Frauen?

Neben den oben bereits erwähnten Gründen gibt es noch weitere Probleme, welche dazu führen, dass bei älteren Frauen der Anteil unerwünschter Kinderlosigkeit größer ist. Z. B. treten Endometriose und Myome, aber auch chronische Erkrankungen, welche die Fruchtbarkeit einschränken können (Schilddrüsenstörungen, immunologische Erkrankungen) erst im Verlauf des fruchtbaren Alters der Frau auf, nicht selten sogar erst, wenn diese >35 sind. Bei jungen Frauen bestehen diese Erkrankungen oft noch nicht oder zumindest ist der prozentuale Anteil der Betroffenen geringer, zum Vorteil der Fortpflanzungsfähigkeit.

Ich bin Ende 30. Soll ich es also lieber gleich bleiben lassen?

Natürlich nicht. Es muss einem aber klar sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nicht so hoch ist wie bei jüngeren Frauen, auch wenn man subjektiv den Eindruck hat, noch sehr „fit“ zu sein für sein Alter und biologisch deutlich jünger. Am Alter der Eizellen ändert das leider nicht viel.

E ist wichtig mit realistischen Erwartungen in eine Kinderwunschbehandlung hineinzugehen und dass man das Tempo nicht „verschleppt“. Diagnostik und Therapie müssen zwar nicht unter dem Eindruck von Zeitmangel in Hektik erfolgen (diese ist nie eine gute Beraterin), aber mit klarer Zielrichtung und Konsequenz.

Einfaches Beispiel: Wenn bei einer 25jährigen innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eingetreten ist, dann würde man z. B. dazu raten, zunächst einmal ein paar Monate die Basaltemperatur zu messen, um zu sehen, ob überhaupt ein Eisprung besteht. Vielleicht würde man auch ein Spermiogramm veranlassen. Bei einer älteren Frau würde man sicherlich eher dazu raten, sich sofort in einem spezialisierten Kinderwunsch-Zentrum vorzustellen, wo dann mit Hormonbestimmungen und Ultraschalluntersuchungen den Ursachen schneller auf den Grund gegangen wird. Und dann aus den gewonnenen Erkenntnissen eher therapeutische Konsequenzen gezogen werden.


Zuletzt bearbeitet am: 28. Nov 2016 @ 16:12

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